Deutsche Telekom Der Schuldenberg des Ron Sommer

Der Ex-Monopolist sitzt auf Schulden in Höhe von 67 Milliarden Euro. Bisher schlugen alle Tilgungsversuche fehl.

Den Plan, ihren Schuldenberg noch in diesem Jahr auf 50 Milliarden Euro zu drücken, hat die Deutsche Telekom unlängst selbst verworfen. Nachdem der Verkauf des TV-Kabelnetzes an John Malone, beziehungsweise an seinen Konzern Liberty Media, gescheitert ist, halten die Bonner dieses Ziel für unerreichbar. Immerhin sollte der Deal dem klammen Riesen rund 5,5 Milliarden Euro in die Kassen spülen.

Zwar wird hinter den Kulissen längst schon wieder mit Interessenten verhandelt, doch ein Abschluss ist noch nicht abzusehen. Immerhin halten Experten es nicht für ausgeschlossen, dass das Kabelnetz irgendwann zwecks Schuldenabbaus versilbert wird. "Ich bin sicher, die Telekom findet einen Käufer. Das dürfte das Schuldenproblem entschärfen", ist Klaus Martini, Leiter des Fondsmanagement Europäische Aktien bei der DWS, optimistisch.

"Der müsste seinen Hut nehmen"

Beim Umgang mit der zweiten potenziellen Tilgungsquelle, dem Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobile, gehen die Meinungen der Experten auseinander. Während die einen glauben, Ron Sommer hätte den idealen Zeitpunkt verpasst und werde in absehbarer Zeit den angestrebten Erlös von zehn Milliarden Euro an der Börse nicht erzielen können, halten einige Analysten seine abwartende Haltung für richtig. "Ein Konzernchef, der T-Mobile um jeden Preis an die Börse bringt und dafür einen Milliardenverlust in Kauf nimmt, um rund 150 Millionen Euro Zinsen zu sparen, müsste seinen Hut nehmen", hat BHF-Telekom-Analyst Werner Stäblein für Sommers Strategie Verständnis.

Einig sind sich die Experten, dass die entscheidende Größe für einen langfristigen Abbau der Schulden ein gesicherter Cashflow ist. Im vergangenen Jahr belief sich der operative Cashflow bei der Deutschen Telekom auf 11,9 Milliarden Euro. DWS-Manager Martini befürchtet aber, dass diese Summe auch in Zukunft nicht ausreichen wird. "Um die Schulden weiter zu drücken, muss die Telekom ihre Investitionen zurückfahren", so Martini. Immerhin könnte der jetzt angekündigte Ausstieg beim indonesischen Mobilfunkbetreiber PT Satelindo rund 350 Millionen Euro zum Schuldenabbau beitragen.

Keinen Aktionismus, bitte!

Bei der Aufrechterhaltung des Cashflows schließt sich der Kreis mit den Verkaufsbemühungen beim TV-Kabelnetz. Das Fernsehkabel gilt für Experten als ein Cash-Generator. Daher kann die Telekom beim Preis für einen eventuellen Käufer nicht allzu große Zugeständnisse machen. "Es wäre eine echte Wertvernichtung, das Kabelnetz unter Wert zu verkaufen, nur um kurzfristig die Bilanz zu schönen", warnt Telekom-Experte Stäblein wie beim Börsengang auch hier vor Aktionismus.

Auch die Ratingagenturen sind wenig zimperlich: So stuften sowohl Moody's als auch Fitch die Anleihen der hochverschuldeten US-Telefongesellschaft Worldcom als Junkbonds (Schrott-Anleihen) ein. Die Auswirkungen bekommt auch die Deutsche Telekom zu spüren. Die zur Umschuldung geplante neue Telekom-Anleihe wird wahrscheinlich mangels interessierter Investoren von acht auf fünf Milliarden Euro Volumen eingeschmolzen. Das Abschmelzen des Schuldenbergs wird sich dadurch wohl noch weiter hinauszögern.

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