Cargolifter Die Luft wird dünn

Eine finanzielle Blindflugphase erlebt der Brandenburger Luftschiffbauer. Pumpen Bund und Land nicht innerhalb weniger Tage 50 Millionen Euro in das ambitionierte Firmenkonzept, platzt der Geschäftstraum des Vorstandsvorsitzenden Carl von Gablenz. Die Aktie fällt am Montag zeitweise wie ein Stein.

Frankfurt - Der Luftschiffbauer Cargolifter  steuert mit Hochgeschwindigkeit auf die Insolvenz zu - wenn nicht noch schnell eine Subventionsspritze gesetzt wird. Am Montag brach die Aktie erneut dramatisch ein; sie verlor zum Handelsbeginn rund vierzig Prozent und konnte die Verluste nur mühsam verringern, nachdem das Unternehmen Gerüchte über eine unmittelbar bevor stehende Insolvenz dementiert hatte.

Eine akute Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft werde "in den nächsten Tagen" nicht eintreten, hieß es in einer knappen Mitteilung des Unternehmens. Damit trat der schwer angeschlagene Brandenburger Luftschiffbauer einem Bericht des "Focus" entgegen, wonach das Unternehmen angeblich kurz vor der Insolvenz stehen soll. "Medienspekulationen über die mögliche Anmeldung der Insolvenz der Cargolifter AG sind nicht richtig", heißt es.

Sprecherin: "Finanzlage des Unternehmens ist ernst"

Trotzdem sei die Finanzlage des Unternehmens ernst, sagte Cargolifter-Sprecherin Silke Rösser gegenüber manager-magazin.de. Dabei verwies sie unter anderem auf die schwache Nachfrage nach einer kürzlich aufgelegten Wandelanleihe des Unternehmens.

Die Anleihe, die eine jährliche Verzinsung von sechs Prozent bietet und mit der der Liquiditätsengpass bei Cargolifter überbrückt werden sollte, findet am Markt kaum Käufer. Cargolifter mußte eingestehen, dass bei der ersten Ausgabe, die sich an eigene Aktionäre richtete, lediglich 3,8 Millionen Euro statt der erhofften 50 Millionen Euro eingenommen werden konnten.

Am 9. Mai begann die öffentliche Zeichnungsfrist für die Anleihe, "der Zeitraum ist aber zu kurz, um eine Tendenz abzugeben", sagte Rösser zur Frage, wie stark das Finanzinstrument nachgefragt war.

Kündigungen unter den 498 Mitarbeitern seien "eine der letzten Maßnahmen, die für uns in Frage kommen", um auf die angespannte Situation zu reagieren. "Dafür ist das Knowhow in unserer Belegschaft zu kostbar", sagte die Sprecherin.

Vorstände verkauften eigene Aktien

Erst Ende März hat sich der Vorstand des Luftschiffunternehmens von Aktien am eigenen Unternehmen getrennt. Der Stimmrechtsanteil der GTS Global Trans System Concept sank auf 3,9 Prozent. Hauptgesellschafter der GTS waren der Vorstandsvorsitzende Carl von Gablenz und Finanzvorstand Karl Bangert.

Damit verringerte sich ihr Anteil von 6,21 Prozent auf 3,9 Prozent. Es handele sich dabei um die Rückführung einer Fremdfinanzierung, hieß es damals. Die Anteile habe ein Investor, der nicht genannt werden solle, übernommen.

Bitt-Brief an Stolpe und Schröder

Vor wenigen Tagen nun haben Vorstand und Aufsichtsrat in einem Brief an Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) geschrieben, dass die Liquidität nur noch wenige Tage gesichert sei, heißt es aus unternehmensnahen Kreisen. Finanzvorstand Karl Bangert betonte, man brauche kurzfristig Hilfe, was eher eine Frage von Tagen als von Wochen sei. Das Unternehmen benötige 50 Millionen Euro als Zwischenfinanzierung. Schreiben mit der Bitte um Hilfe seien auch an den Wirtschaftsminister des Landes, Wolfgang Fürniß (CDU), und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gegangen.

