Die Trinkaus-Kolumne Planung mit der T(ee)-Aktie

Abwarten und Tee trinken - das ist jetzt die richtige Strategie bei den Telekom-Werten. Der eine oder andere Kurs könnte zwar noch einmal etwas nachgeben, aber die Bewertung lässt kurz- bis mittelfristig Kurserholungen erwarten.
Von Klaus Lüpertz

In der Telekombranche weht derzeit ein scharfer Wind. Das Geschäft läuft seit Monaten unrund, und nun sorgen Kreditrating-Agenturen durch weitere Herabstufungen großer Telekom-Konzerne für Verunsicherung.

So wurde die Deutsche Telekom von A- auf BBB+ heruntergestuft, da sich der Schuldenabbau durch den weiteren Preisverfall von Beteiligungen bzw. nicht zu erzielende Preise bei einem Börsengang von T-Mobile problematischer gestaltet als zunächst angenommen. In den USA wurden Qwest  und Worldcom  heruntergestuft.

Mobilfunksektor weiterhin unter Druck

Die anhaltende Schwäche im Mobilfunksektor ist mit Gerüchten über eine Vodafone-Gewinnwarnung und niedrigere Kundenwachstumsraten in Japan zu begründen. Durch den Auskauf der Mannesmann-Minderheitsaktionäre mussten sich Vodafone-D2 und Omnitel einer Neubewertung unterziehen.

Die neuen Vorhersagen für die beiden Töchter fielen ca. zwei bis drei Prozent niedriger aus, als der Markt erwartet hatte. Das löst zwar keine substanzielle Änderung der Einschätzung aus, doch sind positive Nachrichten zunächst nicht zu erwarten, und immer wieder aufkommende negative Nachrichten - seien sie noch so unbedeutend und unbegründet - verhindern, dass das Anleger wieder Vertrauen in die Geschäftsmodelle fassen.

Sektor ähnlich bewertet wie Versorger

Die Diskussion, ob die Telkos nicht wie Versorger bewertet werden sollten, wird mittlerweile immer lauter geführt. Zum Vergleich: Versorger sind "Free Cash Flow positiv", sie haben ein Gewinnwachstum zwischen 4 bis 6 Prozent und eine Dividendenrendite von 4 Prozent bei einem KGV von 12.

Der fundamentale Ausblick der Versorger mag nicht sonderlich attraktiv erscheinen, aber er ist zumindest nicht so unsicher wie bei den meisten Telekommunikations-Konzernen. Nach diesen Kriterien und auch unter Berücksichtigung des Reinvestitionsrisikos der Telekoms erscheint der Sektor bestenfalls fair bewertet.

Der Aufschwung geht an Telekomfirmen zunächst vorbei

Eine wichtige Frage aktuell lautet: Wird ein wirtschaftlicher Aufschwung dem Sektor helfen? Aufgrund der geringen Zyklizität der Telekomunternehmen ist dies recht unwahrscheinlich, und selbst wenn, dann wird dies nicht vor dem ersten Quartal 2003 in den Ergebnissen sichtbar sein.

Was für die Telkos spricht

Einige der Unternehmensergebnisse erfüllen zwar die Erwartungen, was aber eher auf die vorsichtigen Schätzungen im Vorfeld als auf echte operative Verbesserungen zurück zu führen ist. Befürchtungen über die Qualität der monatlichen Umsätze pro Kunde bleiben weiter bestehen und der verbesserte Cash Flow war hauptsächlich auf substantiell geringere Investitionsausgaben zurückzuführen.

In dem Zusammenhang drängt sich die Frage auf, wie lange diese Kostenreduzierungen anhalten können, ohne das zukünftige Wachstum zu gefährden. Aus diesem Grund ist das weitere Potenzial nach unserer Einschätzung eher begrenzt.

Regulatorisches Risiko bleibt bestehen

Das regulatorische Risiko schwebt ebenfalls weiterhin über dem Sektor. Durch Pre-Select im Ortsnetzbereich, das nach dem gleichen Prinzip wie bei Ferngesprächen funktioniert, sind Wettbewerber nun in der Lage den größten Umsatzbereich der Ex-Monopolisten anzugreifen. In Frankreich ist dieses Angebot bereits während des ersten Quartals auf dem Markt, und die schwachen Ergebnisberichte zum ersten Quartal aus dem Festnetzbereich der France Telecom  geben Anlaß zur Sorge.

Bewertung mittlerweile recht attraktiv

Kurzfristig sind keine Nachrichten zu erwarten, die das fundamentale Bild des Sektors ändern. Positive Zeichen wie die Konsolidierung in Deutschland, der Erfolg von 3G (mobile Datenumsätze) oder die Rekapitalisierung der angeschlagenen Ex-Monopolisten Deutsche Telekom (Kurswerte anzeigen) und France Telecom sind in diesem Quartal nicht zu sehen.

Dennoch nähern wir uns nach den letzten starken Ausverkäufen insofern einer Bodenbildung, als das die meisten Aktienkurse aktuell das Szenario "Nullwachstum" in der Zukunft implizieren, was wir nicht für realistisch halten.

Fazit: Abwarten und Tee trinken. In dem Szenario sollte es nicht verwundern, wenn der eine oder andere Kurs noch einmal etwas nachgibt. Die Bewertung legt aber kurz- bis mittelfristige Kurserholungen nahe.


Hinweis: Das neue Buch unseres Kolumnisten Klaus Lüpertz ist seit einigen Wochen erhältlich. Es ist im Gabler Verlag erschienen und trägt den Titel "Internetaktien - Gewinnstrategien nach dem Crash".

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