Telekom-Kritik Breitseite von den Fondsexperten

Mit der DWS und Union Investment meldeten sich am Dienstag während der Hauptversammlung der Telekom nicht nur die mächtigsten Fondsgesellschaften Deutschlands zu Wort. Sie gelten zugleich als die schärfsten Telekom-Kritiker unter den Fonds in Deutschland.

Köln/Hamburg – DWS-Fondsmanager Klaus Martini und Union-Investment-Sprecher Rolf Drees gehen unter anderem scharf mit der Entwicklung der T-Aktie  ins Gericht und machen auch das Management für den Kursverfall verantwortlich. manager-magazin.de dokumentiert mit ausgewählten Beispielen die Kritik der Fonds an dem Bonner Konzern und seinem Vorstandschef Ron Sommer.

Zum Absturz der T-Aktie

Zum Absturz der T-Aktie

Union Investment: "Wir Aktionäre sind unzufrieden mit dem Kurs. Gegenüber dem Dax weist die Aktie eine deutliche Underperformance auf. Zwar ist durch den zunehmenden Wettbewerb die gesamte Branche in eine turbulente Phase geraten. Gleichwohl waren auch in diesem schwierigen Marktumfeld bessere Ergebnisse möglich. Dies zeigen die Kurse anderer Gesellschaften.

Da sowohl der deutsche Aktienmarkt als auch vergleichbare Unternehmen auf längere Sicht besser rentierten, können wir die Ursachen für die mageren Ergebnisse weder allein in Deutschland und Europa noch in der Branche erkennen. Die schwache Kursentwicklung muss sich daher das Top-Management zurechnen lassen."

DWS: "Es ist für uns alle deprimierend zu dieser Hauptversammlung zu kommen. Der Kurs der Aktie halbierte sich seit der letzten Hauptversammlung. In Ihrem Geschäftsbericht sprechen Sie euphorisch von Perspektiven, Sie haben Höheres im Sinn und streben danach – große Worte! Sie sagen allerdings auch, Sie würden auf dem Boden bleiben; zumindest für Ihre Aktie trifft das zu.

Im Vergleich zum Dax und zu anderen europäischen Telekomwerten hat die T-Aktie  erneut schlechter abgeschnitten. Einzig die bezahlte Dividende hat sie vor einer schlechteren Entwicklung gegenüber dem Neuen Markt seit 1997 gerettet."

Zur Akquisitionspolitik der Telekom

Zur Akquisitionspolitik der Telekom

Union Investment: "Die Telekom  hat mit Debis und Voicestream teure Akquisitionen getätigt und auch die UMTS-Ausgaben sind kaufmännisch kaum zu rechtfertigen. Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer. Aber hier scheint der Vorstand der branchenweiten Euphorie erlegen zu sein. Allerdings erwarten wir von einem professionellen Management eine vorsichtigere und nüchtern abwägende Geschäftspolitik."

DWS: "Die Entwicklung bei Voicestream konnte die Erwartungen im vergangenen Jahr nur hinsichtlich Kundenakquisition erfüllen. Beim Gewinn vor Steuern hängt der diesjährige Erfolg nicht nur von der eigenen Unternehmensstrategie ab, sondern stark vom Konkurrenzverhalten. Amerika hat zu viele Mobilfunkanbieter. Eventuell kommt es deshalb bald zu einer Konsolidierung von sechs auf vier Marktteilnehmer. Dies ist notwendig, weil Untersuchungen gezeigt haben, dass Mobilfunk erst ab einem Marktanteil von circa 20 Prozent profitabel wird.

Wie wird sich die Telekom mit der US-Tochter Voicestream, die deutlich unter zehn Prozent Marktanteile hat, bei einer Konsolidierung im US-Mobilfunkmarkt verhalten? Die Handlungsspielräume sind gering. Wie kann man eine weitere Vernichtung von Shareholder Value vermeiden?"

