Deutsche Telekom Keine Entwarnung

Zum Wochenauftakt ist das Papier auf ein Allzeittief gefallen. Einige Anleger nutzen das Niveau zum Einstieg, nachdem die Telekom ein Signal zum Schuldenabbau gesetzt hat. Doch Händler warnen vor verfrühtem Optimismus.

New York – Mit einer Berg- und Talfahrt ist die T-Aktie  in die neue Handelswoche gestartet. Kurz nach Börsenstart rutschte das Papier auf ein Allzeittief von 12,02 Euro. Im weiteren Verlauf kletterte die Volksaktie jedoch deutlich ins Plus, nachdem das Unternehmen bekannt gegeben hat, sich von Beteiligungen in Südostasien zu trennen. Dies werten Analysten als kleinen, aber wichtigen Schritt zum Schuldenabbau.

Börsianer wollten dennoch keine Entwarnung geben. Nach wie vor sei die Stimmung schlecht, die gesamte Telekombranche unter Druck. "Warum soll ich jetzt Telekom kaufen, wenn ich die in zwei bis drei Tagen noch billiger haben kann?", sagte ein Marktteilnehmer. Zwar sei neues Kaufinteresse zu spüren, die meisten Händler würden jedoch noch die nächsten Unternehmens-Meldungen abwarten.

Vor allem die hohen Verbindlichkeiten der großen Telekomunternehmen lösten die Kurserosion aus. Erschwerend kamen Herabstufungen von Investmentbanken und Ratingagenturen hinzu. Am Montag wurde bekannt, dass auch die Credit Suisse First Boston (CSFB) das Papier der Telekom von "kaufen" auf "halten" zurückgestuft hat.

Besorgnis um den anhaltenden Preisdruck in der Branche und die sinkende Gewinnspanne der Festnetzsparte T-Com ließen das Analystenteam von CSFB die Vorsteuerprognose für 2003 zurücknehmen. Vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen kürzten sie die Gewinnerwartung für das kommende Jahr um 4 Prozent auf 17,4 Milliarden Euro. Die Herabstufung der T-Aktien begründete CSFB mit der geringen Attraktivität, die ein Einstieg für die Anleger böte. Auf Grund der unklaren Entwicklung im Festnetzgeschäft erscheine die Telekom als riskantes Investment. Mit der Einstufung "Hold" gehen die CSFB-Analysten davon aus, dass sich Aktie im Gleichklang mit dem Markt entwickeln wird.

Schon in der vergangenen Woche begann der Kurs der Telekom drastisch zu bröckeln, nachdem die Ratingagenturen Moody's und Fitch die Kreditwürdigkeit der hochverschuldeten US-Telefongesellschaft Worldcom  auf Junk-Status (Junk ist die englische Vokabel für Schrott) herabgestuft haben. Daraufhin gaben die Aktien der Telekomkonzerne europaweit nach. Neben der Telekom gaben auch Nokia , Telefonica , Alcatel  und France Telecom  deutlich nach.

Deutsche Telekom: Anleihevolumen gesenkt

Nach Ansicht von Experten dürfte der Fall Worldcom Folgen für die ebenfalls hochverschuldeten Telekomkonzerne in ganz Europa haben. Angesichts des schwachen Marktumfeldes warnen Analysten davor, dass die geplante Anleihe der Deutschen Telekom sich zu einem Flop entwickeln könnte. Die Bonds mit einem geplanten Gesamtvolumen von bis zu acht Milliarden Euro sollen zur Refinanzierung der Altschulden dienen und die Liquidität der Telekom sichern. Am Montag Morgen wurde darüber spekuliert, dass das Anleihenvolumen nun auf fünf Milliarden Euro gesenkt werde, um die Anleihe überhaupt platzieren zu können. Marktbeobachter gehen inzwischen davon aus, dass die Anleihe nicht vor Mai am Markt platziert wird.

Ron Sommer sitzt in der Klemme

Ron Sommer sitzt in der Klemme

Die Telekom sitzt nach Ansicht von Experten dabei in der Klemme. Würde der Bonner Konzern die Milliardenanleihe verschieben, werde sich die finanzielle Situation des ohnehin mit 67 Milliarden Euro verschuldeten Konzerns weiter verschlechtern.

Andererseits sei die Telekom angesichts der schlechten Nachrichten aus den USA vermutlich gezwungen, die Papiere mit einem deutlich höheren Renditeaufschlag auszugeben, damit überhaupt Investoren zugreifen, heißt es. Damit kämen aber zugleich weiter steigende Zinsbelastungen auf die Telekom zu. Der Konzern will nach letzten Meldungen an der Ausgabe festhalten.

Hintergrund für die Abstufung von Worldcom sind die hohen Verbindlichkeiten sowie die schlechte Entwicklung des operativen Geschäftes, teilten die Ratingagenturen mit. Marktbeobachter schließen eine Insolvenz des Konzerns nicht mehr aus. Der "Junk-Status" der Anleihen werde die Darlehenskosten in die Höhe treiben.

Totales Desaster für Worldcom-Anleihen

Zudem könnten Investoren aufgrund von Anlagerichtlinien gezwungen sein, Worldcom-Anleihen zu verkaufen, hieß es. Am Freitag stufte zudem Goldman Sachs die Worldcom-Aktien auf "Underperformer" von "Marketperformer" ab.

Die zu rund 18 Prozent verzinste Anleihe war bis Donnerstag um mehr als die Hälfte ihres Nennwertes gefallen. Sie notierte bei knapp 34 Dollar. Das Hoch lag bei 78,50 Dollar.

Die Analysten US-Ratingagentur Moody's Investors Service senkten ihre Bewertung der kurzfristigen Worldcom-Anleihen von "Prime-2" auf "Not Prime". Die langfristigen Unternehmensanleihen wurden von "Baa2" auf "Ba2", abgestuft. Weitere Herabstufungen seien möglich, hieß es.

Nach zwei Quartalen mit rückläufigen Umsätzen hatte Worldcom seine Prognosen für das Gesamtjahr deutlich gesenkt. Die "New York Times" hatte indes berichtet, Worldcom würde derzeit mit den Gläubigerbanken über einen Kredit in Höhe von 2,65 Milliarden Dollar verhandeln.

Der niederländische Finanzdienstleistungskonzern Aegon  hat indes die Summe, die er bei einer möglichen Pleite von Worldcom verlieren könnte, auf 200 Millionen Dollar beziffert.

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