Klaus Martini T-Aktie bei 13 Euro fair bewertet

Die Wachstumseuphorie ist endlich vorbei und die T-Aktie bei 13 Euro fair bewertet, sagt der bekannte DWS-Fondsmanager Klaus Martini. In dem stärksten Fonds der Gesellschaft sucht man das Papier indes vergebens. Skeptisch äußert sich der Experte zur US-Strategie der Telekom, nimmt Ron Sommer aber in Schutz.

mm.de

: Die Märkte verlieren das Vertrauen und quittieren die kostspielige Expansionsstrategie der Telekomkonzerne mit drastischen Kursabschlägen. Halten Sie die Reaktion für übertrieben?

Klaus Martini: Nein. Denn nach der Wachstumseuphorie der Unternehmen Ende der 90er Jahre, als man dachte, das geht auf alle Ewigkeit so weiter, kehrt man nun wieder zur Realität zurück. Man erkennt, dass es sich mehr oder minder einfach um ein Utilitiy-Business handelt. Man schickt vorne was rein, hinten kommt wieder was raus und dazwischen wird eine Durchleitungsgebühr verlangt. Das ist vielleicht etwas einfach, aber so ist es nun einmal.

mm.de: Ist der Vorwurf des Wachstumswahns überzogen?

Martini: Ich würde von Euphorie sprechen. Damals sind eben sehr viele mitgerissen worden. Deswegen sollte man sich jetzt auch davor hüten, einzelne Manager an den Pranger zu stellen.

mm.de: Namhafte Investmenthäuser stufen einen Telekomwert nach dem anderen oder gleich die ganze Branche ab. Wie stark ist DWS im Telekomsektor noch engagiert?

Martini: Wir haben Telekoms schon seit Herbst 2000 untergewichtet. Wir sahen relativ früh ein, dass zum Beispiel 50 Milliarden Euro für UMTS-Lizenzen, die Konzerne in Deutschland auf den Tisch legten, auf den falschen Weg führen würden.

mm.de: In dem erfolgreichsten Fonds der DWS, dem Vermögensbildungsfonds I, taucht die T-Aktie unter den Top Ten nicht mehr auf. Haben Sie hier zu Gunsten anderer Titel den Anteil der Telekom reduziert?

Martini: Das ist ein international anlegender Fonds. Da gibt es keine Benchmark-Restriktionen. Hier muss der Fondsmanager keine Rücksichten auf irgendeine Telekom-Benchmark nehmen. Er hat die Auswahl quer durch alle Aktien dieser Welt. Die T-Aktie ist nicht mehr dabei.

mm.de: Ein fünf Milliarden Euro schwerer Fonds und keinen Cent für die T-Aktie?

Martini: Ich sagte ja, wir sind grundsätzlich untergewichtet im Telekombereich. Wir halten die T-Aktie noch in deutschen und ein paar europäischen Fonds, da allerdings auch untergewichtet.

T-Aktie kann erneut kräftig fallen

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mm.de: Halten Sie die Telekom noch für überbewertet?

Martini: Ich sehe die Aktie auf dem gegenwärtigen Niveau von zwölf bis 13 Euro als fair bewertet an. Niemand kann allerdings ausschließen, dass das Papier aufgrund technischer Faktoren noch ein bis zwei Euro fällt. Die Aktie wird im Dax künftig geringer gewichtet. Da kann es sein, dass sie noch mal nach unten durchschießt.

mm.de: Die Telekom leidet unter einer enormen Schuldenlast. Kabelverkauf und T-Mobile-Börsengang sind vorerst geplatzt. Wie kann die Telekom ihre Schulden überhaupt noch reduzieren?

Martini: Ich bin sicher, die Telekom findet für das Kabelnetz noch einen Käufer, was das Schuldenproblem entschärfen dürfte. Zwar kann der Konzern noch einen hohen Cash-flow ausweisen; um die Schulden aber weiter zu drücken, wird die Telekom ihre Investitionen zurückfahren müssen.

mm.de: Der US-Mobilfunkmarkt steht vor einer Konsolidierung. Eine Fusion der Voicestream-Konkurrenten AT&T und Cingular Wireless mit dann 40 Millionen Kunden ist nicht auszuschließen. Die Telekom hat zwar US-Medienberichte dementiert, sie wolle Voicestream verkaufen. Die amerikanische Tochter hat aber lediglich sieben Millionen Kunden. Stimmt hier überhaupt noch die strategische Ausrichtung der Telekom?

Martini: Ein Mobilfunkanbieter verdient wirklich Geld, wenn er einen Marktanteil von mindestens 20 Prozent hat. Bei Voicestream liegt er unter zehn Prozent. Die Telekom ist hier dringend gefordert, strategische Allianzen einzugehen. Ich glaube nicht, dass sie Voicestream ganz verkaufen wird. Bei Fusionen der Konkurrenten besteht aber tatsächlich die große Gefahr, dass Voicestream und damit auch die Telekom an den Rand gedrängt werden. Das wäre ein schwerer Schlag für den Aktionär.

mm.de: Ein neuer Vorstandschef könnte Voicestream ohne Gesichtsverlust verkaufen...

Martini: ...ich spiele bei dieser Diskussion um Manager und Führung nicht mit. Ich glaube, Herr Sommer hat einen guten Job bei der Restrukturierung der Telekom gemacht. In der Vergangenheit, also zu einer euphorischen Zeit, sind ihm sicherlich Fehler unterlaufen. Ob es ein anderer besser gemacht hätte, das ist reine Spekulation. Jetzt einzelne Leute an den Pranger zu stellen, halte ich für unfair.

UMTS: Glorreiche Zukunft oder totaler Flop?

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mm.de: Hätte Sommer besser die Finger von UMTS gelassen?

Martini: Zu dem Zeitpunkt hätte man es sicherlich nicht gekonnt. Es ist zudem noch nicht entschieden, ob das ein völliger Flop wird. Breitband brauchen wir in der Zukunft. Nur der Preis ist doch ein massiv überzogener. Vor der Versteigerung der Lizenzen hatte jeder die tollsten Erwartungen, was man mobil machen kann. Aber letztendlich fehlt es in der Tat an Content-Möglichkeiten. Videokonferenzen übers Handy kann ich mir noch vorstellen. Bei anderen Anwendungen wie Fußball-Liveberichten über das Handy-Display sind die Grenzen ziemlich eng.

mm.de: Man will aber auch bei UMTS das Geld über die Masse der Kunden und die Vielzahl der Anwendungen verdienen.

Martini: Das ist sicherlich das große Problem. In den Aktienkursen ist allerdings längst eingepreist, dass man einfach nicht mehr mit der Anzahl der Nutzer oder/und durchschnittlichen Erträgen per Nutzer rechnen kann, wie man es sich ursprünglich vorgestellt hatte. Da ist bereits die Ernüchterung eingetreten. Hier muss man aber auch festhalten, dass viele Telekom-Analysten massiv überzogene Schätzungen hatten. Sie haben ihren Job schlecht gemacht und sich genauso von der Euphorie der Märkte anstecken lassen. Die aktuellen Schätzungen entsprechen schon eher der Realität, weil sie doch deutlich niedriger sind.

mm.de: Mit dem Ortsnetz fällt die letzte Bastion. Muss die Telekom mit drastischen Einnahmeverlusten rechnen?

Martini: Dies ist natürlich die große Cash-Cow. Man sollte davon ausgehen, dass die Telekom hier Marktanteile verlieren wird. Das wird weh tun. Ich glaube aber nicht, dass sie deshalb in arge Schwierigkeiten geraten wird.

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