Die Thilenius-Kolumne Angriff auf den Platzhirsch

Microsoft drängt auf den Markt der Unternehmenssoftware und setzt SAP unter Druck. Doch die Walldorfer haben sich bislang gut wehren können und sind nach den jüngsten Kursrückgängen wieder interessant geworden.

Microsoft übernimmt das dänische Unternehmen Navision , einen Anbieter von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware für kleine und mittlere Unternehmen. Der US-Softwareriese wendet dafür ungefähr 1,5 Milliarden Euro in bar und in Microsoft-Aktien auf.

Nach Meinung von Microsoft  werden durch die Zusammenführung der Strategien und Produkte beider Unternehmen vor allem kleinen und mittleren Unternehmen in Europa künftig bessere Angebote für E-Business-Lösungen auf der Basis der Microsoft-Plattform Dotnet gemacht werden können.

Genau dieses Segment ist jedoch einer der Kernmärkte von SAP . Microsoft mit seiner großen Kapitalkraft rückt damit näher an SAP heran. Es wäre nicht ungewöhnlich, wenn Microsoft zum Einstieg in den Markt harte Bandagen anlegen würde. Das bedeutet Kampf um Marktanteile und Druck auf die Margen.

SAP-Aktie notiert unterhalb der 200-Tage-Linie

Auf diese Nachricht und die vermuteten Konsequenzen hin ist die SAP-Aktie in einem schwachen Markt für Technologiewerte gesunken. Der Kurs liegt jetzt bei unter 130 Euro. Der Tiefkurs nach dem 11. September 2001 lag bei 90 Euro, der Höchstkurs Anfang März 2002 bei 182 Euro. Auf dem Weg nach unten hat SAP auch noch die 200-Tages-Trendlinie durchbrochen, die bei 145 Euro liegt.

All das sieht auf den ersten Blick nicht gut aus. Man darf jedoch nicht vergessen, dass SAP in diesem Produktbereich eine sehr starke Stellung hat, jedenfalls in Deutschland. Mit wieder anziehender Konjunktur, zunächst in den USA, dann später auch in Deutschland, dürften nach aller Erfahrung auch die Softwareaufträge und die Gewinne wieder steigen.

Das Wachstum des Gewinns pro Aktie liegt bei SAP langfristig bei etwa 20 Prozent. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt nach dem kürzlichen Rückgang bei 32 für das Jahr 2003. Damit ist SAP nicht billig. Bis vor kurzem lag das KGV jedoch bei über 40 und in den Glanzzeiten des Unternehmens bei über 50. Der Investor, der auf die Erholung der Wirtschaft setzt und Zeit hat, wird hier eine günstige Gelegenheit sehen und zugreifen.