Deutsche Telekom "Ron Sommer ist ein guter CEO"

Die T-Aktie fällt von Tief zu Tief, der Kabelverkauf ist vorerst gescheitert, Ron Sommer gilt als angeschlagen. Wie will das Unternehmen auf die Krise reagieren? manager-magazin.de sprach mit Hans-Dietrich Winkhaus, dem Aufsichtsrat-Chef der Telekom.
Von Andreas Nölting

mm.de:

Herr Winkhaus, der Kurs der T-Aktie notiert unter dem Emissionspreis, die Investmentbanken stufen die Aktie ab. Ist Ron Sommer noch zu halten?

Winkhaus: Die Kursentwicklung ist in der Tat enttäuschend verlaufen. Das bereitet Vorstand und Aufsichtsrat natürlich keine Freude. Allerdings ist dies eine Entwicklung der Telekom-Werte, die weltweit stattgefunden hat, was uns natürlich nicht tröstet. Wir mussten als Branche weltweit die Wachstumserwartungen, die wir noch in den Jahren 1999 und 2000 hatten, reduzieren. Das hat zu der Skepsis der Anleger geführt.

Auf Ihre Frage, ob bei dieser Kursentwicklung der CEO noch zu halten ist, antworte ich: "Ja, er ist zu halten, weil er ein guter CEO ist." Wir sehen keine Notwendigkeiten, an der Spitze der Telekom eine Veränderung vorzunehmen.

mm.de: Wie zufrieden sind Sie persönlich mit der Leistung von Ron Sommer?

Winkhaus: Ich möchte jetzt keine individuelle Wertung abgeben. Der Aufsichtsrat steht geschlossen hinter dem Vorstand und seinem Vorsitzenden. Das sollte als Beurteilung reichen.

mm.de: Haben Sie das Gefühl, dass der Bund als Mehrheitsaktionär langsam die Geduld mit Ron Sommer verliert?

Winkhaus: Ich habe diesen Eindruck nicht. Es ist wahrscheinlich gut für alle Beteiligten, wenn es gelingen würde, dass man solch eine Personalfrage aus dem Wahlkampf heraushält. Wir möchten die Telekom als möglichst normales Unternehmen führen und nicht in irgendwelche Zusammenhänge von Wahlkämpfen bringen.

mm.de: Immer wieder fallen Namen von potenziellen Nachfolgern. Sind Sie heimlich auf der Suche?

Winkhaus: Ich führe mit keinen alternativ denkbaren Kandidaten Gespräche. Das steht nicht auf der Tagesordnung.

Die 17,4-Millionen-Euro-Frage

mm.de: Nun wird sich auch der Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung am 28. Mai kritischen Fragen stellen müssen. Warum etwa haben Sie die Managergehälter für 2001 trotz schlechter Geschäftszahlen und einer gigantischen Kapitalvernichtung so kräftig erhöht?

Winkhaus: Wir müssen die Zeiträume sehr genau auseinander halten. Die Erhöhung bezieht sich auf das Geschäftsjahr 2001 und teilt sich auf in feste und variable Bestandteile. Wir müssen wettbewerbsfähige Gehälter bezahlen im Vergleich zu anderen deutschen Unternehmen, aber auch im internationalen Vergleich.

Da liegen wir deutlich zurück. Die variablen Bestandteile koppeln wir nicht an Kursentwicklungen, sondern an ein umfangreiches Zielsetzungssystem. Danach wird beurteilt, was erreicht worden ist, und da spielt der Kurs keine Rolle. Und das Ergebnis des Jahres 2000 war ja nicht schlecht.

mm.de: Sind 17,4 Millionen Euro Gehalt für den Vorstand angesichts der schlechten Aktienperformance gegenüber den Aktionären zu vertreten?

Winkhaus: Wir bereiten uns darauf vor, dass wir auf der Hauptversammlung hierzu kritische Fragen beantworten müssen. Auf diese Kritik werden wir reagieren. Wir werden allerdings keine Einzelgehälter publizieren. Wir wollen das Gehaltssystem erklären, das wir auch mit Hilfe von Beratungsunternehmen auf die Angemessenheit überprüft haben. Wir operieren hier nicht im luftleeren Raum, wir sind ja nicht vergnügungssüchtig.

mm.de: Goldman Sachs, Merrill Lynch, Dresdner Kleinwort Wasserstein, Lehman Brothers - die führenden Investmentbanken haben die Telekom-Aktie zurückgestuft. Wie werten Sie diese Reaktion?

Winkhaus: Als unmittelbar Betroffener ist man immer der Meinung, dass der eigene Kurs viel zu niedrig ist. Der Markt ist etwas skeptischer geworden, Wachstumserwartungen werden zurückgenommen. Aber ich bin auch optimistisch, dass unsere Strategie richtig ist.

Wir machen ja keine kurzfristige Quartalsergebnis-Optimierung, sondern wir legen die Dinge langfristig an und sind fest davon überzeugt, dass die Strategie mit den vier Säulen eine richtige Strategie ist. Es gibt ja von unseren Wettbewerbern nur relativ wenige, die so breit aufgestellt sind wie wir und daher derart intensiv Synergien nutzen können - etwa die zwischen T-Online und T-Mobile.

Noch Hoffnung für die T-Aktie?

mm.de: Wo ist denn Hoffnung für die T-Aktie? Sie sagen, die Strategie stimmt. Langfristig mögen Sie Recht haben. Aber kurzfristig? Der Börsengang von T-Mobile ist verschoben, der geplante Verkauf des Kabelnetzes stockt. Woher sollen Impulse kommen?

Winkhaus: Wir sind für das Jahr 2002 optimistisch, dass wir wieder deutliche Umsatzzuwächse erzielen können. Wir gehen zusätzlich die Verschuldungssituation an. Bis Ende 2003 werden wir die Schulden auf 50 Milliarden Euro reduzieren.

Durch das Kartellamtsverbot des Kabelverkaufs an Liberty Media, das hätte uns immerhin 5,5 Milliarden Euro gebracht, ist da zunächst eine Unterbrechung eingetreten. Aber es ist richtig, dass wir über weitere Verkaufsaktivitäten nachdenken.

mm.de: Einige Analysten halten sogar Kurse unter 10 Euro für möglich. Ist das auch für Sie denkbar?

Winkhaus: Das ist natürlich eine verführerische Frage. Ich sage, ein Kurs unter 10 Euro wäre für mich eine sehr große Überraschung. Ich halte das allerdings für unwahrscheinlich, weil unser Kurs durch eine sehr ansprechende Dividendenrendite abgesichert ist.

Bei der Kursentwicklung der letzten Woche hat die Börsenpsychologie eine starke Rolle gespielt. Wenn sich der Nebel lichtet und die Fakten des Marktes wieder stärker in den Vordergrund treten, dann wird das auch auf der Kursseite zu einer Verbesserung führen.

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