MLP Termühlen weist Vorwürfe scharf zurück

Die Aktie von MLP kann trotz aller Dementis die Gerüchte um mögliche Bilanzmanipulationen nicht abschütteln. Am Dienstag rutschte das Papier trotz der erwarteten guten Zahlen erneut ab.

Der Heidelberger Finanzdienstleister MLP  hat Berichte über angeblich geschönte Bilanzen erneut zurückgewiesen und seine Jahresprognose bekräftigt. "Wir haben keinen Grund, unsere Wachstumsprognose zu ändern. MLP verfügt über ein Geschäftsmodell, das dem Unternehmen über Jahre hohe Erträge sichert", sagte MLP-Vorstandschef Bernhard Termühlen. Die Aktie von MLP gab am Dienstag nach Bekanntgabe der Geschäftszahlen rund sechs Prozent ab. Am Vortag hatte sie mehr als 16 Prozent hinzugewonnen.

Der Marktstratege Robert Halver von der Schweizer Privatbank Vontobel begründete am Dienstag die erneuten Kursverluste mit den anhaltenden Gerüchten über Bilanztricks. "Bis das vom Tisch ist, wird es noch eine Zeit dauern", sagte er. Die Marktteilnehmer hielten sich zurück, da die Risiken schwierig abzuschätzen seien. Die gesamte Finanzbranche komme dadurch zudem in Verruf.

Termühlen hatte zuvor mehrmals erklärt, dass MLP bis zum Jahr 2010 jährlich mit 30 Prozent wachsen will. Der Vorstandschef räumte allerdings ein, dass es nach den Kurs-Turbulenzen der vergangenen Tage zunächst zu einem Rückgang des Geschäfts kommen könnte.

"Wir haben keinen Schuldenberg aufgebaut"

MLP hatte in der vergangenen Woche Berichte des Magazins "Börse Online" über mögliche Bilanzmanipulationen entschieden zurückgewiesen. Der Konzern behält sich rechtliche Schritte gegen das Magazin vor. Die Aktie hatte darauf an zwei Handelstagen mehr als 30 Prozent ihres Wertes verloren.

Der MLP-Vorstandsvorsitzende Bernhard Termühlen hatte den Bericht als "in sich widersprüchlich und falsch" bezeichnet. Der Artikel könne Teil einer Aktion zur Kursmanipulation sein. Nach Worten Termühlens habe MLP keinen Schuldenberg aufgebaut. Es bestehe auch keinerlei Rückzahlungsverpflichtung gegenüber Rückversicherern, betonte Termühlen.

Es könne keine Rede von einem Darlehen sein, wie "Börse Online" berichte, ebensowenig bestehe ein Stornorisiko für die Rückversicherer. Die Arbeitsweise der Prüfungsgesellschaft von MLP sei über jeden Zweifel erhaben, fügte Termühlen hinzu. Die gesamte Konzernbilanz von MLP sei testiert und zeige das Gegenteil zu den Vorwürfen der Ertragsoptimierung.

Keine Sonderprüfung der Bilanz 2001

MLP bediene sich des völlig üblichen Rückversicherungsgeschäfts, wobei die Risiken auf den Rückversicherer übertragen würden, räumte Termühlen ein. Die in dem Bericht erwähnten Schulden von 150 Millionen Euro seien abschließend vereinnahmt. MLP arbeite als Makler nicht, wie in der Branche üblich, frontgeladen, sondern verteile die Abschlussprovision für Teile des Geschäfts als laufende Vergütung. Sonst wäre der Konzerngewinn 2000 und 2001 um 50 Millionen Euro höher ausgefallen, sagte Termühlen weiter.

Der MLP-Konzern will die Bilanz 2001 vorerst nicht durch eine andere Wirtschaftsprüfungsgesellschaft prüfen lassen, sagte Termühlen. Die Bilanz sei auch dem Bundesaufsichtsamt für das Versicherungs- und das Kreditwesen vorgelegt worden. Die Behörden hätten die Zahlen nicht beanstandet.

Aktionärsschützer: "Schlimmer als Enron"

Ob MLP rechtliche Schritte gegen das Magazin "Börse Online" einleiten werde, sei noch nicht entschieden. Möglicherweise werde von anderer Seite rechtlich gegen das Blatt vorgegangen, da im Vorfeld des Artikels von einer "hoch gehenden Bombe" gesprochen worden sei.

Warum Hedge-Fonds immer wieder MLP angriffen, liege möglicherweise an der vergleichsweise schwerer zu lesenden Bilanz. Zudem sei MLP ein Wachstumsunternehmen mit einem höheren KGV und damit umso anfälliger für Kursmanipulationen.

