Commerzbank Mehr sparen, mehr verdienen

Die Bank kehrt in die Gewinnzone zurück. Der rigide Sparkurs beginnt zu greifen. Um das Ziel für das Gesamtjahr zu erreichen, bleibt für Klaus-Peter Müller jedoch noch viel zu tun.

Frankfurt - Die Commerzbank  muss sich für das ersten Quartal 2002 mit einem geringeren Ergebnis als im Vorjahr zufrieden geben. Allerdings blitzt nach dem Ergebniseinbruch im vierten Quartal 2001 wieder ein Hoffnungsschimmer auf: Die viertgrößte deutsche Bank schreibt zumindest wieder schwarze Zahlen, nachdem im Schlussquartal 2001 ein Vorsteuerverlust von 247 Millionen Euro ins Kontor geschlagen hatte.

Überschuss gesunken

Das Ergebnis vor Steuern ist im ersten Quartal auf 153 Millionen Euro gesunken. Gleichzeitig erzielte die Commerzbank einen Überschuss von 72 Millionen Euro. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte der Überschuss noch 176 Millionen Euro und das Ergebnis vor Steuern 323 Millionen Euro betragen. Der Gewinn pro Aktie ist damit im Jahresvergleich von 0,33 auf 0,13 Euro geschrumpft.

Müller bleibt zuversichtlich

Dennoch überwiegt nach dem traumatischen vierten Quartal die Erleichterung. Für die Rückkehr in die schwarzen Zahlen seien in erster Linie die Kostensenkungen verantwortlich, hieß es. Die Verwaltungskosten wurden im Vergleich zum vierten Quartal 2001 um sechs Prozent gedrückt. Dazu habe maßgeblich der Abbau von 816 Stellen beigetragen.

Für das Gesamtjahr 2002 bestätigte Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller das Ziel, die Kosten auf das Niveau von 2000 zu senken. Gleichzeitig hält die Commerzbank an ihrem Ziel fest, in diesem Jahr ein Vorsteuerergebnis zwischen 700 und 800 Millionen Euro zu erzielen.

Risikovorsorge steigt

Auf Grund der zahlreichen Firmenpleiten müssen die Kreditinstitute mehr Geld zurücklegen. Im ersten Quartal hat die Bank nach eigenen Angaben bereits 254 Millionen Euro für die Risikovorsorge berücksichtigt, die im Gesamtjahr auf eine Milliarde Euro steigen soll.

Der Zinsüberschuss sank verglichen mit dem Vorjahresquartal von 905 Millionen auf 873 Millionen Euro. Die Bank betonte, dass es im Geschäft mit Firmenkunden aber mittlerweile "eine Tendenz zu besseren Margen" gebe.

Anleger geben sich zurückhaltend

Der Provisionsüberschuss der Bank ist im Jahresvergleich um sechs Prozent gesunken, da sowohl private wie auch institutionelle Anleger bei Wertpapiergeschäften weiterhin äußerst zurückhaltend sind. Das Handelsergebnis sei allerdings mit einem leichten Anstieg von 312 Millionen auf 313 Millionen Euro stabil geblieben.

Die Quartalszahlen sind am Mittwoch an der Börse zunächst mit Skepsis aufgenommen worden. Bis zum Nachmittag konnte die Aktie der Commerzbank ihre Anfangsverluste jedoch annähernd ausgleichen. Der Vorsteuergewinn übertraf zwar die Erwartungen. Händler und Analysten äußerten sich allerdings enttäuscht über den vergleichsweise mageren Nettogewinn und Zinsüberschuss.

"Gewinnziele erreichbar"

Das Quartalsergebnis gibt nach Ansicht von Martin Peter, der Wertpapiere bei der WestLB analysiert, wenig Grund zur Euphorie. Die wichtigste Frage sei, wie die Bank das Vorsteuerergebnis von 700 bis 800 Millionen Euro im Gesamtjahr erreichen will, das sie sich zum Ziel gesteckt hat. Die angestrebten Kostensenkungen würden dem Institut zugetraut und seien schon im Preis enthalten.

Die Zahlen seien "zufrieden stellend", sagte dagegen Andreas Pläsier von der Berenberg Bank. Wenn die Kosten niedrig bleiben und die Erträge anspringen, seien die 700 Millionen Euro Gewinn vor Steuern für das Gesamtjahr erreichbar. Diese Vorgabe der Bank sei "recht konservativ".

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