Analysten "Ein großer Schritt nach vorne"

Die SEC reagiert auf die Betrugsvorwürfe an der Wall Street mit schärferen Vorschriften.

Washington - Die amerikanische Wertpapier- und Börsenkommission SEC hat am Mittwoch mit schärferen Aufsichtsregeln auf Interessenkonflikte bei Wertpapier-Analysten angekündigt. Damit reagiert die Behörde auf die Vorwürfe verunsicherter Anleger, dass Analysten auf Drängen der Investmentbanken geschönte Studien herausgegeben hätten. Der New Yorker Staatsanwalt Eliot Spitzer hatte in den vergangenen Wochen brisantes Beweismaterial aus dem Hause Merrill Lynch vorgelegt, dass die These der "Chinese Walls" widerlegt.

Nach den neuen Vorschriften dürfen Analysten nicht mehr von ihren eigenen Aktienempfehlungen profitieren. In Berichten und Fernsehauftritten müssen sie mitteilen, wie viele Aktien von Unternehmen sie besitzen, die sie untersucht haben. Dies hat die amerikanische Wirtschaftsagentur "Bloomberg" am Mittwoch berichtet.

Analysten dürfen künftig auch nicht entgegen ihren eigenen Empfehlungen Wertpapiere handeln. Es wird ihnen untersagt, an Investmentbanker in ihren eigenen Firmen zu berichten. Sie dürfen auch nicht aus Mitteln bezahlt werden, die aus bestimmten Banktransaktionen stammen.

Die neuen SEC-Regeln sollen über einen Zeitraum von sechs Monaten eingeführt werden. Sie wurden in Kooperation mit der New Yorker Börse und der amerikanischen Wertpapierhändler-Organisation NASD entwickelt.

Die Regeln beschränken Analystenaktivitäten und erfordern eine weitergehende Offenlegung. So müssen Investmentbanken ihre Investment-Einnahmen des vergangenen Jahres von Unternehmen oder erwartete Einnahmen von Firmen offen legen über die ihre Analysten berichten. NASD-Chef Robert R. Glauber begrüßte die "harten und umfangreichen Vorschriften". Sie seien beim Investorenschutz "ein großer Schritt nach vorne", betonte er.

Die SEC hat eine Untersuchung der Analystenforschung begonnen und hat laut "Bloomberg" von mindestens zehn großen Firmen Unterlagen verlangt. Der SEC-Vorsitzende Harvey Pitt, ein Republikaner, steht unter politischem Druck. Er soll beweisen, dass er die Interessenkonflikte behandelt, die das Vertrauen der Anleger an den Börsen reduziert hatte. Pitt hatte angedeutet, er könne eine zweite Runde von Regeländerungen einleiten, falls die SEC-Untersuchung Beweismaterial erbringen sollte, die dies erfordert.

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