MLP Termühlen ruft KPMG zu Hilfe

Der Vorstandchef holt im Kampf gegen Vorwürfe der Bilanztrickserei jetzt KPMG und Deloitte & Touche mit ins Boot. Der Finanzdienstleister steigert indes sein Ergebnis zweistellig. Die Umsätze liegen unter den Erwartungen.

Heidelberg - Der Finanzdienstleister MLP  hält nach dem ersten Quartal an seinen Gewinnprognosen für 2002 fest und versucht derweil weiter, den Vorwurf der Anwendung von Bilanztricks zu entkräften. Die Aktie schloss am Dienstag minimal fester, nachdem sie bereits am Vortag rund 16 Prozent zugelegt hatte.

Das Ergebnis vor Steuern sei in den ersten drei Monaten 2002 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 32 Prozent auf 24,5 Millionen Euro gestiegen, teilte der Versicherungs- und Finanzmakler am Dienstag in Heidelberg mit. Im Gesamtjahr solle der Gewinn vor Steuern wie in den vergangenen Jahren um 30 Prozent zulegen. Von den Turbulenzen um die Bilanzierung des Unternehmens, die die Aktie an zwei Tagen jeweils 20 Prozent ihres Wertes gekostet hatten, werde das Neugeschäft kaum beeinträchtigt, sagte eine Sprecherin.

Geringeres Erlöswachstum nur temporärer Effekt

In dem für gewöhnlich schwächsten ersten Quartal blieb das Wachstum der Gesamterlöse von MLP mit 21 Prozent auf 242,7 (201,1) Millionen Euro hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Während MLP beim Ergebnis genau die Analystenprognosen traf, hatten die von Reuters befragten Experten bei den Gesamterlösen mit einem größeren Zuwachs auf 261 Millionen Euro gerechnet.

Der Grund für diese Abweichung liege in dem in Rückdeckung gegebenen Geschäft mit fondsgebundenen Lebensversicherungen, dessen Ertrag im ersten Quartal um fünf Prozent auf 42,6 Millionen Euro zurück ging, sagte eine Sprecherin. Die Rückversicherung der zuletzt abgeschlossenen Lebensversicherungsverträge, mit deren Hilfe MLP die Abschlussprovisionen zahlt, erfolge in der Regel mit einer zeitlichen Verzögerung.

MLP setzt Hoffnung in Altersvorsorge

Aussagekräftiger sei das Neugeschäft, das im ersten Quartal 2002 um 26 Prozent auf 72,5 Millionen Euro gestiegen sei, sagte die Sprecherin weiter. Die laufenden Versicherungsbeiträge wuchsen um 30 Prozent auf 119 Millionen Euro. Das Geschäft mit der Altersvorsorge sei bis Mai gut angelaufen. Die Beiträge für fondsgebundene Lebens-Policen seien um 25 Prozent gestiegen. In dieser Sparte sei 2002 - nicht nur mit Riester-Produkten – ein deutliches Wachstum zu erwarten, erklärte Vorstandschef Bernhard Termühlen.

Für das laufende Jahr erwartet MLP weiter ein Ergebnis von 195 Millionen Euro vor Steuern, womit der Finanzkonzern sein Wachstum im bisherigen Tempo fortsetzen würde. Seit Jahresbeginn habe MLP 24.000 neue Kunden gewonnen, bis Ende des Jahres sollen fast 75.000 weitere hinzu kommen. Damit würde sich die Zahl der Kunden, die MLP überwiegend aus Hochschulabsolventen rekrutiert, bei 550.000 liegen. In den ersten drei Monaten seien 23 Filialen eröffnet werden, bis Dezember solle ihre Zahl noch einmal um mehr als 50 auf über 400 steigen.

Wirtschaftsprüfer sollen Bilanzpraxis bestätigen

Termühlen wies noch einmal die Vorwürfe des Anlegermagazins "Börse Online" zurück, MLP überzeichne sein Gewinnwachstum und baue Schulden außerhalb der Bilanz auf. Die Praxis sei rechtlich einwandfrei und üblich. Um dies zu untermauern, sollen auf der Hauptversammlung am kommenden Dienstag in Mannheim zwei Vertreter der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften KPMG und Deloitte & Touche auftreten und vor den Aktionären die Korrektheit der Bilanzierung bestätigen.

Bilanzprüfer von MLP ist die relativ kleine Düsseldorfer Prüfungsgesellschaft Rölfs WP Partner. Eine von Kleinaktionären geforderte Sonderprüfung hatte Termühlen abgelehnt.

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