Arbeitsrecht Erst abmahnen

Arbeitnehmer, die auf Kosten ihres Chefs im Büro privat telefonieren, haben Anspruch auf eine Abmahnung. In kleinen Betrieben ist trotzdem eine sofortige Kündigung möglich.

Frankfurt - Private Telefonate am Arbeitsplatz rechtfertigen eine fristlose Kündigung nur bei vorausgegangener Abmahnung. Das hat das Arbeitsgericht Frankfurt entschieden.

Die Richter erklärten damit die fristlose Kündigung einer Steuerfachgehilfin für unwirksam. Weil in dem beklagten Steuerbüro aber weniger als fünf Angestellte beschäftigt werden und damit das Kündigungschutzgesetz nicht anwendbar ist, befanden die Richter die ebenfalls ausgesprochene ordentliche Kündigung für wirksam (Az: 7 Ca 7042/98).

Den Angaben des Arbeitgebers zufolge hatte die Angestellte allein an einem Tag zwölf private Telefonate mit einem zeitlichen Umfang von rund vier Stunden im Büro geführt. Dies sei nicht länger hinnehmbar, begründete die Kanzlei die fristlose Kündigung. Eine Abmahnung war der Mitarbeiterin zuvor aber nicht erteilt worden. Die Arbeitnehmerin räumte zwar ein, im Büro privat telefoniert zu haben, bestritt aber den langen Zeitraum. Private Telefongespräche seien aber nicht grundsätzlich verboten gewesen.

Der Gerichtsvorsitzende verwies im Urteil auf das Recht des Arbeitnehmers, vor einer etwaigen Kündigung darauf hingewiesen zu werden, daß die umfangreichen privaten Telefonate im Büro nicht erwünscht seien. Dies gelte vor allem, wenn in dem Unternehmen kein grundsätzliches Verbot verhängt worden sei. Erst nach einer solchen Abmahnung mit der Androhung, in einem Wiederholungsfall zu kündigen, dürfe ein Arbeitnehmer tatsächlich entlassen werden, sagte der Richter.