Die Thilenius-Kolumne Riskantes Spiel

Das Kostensenkungsprogramm bei Cisco Systems scheint zu greifen. Vorsichtige Investoren sollten jedoch die Aktie erst dann kaufen, wenn sich der Markt erholt hat.

Am vergangenen Mittwoch hat der Netzwerkausrüster Cisco System gemeldet, dass er in den drei Monaten von Februar bis April 2002 einen Nettogewinn von zehn Cent je Aktie erzielt hat. Im gleichen Quartalsvorjahres verbuchte der Konzern noch einen großen Verlust. Dafür waren im wesentlichen Abschreibungen auf Lagerbestände und Sonderkosten für Entlassung und Sanierungen verantwortlich.

Nun zeigt sich die Effekte der Kosteneinsparungen. Die Betriebskosten sanken im vergleich zum Vorjahresquartal um 500 Millionen Dollar und die Belegschaft schrumpfte um 5000 Mitarbeiter.

Das Ergebnis von zehn Cent pro Aktie für eine der am meisten beachteten Technologieaktien ist außerordentlich respektabel. Dementsprechend gab es als Reaktion auf dieses Ergebnis auch einen kräftigen Kursschub für Cisco Systems und für das gesamte Segment der Technologiewerte in USA.

Dieser Aufschwung dauerte allerdings nur einen Tag, denn am nächsten Tag wurden die Kurse wieder gebeutelt und fielen nahezu auf den Stand von vor der Bekanntgabe der guten Cisco System Zahlen zurück.

In der folgenden Woche gab es dann recht gute Zahlen von Applied Materials. Diese Nachrichten sowie günstige Ergebnisse der amerikanischen Einzelhandels ließen dann die Kurse wieder steigen.

Entscheidend für den weiteren Kursverlauf ist jedoch nicht so sehr das, was die Unternehmen über ihre Vergangenheit berichten, sondern wie sie die Zukunft einschätzen. Und an dieser Stelle war der Ausblick von Cisco System betont vorsichtig. Es kann also keine Entwarnung für die Cisco Aktie gegeben werden. Es ist im Gegenteil damit zu rechnen das Cisco solange hin und her getrieben wird, bis das Unternehmen selbst sagt dass es über hohe Auftragseingänge verfügt. Dies kann allerdings noch einige Monate dauern.

Der vorsichtige Investor wird deshalb mit dem Kauf von Cisco System noch warten, bis das Unternehmen selbst bestätigt, dass sich der Markt deutlich bessert. Der dynamische Investor wird sich sagen, dass er heute auf Drei-Jahressicht einen Qualitätswert wie Cisco Systems wahrscheinlich in der Nähe des absoluten Tiefstand kaufen kann und sich möglicherweise noch einige Monate gedulden muss bevor es zu einem kräftigen Anstieg kommt. Im Rückblick aus dem Jahr 2003 oder 2004 wird wahrscheinlich das Frühjahr 2002 als eine recht günstige Einstiegsgelegenheit erscheinen.

Aber solange muss man möglicherweise noch warten.

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