Sonntag, 25. August 2019

Phenomedia Ausgeflattert

Der Moorhuhn-Erfinder stellt Insolvenzantrag. Die Sonderprüfung dauert an.

Bochum - Der durch Bilanzmanipulation in die Schlagzeilen geratene Spieleentwickler Phenomedia Börsen-Chart zeigen ist zahlungsunfähig. Beim Amtsgericht Bochum sei ein Insolvenzantrag eingereicht worden, teilte die Aktiengesellschaft am Dienstagabend mit.

Zwar seien Gespräche mit potenziellen Investoren geführt, aber nicht innerhalb der gesetzlichen Fristen zum Abschluss gebracht worden. Die Liquidität sei damit nicht mehr sicher gestellt. Die Aktie des Unternehmens brach am Abend zweistellig ein.

Manager gefeuert

Ausgespielt: Ex-CEO Markus Scheer
Am 15. April hatte das am Neuen Markt notierte Unternehmen eingeräumt, die Bilanz für 2001 könnte möglicherweise Fehler enthalten. Die Vorstände Markus Scheer und Björn Denhard wurden am selben Tag mit sofortiger Wirkung von ihren Ämtern entbunden.

Eine Woche später begann eine Sonderprüfung der Bilanzen durch die Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft Warth & Klein. Diese Untersuchung dauere noch an, teilte Phenomedia mit.

Späte Einsichten des Vorstands

Vor zwei Wochen hatte sich der Phenomedia-Vorstand gegenüber den verunsicherten Anlegern noch sehr zuversichtlich gegeben. Die ersten Ergebnisse der internen Prüfungen, mit denen man "versuche, sich einen Überblick zu verschaffen", lägen vor, hieß es am 22. April.

Nach diesen Daten sei das Unternehmen nach "gegenwärtigem Kenntnisstand mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht überschuldet". 14 Tage später sind die noch verbliebenen Manager mit Hilfe der Sonderprüfer nun offenkundig zu der gegenteiligen Erkenntnis gekommen.

10 Millionen Euro Umsatz vorgetäuscht

Die beiden "Moorhuhn-Väter" Scheer und Denhard haben nach Angaben der Bochumer Staatsanwaltschaft inzwischen eingeräumt, die Bilanzen mit "nicht existenten Forderungen" verfälscht zu haben. Dabei handele es sich um eine Summe von rund 10 Millionen Euro.

Außerdem hatte das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) eine Prüfung eingeleitet, um zu klären, ob Ermittlungen wegen illegaler Insidergeschäfte aufgenommen werden müssen. Vor dem Absturz der Aktie war es zu auffälligen Bewegungen gekommen, die vermuten lassen, dass gut informierte Aktionäre kurz vor der Hiobsbotschaft noch rechtzeitig verkauften.


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