Telekom Abschied aus Südostasien

Der Verkauf der indonesischen Beteiligung gilt als wichtiges Signal beim Schuldenabbau.

Bonn - Die Deutsche Telekom steht in abschließenden Verhandlungen mit der indonesischen Regierung über den Verkauf ihrer 25-prozentigen Beteiligung an dem Mobilfunkbetreiber PT Satelindo. Nach Angaben aus mit der Situation vertrauten Kreisen will sich die Telekom auch von ihren übrigen Beteiligungen in Südostasien trennen.

Ein Telekom-Sprecher sagte am Montag in Bonn, die indonesische Regierung habe ein Angebot zur Übernahme des Anteils an Satelindo unterbreitet. "Es gibt aber noch offene Punkte", sagte der Sprecher. Über die Konditionen des Verkaufs sei man sich noch nicht einig.

Die bereits an der Börse gehandelte Indosat soll im laufenden Jahr privatisiert werden. Durch die volle Übernahme der Mobilfunktochter mit zuletzt 1,8 Millionen Kunden will die Regierung den Unternehmenswert von Indosat steigern.

Kleiner Schritt zur Schuldensenkung

Analysten beurteilten die vor dem Abschluss stehenden Verhandlungen unterschiedlich. Frank Wellendorf, Telekom-Analyst bei WestLB Panmure, sagte, die Nachrichten seien ein kleiner, aber ein erster Schritt auf dem Weg der Telekom zur Schuldensenkung. Das Unternehmen will seine Schulden von derzeit rund 67 Milliarden Euro bis Ende nächsten Jahres auf rund 50 Milliarden Euro senken.

Einige Analysten erwarteten hingegen einen höheren Verkaufserlös von rund 350 Millionen Dollar (388 Millionen Euro), nachdem die Telekom Regierungsangaben zufolge 580 Millionen Dollar (644 Millionen Euro) für die Beteiligung bezahlt hatte. In einer am Montag veröffentlichten Studie von Credit Suisse First Boston wird der Wert des Satelindo-Anteils auf 350 Millionen Euro geschätzt. CSFB stufte zugleich die Telekom-Aktien wegen geringerer Gewinnaussichten im Festnetzgeschäft auf "Halten" von "Kaufen" zurück.

Fokus auf Europa und Nordamerika

Mittelfristig will sich die Telekom nach Angaben aus mit der Situation vertrauten Kreisen von allen Beteiligungen in Südostasien trennen. "Das Mobilfunkgeschäft in Südostasien steht nicht im Mittelpunkt der Aktivitäten der Telekom", verlautete aus den Kreisen. Der Konzern strebe nicht an, sich dort mehrheitlich zu engagieren und damit strategisch zu positionieren. Die Beteiligungen seien finanzieller Natur. Die Telekom konzentriere sich auf die beiden Märkte Europa und Nordamerika. Im Zuge der Asienkrise sei der Wert der Beteiligungen bereits abgeschrieben worden.

Neben der Beteiligung an Satelindo hält die Telekom noch rund 16 Prozent an dem marktführenden Mobilfunkanbieter TRI/Celcom in Malaysia, der zum Jahresende 2001 rund zwei Millionen Kunden zählte. Der Telekom-Anteil war zuletzt durch eine Kapitalerhöhung verwässert worden, da der Bonner Konzern sich nicht an der Aufstockung des Kapitals beteiligt hatte.

Außerdem besitzt die Telekom noch 22,1 Prozent an dem philippischen Mobilfunkbetreiber Globe Telecom Islacom, der mit 4,7 Millionen Kunden zweitgrößter Anbieter des Landes ist. Die Bank CSFB schätzt den Wert der Beteiligung in Malaysia auf rund 250 Millionen Euro und den Wert des Anteils auf den Philippinen auf rund 170 Millionen Euro.

Anleihe erst im Mai?

Die zur Umschuldung geplante Milliardenanleihe der Telekom wird nach Informationen aus Konsortialkreisen nicht vor Veröffentlichung der Telekom-Quartalszahlen am 22. Mai kommen. Bei den federführenden Banken hieß es übereinstimmend, abhängig von den Marktbedingungen werde die Telekom nach der Ergebnisveröffentlichung über die Emission entscheiden. Noch in der vergangenen Woche hatten Bankenkreise fest mit einer Emission schon in dieser Woche gerechnet. Anleger zeigen sich den Angaben zufolge zunehmend besorgt über die hohe Verschuldung des Telekom-Sektors und fordern daher vergleichsweise hohe Renditen, hieß es. Die Telekom will früheren Angaben zufolge fünf bis acht Milliarden Euro in Euro- und Dollar begeben, um unter anderem auslaufende Verbindlichkeiten zu refinanzieren.