Schutzgemeinschaft fordert Sonderprüfung

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) zweifelt trotz aller Beteuerungen des Managements den MLP-Jahresabschluss an. Die bisherigen Stellungnahmen der MLP AG zu den Vorwürfen der fragwürdigen Bilanzierung seien "völlig ungenügend", hatte die SdK am Montag erklärt. Die Schutzgemeinschaft forderte eine Sonderprüfung durch eine renommierte internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. In der vergangenen Woche hatte ein SdK-Sprecher erklärt, "das ist ein Sachverhalt, der schlimmer als bei Enron ist."

SdK: MLP-Prüfer haben zweifelhaften Ruf

Die MLP-Jahresabschlüsse seien nach SdK-Angaben seit dem Börsengang 1986 de facto von derselben Prüfungsgesellschaft, der Rölfs WP Partner AG Düsseldorf, testiert worden. Diese prüfe außer der umstrittenen Securenta AG keine größeren Gesellschaften. "Rölfs hat wegen der Securenta, die nach einem Gerichtsurteil ein Schneeball-System betreibt, schon einen zweifelhaften Ruf", sagte der SdK-Sprecher.

Der neue Wirtschaftsprüfer solle nicht nur für das laufende Jahr tätig werden, sondern auch für die zurückliegenden Jahresabschlüsse mit einer Sonderprüfung beauftragt werden.

Die Vorwürfe von "Börse Online"

Die Vorwürfe von "Börse Online"

Nach Recherchen und Analysen von "Börse Online" habe der Heidelberger Finanzdienstleister einen Teil seiner neu abgeschlossenen Lebensversicherungen an Rückversicherer weitergegeben. Mit derartigen Transaktionen ließen sich junge, schnell wachsende Lebensversicherungen die hohen Abschlussprovisionen an ihre Vermittler finanzieren.

Im Gegenzug würden sie den Rückversicherungen einen Anteil an den künftigen Prämieneinnahmen abtreten. Nach Ansicht von 'Börse Online' handelt es sich dabei im Grunde um "Darlehen" der Rückversicherer.

58,8 Millionen Euro stammten aus Rückversicherungstransaktionen

"Das Ausmaß, mit dem MLP dieses Modell nutzt, ist ungewöhnlich hoch", berichtet das Magazin weiter. Im Jahresabschluss 2001 stammten von dem Konzernergebnis vor Steuern in Höhe von 150,7 Millionen Euro rund 58,8 Millionen Euro aus den Rückversicherungstransaktionen.

Diese Höhe erstaune um so mehr, da der Refinanzierungsbedarf der Abschlusskosten bei MLP gering sein dürfte. Denn innerhalb des Konzerns tauchten die Aufwendungen für Abschlussprovisionen der MLP-Lebensversicherungs-Tochter als Erträge bei der MLP-Finanzdienstleistungs-Tochter, die die Neuabschlüsse vermittele, wieder auf. Von dort flössen sie zum Teil wieder zurück in den Konzerngewinn.

Ertragswachstum mit Rückendeckung?

Der wesentliche Grund für die Rückversicherung dürfte daher der mit dem Rückversicherungsgeschäft auszuweisende Gewinn sein. Mit der Höhe dieser Rückversicherungserlöse steuere das Unternehmen sein Umsatz- und Gewinnwachstum von jährlich 30 Prozent und könne damit die selbst gesteckten Ertragsziele und die Erwartungen des Kapitalmarkts erfüllen, berichtet "Börse Online".

Durch diese "Darlehensvergewinnung" müssten sich nach Berechnungen von "Börse Online" bis dato gleichzeitig nicht ausgewiesene Verpflichtungen gegenüber den Rückversicherern von mehr als 150 Millionen Euro aufgetürmt haben - bei einem Eigenkapital von 265 Millionen Euro. Da die Rückversicherer ihr geliehenes Geld - höchstwahrscheinlich mit Zinsen - wieder zurückhaben wollten, dürfte MLP langfristig mehr an die Rückversicherer zurückzahlen, als die Gesellschaft von ihnen bekommen habe.

Gerüchte um MLP nicht neu

Gerüchte um MLP nicht neu

Schon mehrmals sind die Bilanzierungspraktiken von MLP Gegenstand wilder Spekulationen gewesen. Erst im Februar wies der Vorstandsvorsitzender Bernhard Termühlen diese zurück: "MLP verwahrt sich auf das Entschiedenste gegen diese Unterstellungen", hieß es in einer Stellungnahme. Die "zielgerichtet gestreuten Gerüchte" entbehrten jeder Grundlage.

"MLP ist seit 1988 börsennotiert und hat seitdem anerkanntermaßen sehr solide und konservativ bilanziert. Und das bleibt Prinzip des Unternehmens. Selbstverständlich sind alle bisherigen Bilanzen stets mit dem uneingeschränkten Testat der Abschlussprüfer versehen. Das wird genauso für das Geschäftsjahr 2001 zutreffen", hieß es weiter.

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