Computer Virus nicht so schlimm

Die Wiederkehr des Computer-Virus "Tschernobyl" verunsicherte weltweit Tausende von Computernutzern. Chaos gab es jedoch nur auf Sri Lanka. Dort schalteten viele ihren Rechnern einfach nicht an.

Colombo - Warnungen vor dem gefährlichen Computer- Virus "Tschernobyl" haben am Montag weltweit unzählige Computer-Nutzer verunsichert. Auf Sri Lanka schalteten Tausende ihren Computer aus Angst vor dem Virus nicht ein und lösten damit teilweise ein Chaos in der Geschäftswelt aus. Experten hatten auch in Deutschland vor dem Virus gewarnt, das am Jahrestag des Tschernobyl-Unglücks zuschlagen sollte. In Deutschland hat das Virus aber nach Einschätzung der Online-Dienste AOL und T-Online keine Panik ausgelöst. Bei den Telefon-Hotlines hätten nicht mehr Menschen als üblich mit Computer- oder Internet-Problemen angerufen.

Auch beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik wurden keine Schäden durch das Virus bekannt. "Es gab keinen Grund zur übertriebenen Sorge", sagte Virus-Experte Manfred Kramer. Computer-Nutzer, die ihre PC's mit aktuellen Viren-Schutzprogrammen ausgerüstet hätten, seien nicht gefährdet gewesen. Auch bei Bundesbehörden seien keine Schäden durch das Virus bekannt geworden.

Das Virus wurde nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 benannt. Beim Einschalten des Computers an diesem Tag zerstört das Virus das Startprogramm von Windows 95 und Windows 98 und löscht wichtige Daten der Festplatte. Fachleute sprachen vom vielleicht gefährlichsten Windows-Virus der letzten Jahre und empfahlen, den Computer am Montag ausgeschaltet zu lassen.

Auf Sri Lanka befolgten viele ähnliche Warnungen der Behörden und verzichteten auf ihren Computer. Die Zentralbank und große Unternehmen, aber auch private Computernutzer ließen ihren PC ausgeschaltet.

Erst Ende März hatte das Computervirus "Melissa" die Computerwelt in Angst und Schrecken versetzt. Das Virus zerstört oder ändert keine Dateien, kann aber E-Mail-Systeme durch die Ausbreitung infizierter Botschaften völlig lahmlegen. Hunderttausende Computer wurden infiziert, nachdem «Melissa» am 26. März erstmals auftauchte. Mehr als 300 Unternehmen sollen betroffen gewesen sein. Das Virus hat sich nach Einschätzung von Experten so schnell ausgebreitet wie bislang kein anderes in der Computer-Geschichte.