Zur Ertrags- und Gewinnentwicklung

Zur Ertrags- und Gewinnentwicklung

DWS: "Im letzten Jahr hatten wir uns für eine Steigerung der Profitabilität ausgesprochen. Sicherlich wurde diese speziell im Mobilfunkbereich erzielt. Lässt sich dieser Trend in den nächsten Jahren fortsetzen? Es ist anzunehmen, dass bereits in naher Zukunft die Subventionen für neue Handsets wieder ansteigen. Gerade in den USA hat der Konkurrenzkampf sich erneut verschärft. Besteht deshalb nicht die Gefahr, dass eine aggressive Reduktion der Kapitalausgaben auf neun Milliarden Euro mittelfristig zur Unterinvestition führt und damit alle Schätzungen für zukünftigen Umsätze und Erträge viel zu optimistisch sind?"

Union Investment: "Wir vermissen eine ausreichend gewinnorientierte Strategie des Managements. Denn nicht steigende Umsätze, sondern die Gewinne entscheiden über den unternehmerischen Erfolg. Die strategischen Schritte lassen aber eine angemessene Gewinnorientierung nicht erkennen. Wir vermissen aussagefähige Erfolge. Das heißt, dass der Konzern nicht nur umstrukturiert wird, sondern auch konkrete Ergebnisse in Form steigender Gewinne erzielt werden."

Zu den Bezügen des Managements

Zu den Bezügen des Managements

Union Investment: "Das Stock-Options-Programm entspricht nicht qualitativ hohen Standards. Wir begrüßen grundsätzlich eine erfolgsabhängige Vergütung des Managements. Auf diese Weise können die Interessen der Eigentümer mit dem des Managements verknüpft werden. Allerdings entspricht das von der Telekom  gewählte Modell nicht diesen Anforderungen, da das begünstigte Telekom-Management auf dem Oberdeck logiert, während die Aktionäre weit unten rangieren.

Zwar können die Optionen bereits nach zwei Jahren erstmals ausgeübt werden – jedoch ist die Laufzeit von zehn Jahren bei 20 Prozent Kurssteigerung zu lang. Es ist unangemessen, wenn die Optionen einen Zeitraum von zehn Jahren einräumen bis eine Kurssteigerung der T-Aktie von insgesamt 20 Prozent übertroffen werden muss. Denn 20 Prozent in zehn Jahren bedeutet, dass bereits bei einer Rendite von zwei Prozent jährlich für die Begünstigten die Sektkorken knallen.

Auch vermissen wir, dass die Kursentwicklung der Telekom sich an einer Benchmark orientiert. Ein Vergleich mit einem repräsentativen Branchenindex fehlt. Auf diese Weise verkommt das Instrument Stock-Options zu einem Griff in die Taschen der Aktionäre."

Zur Informationspolitik

Zur Informationspolitik

DWS: "Der Geschäftsbericht der Telekom  strotzt vor Optimismus und Positivem. Dort steht: 'Die positive Entwicklung unseres operativen Geschäfts spiegelt sich im Berichtsjahr leider wieder nicht in der Bewertung durch die Kapitalmärkte wider ...' Irgendwer irrt hier. Insgesamt ist festzustellen, dass Ihre Informationspolitik verbesserungsbedürftig ist. Die strategische Ausrichtung muss klarer und besser kommuniziert werden, und mit Ihrer bisherigen Informations-Salamitaktik verärgern Sie die Märkte und Investoren."

Union Investment: "Die Informationspolitik ist noch ungenügend. Für uns als Investoren ist kaum erkennbar, wie viel Kapital die Telekom in welchem Bereich bindet und welche Rendite das eingesetzte Kapital erzielt. Die Segmentberichterstattung ist mehr als lückenhaft. Insbesondere fehlen aussagefähige Geschäftspläne für die teuer erworbenen Unternehmen. Wir können nicht erkennen, welche Rendite die für Voicestream und Debis aufgewendeten Mittel erwirtschaften. Auch vermissen wir Angaben zu den pro Kunde erzielten Umsätzen und den damit verbundenen Gewinnen oder die aufgelaufenen Verluste."

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