Brandenburgs Vize-Regierungssprecher Manfred Füger schätzt die Situation scheinbar nicht besonders brenzlig ein: "Die Landesregierung bestätigt, dass zwischen Cargolifter, Landesregierung und Bundesregierung intensive Gespräche über die Sicherung von Forschung, Entwicklung und Produktion von Luftschiffen geführt werden."

Vorrangig gehe es dabei um die Aktivierung einer bereits gewährten Bund-Länder-Bürgschaft über 300 Millionen Euro und die Begleitung durch eine Hausbank. Von einer akuten Zahlungsunfähigkeit für Cargolifter sei der Landesregierung nichts bekannt. Das Kabinett in Potsdam will sich am Dienstag mit dem Thema Cargolifter befassen.

Cargolifter-Sprecherin Rösser sagte, am Wochenende habe es "intensive Gespräche" mit dem Bundeskanzleramt und der Staatskanzlei des Landes Brandenburg gegeben - bis Sonntagabend allerdings noch ohne ein veröffentlichungsreifes Ergebnis. Trotz der akuten Finanzprobleme des Luftschiffbauers haben weder Bund noch Land dem Unternehmen bislang Hilfen in Aussicht gestellt - es fehle, so die Ministerien, dafür an einem tragfähigen Langfristkonzept.

Was macht Boeing?

Bundesregierung hofft auf "privatwirtschaftliche Lösung"

Noch am Samstag hatte eine Sprecherin der Bundesregierung geäußert, man habe sich über die Lage bei Cargolifter informiert und hoffe auf eine privatwirtschaftliche Lösung. Das Unternehmen konnte allerdings bisher weder eine Bank als Kreditgeber noch einen Investor präsentieren.

Der Bund hat bereits seit längerem eine 80-prozentige Ausfallbürgschaft für Kredite zugesagt. Laut Bundeswirtschaftsministerium fand die Firma aber keine Bank, die dazu bereit war, das Risiko des restlichen Fünftels zu tragen.

Der Landrat des betroffenen Kreises Dahme-Spreewald, Martin Wille (SPD), appellierte an die Landesregierung, das Unternehmen zu retten. Noch nie habe in Deutschland ein Unternehmen in der Startphase so viel privates Kapital in eine Zukunftsentwicklung investiert wie Cargolifter. "In der Regel überwiegen die öffentlichen Fördermittel, hier machen sie keine 20 Prozent der schon geleisteten Investitionen aus", sagte Wille.

Letter of Intent beflügelte die Aktie nur kurz

Der Luftschiffbauer sucht bereits seit längerem nach strategischen Partnern. Derzeit prüft der US-Flugzeugbauer Boeing , ob das Prinzip "Leichter als Luft" auch für andere Geschäftsfelder und insbesondere für militärische Zwecke genutzt werden kann. Eine Absichtserklärung über eine künftige Zusammenarbeit (Letter of Intent) unterzeichneten die beiden Unternehmen erst vor eineinhalb Wochen.

Um bis zu 30 Prozent kletterte daraufhin der Kurs. "Wir freuen uns auf die gemeinsamen Studien mit Boeing und darauf, zusätzliche Synergien und Möglichkeiten zu entdecken", sagte Vorstandschef Carl von Gablenz optimistisch. Doch zu einem möglichen Engagement der Amerikaner oder einer finanziellen Beteiligung äußerte er sich nicht.

Jungfernflug verschoben

Zur Entwicklung seines Zeppelins CL 160 im südbrandenburgischen Brand, der 160 Tonnen schwere Lasten transportieren können soll, benötigt das Unternehmen bis zur geplanten Serienproduktion im Jahr 2005/06 noch rund 420 Millionen Euro.

Wegen der Finanzprobleme wurde der Jungfernflug auf 2005 verschoben. In das Projekt wurden bisher bereits mehr als 340 Millionen Euro investiert, davon stammen 40 Millionen aus Fördergeldern des Landes Brandenburg.