Merrill Lynch Vorschriften sind "nicht angemessen"

Der Streit um geschönte Analysen könnte teuer werden. Eine schnelle Einigung wird ausgeschlossen.

Washington - Im Skandal um Aktien-Empfehlungen des US-Investmenthauses Merrill Lynch ist eine Einigung nach Aussage des New Yorker Generalstaatsanwalts Elliot Spitzer noch in "sehr weiter Ferne". "Wir haben noch einen langen Weg vor uns", sagte Spitzer im Interview mit ABC News in Washington. Es seien noch viele "sehr essentielle Themen" offen. Merrill Lynch wird vorgeworfen, Anleger wissentlich mit Analysten getäuscht zu haben.

In der vergangenen Woche schien nach Medienberichten eine rasche außergerichtliche Einigung möglich. Diese Hoffnungen haben sich aber nunmehr deutlich eingetrübt. Beobachter sagten, dass Spitzer von Merrill Lynch ein Schuldeingeständnis und ein Strafgeld in Höhe von knapp 100 Millionen Dollar verlangt. Aber gerade das Schuldeingeständnis möchte die Investmentbank nicht geben, da sonst Klagen von Privatanlegern in Milliardenhöhe drohen könnten, hieß es von Beobachtern des Gerichtsprozesses.

Spitzer leitet auch breitere Untersuchungen bei anderen großen Investmentbanken der Wall Street, darunter Goldman Sachs und Morgan Stanley Dean Witter. "Mein oberstes Ziel ist, das Vertrauen in den Marktplatz wieder her zu stellen." Es müsse Regeln und Strukturen geben, um sicher zu stellen, dass Privatanleger wahrheitsgetreuen Rat von Investmentbanken erhielten und nicht den verzerrten in Folge von Interessenskonflikten, der Analystenkommentare in den vergangenen Jahren durchzogen habe.

Der Generalstaatsanwalt übte zudem scharfe Kritik an den neuen Vorschriften für Analysten, die die US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) vergangene Woche beschlossen hatte. Diese seien höchstens eine Überbrückung, aber "offen gesagt absolut nicht angemessen" und "porös".

Nach den neuen SEC-Vorschriften dürfen Analysten unter anderem nicht mehr von ihren eigenen Aktien-Empfehlungen profitieren. Sie dürfen künftig auch nicht entgegen ihren eigenen Empfehlungen Wertpapiere handeln. Es wird ihnen untersagt, an Investmentbanker in ihren eigenen Firmen zu berichten. Sie dürfen auch nicht aus Mitteln bezahlt werden, die aus bestimmten Banktransaktionen stammen.

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