Infomatec Schwindel schon beim Börsengang?

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen die ehemaligen Vorstände Alexander Häfele und Gerhard Harlos erhoben. Sie sollen die Anleger massiv getäuscht und unter Ausnutzung von Insiderwissen Aktien im Wert von rund 18 Millionen Euro veräußert haben.
Von Clemens von Frentz

Augsburg - Nach monatelangen Ermittlungen im Fall Infomatec  hat die Staatsanwaltschaft Augsburg nun Anklage gegen die früheren Vorstände Gerhard Harlos und Alexander Häfele erhoben. Den beiden 41-Jährigen wird Kapitalanlage- und Kursbetrug vorgeworfen.

Außerdem haben sie nach Ansicht der Ermittler gegen das Insiderverbot verstoßen. Dabei sollen sie unter Ausnutzung ihres Wissens über die Haltlosigkeit ihrer eigenen Angaben insgesamt 1,6 Millionen Infomatec-Aktien veräußert haben. Der Verkaufswert der Anteile lag nach Informationen der Ermittler bei über 35 Millionen Mark.

Allein für die Insidergeschäfte droht den beiden Bayern eine Strafe von bis zu fünf Jahre Haft. Beide waren Ende 2000 als erste Vorstände am Neuen Markt verhaftet und in Untersuchungshaft genommen worden; dort verblieben sie rund sechs Monate, ehe sie im April vergangenen Jahres gegen Auflagen wieder freigelassen wurden.

Anleger erlitten Schaden von 250 Millionen Euro

Laut Anklage haben Harlos und Häfele bereits beim Börsengang im Frühsommer 1998 den Wert der neu gegründeten Infomatec AG stark überhöht dargestellt. Zudem sollen die beiden Ex-Manager den Aktienkurs mit falschen Pflichtmitteilungen in die Höhe getrieben haben.

Der Schaden der getäuschten Infomatec-Anleger wird auf rund 250 Millionen Euro geschätzt. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wurde Infomatec planmäßig aus fünf finanziell angeschlagenen Firmen gegründet, an denen Harlos und Häfele Mehrheitsbeteiligungen hielten.

Beim Börsengang hätten sie den Wert der Neugründung mit 198 Millionen Mark (101,2 Millionen Euro) angegeben, obwohl die Infomatec AG in Wahrheit nur rund 5,3 Millionen Mark (2,7 Mio Euro) wert gewesen sei, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz.

Ermittlungen auch gegen Wirtschaftsprüfer

Dabei seien sie von einem Wirtschaftsprüfer unterstützt worden, gegen den noch ermittelt werde. Als Folge der Überbewertung wurde der Emissionspreis der Aktien laut Anklage überhöht auf 53 Mark festgesetzt.

Nach Informationen von manager-magazin.de handelt es sich bei dem genannten Wirtschaftsprüfer um einen Mitarbeiter der Firma Haarmann, Hemmelrath & Partner, die 1987 in München gegründet wurde und auch den italienischen Medienkonzern von Silvio Berlusconi bei den Verhandlungen um den Fortbestand der Kirch-Gruppe berät.

Die Reaktion des Angeklagten Harlos

Bei den falschen Pflichtmitteilungen meldeten Harlos und Häfele laut Anklage 1998 und 1999 angebliche Großaufträge, die gar nicht existierten oder ein sehr viel geringeres Volumen hatten. Im übrigen sei das Software-Produkt zu keinem Zeitpunkt voll funktions- und vermarktungsfähig gewesen. Durch diese Ankündigungen sei der Kurs der Aktie stark gestiegen.

Wegen dieser Praktiken haben bereits zahlreiche Aktionäre vor dem Landgericht Augsburg auf Schadenersatz geklagt. Die meisten Klagen wurden jedoch abgewiesen oder ausgesetzt, um die Entscheidung der Staatsanwaltschaft abzuwarten.

Bisher war erst eine Klage erfolgreich

Nur ein Kläger hatte bislang Erfolg. Die 3. Zivilkammer des Augsburger Landgerichts verurteilte Harlos und Häfele Ende September 2001 in einem spektakulären Urteil, einem Aktionär Verluste im Gegenwert von rund 50.000 Euro zu ersetzen, weil die beiden Manager vorsätzlich falsche Angaben nach Paragraph 15 des Wertapierhandelsgesetzes gemacht hätten.

Die Klageschrift der Münchener Kanzlei Rotter bezog sich im Wesentlichen auf eine Ad-Hoc-Meldung, die am 20. Mai 1999 veröffentlicht worden war. Überschrieben war die Mitteilung mit dem Satz: "Größter Deal der Firmengeschichte: Augsburger Softwarekonzern liefert zweitgrößtem netzunabhängigem Mobilfunkanbieter Surfstations und JNT-Lizenzen im Wert von ca. 55 Mio. DM."

Vertragspartner sollte das Büdelsdorfer Unternehmen Mobilcom sein, das damals als eine der erfolgreichsten Gesellschaften am Neuen Markt galt. Die Geräte wurden jedoch nie ausgeliefert.

Harlos reagiert "mit Empörung"

Die nun vorgelegten Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft werden vom Angeklagten Gerhard Harlos vehement zurückgewiesen. Harlos, der auch nach dem Insolvenzantrag noch im Vorstand der Infomatec AG  sitzt, reagierte mit einer geharnischten Presseerklärung auf die Vorwürfe und spricht von "einer öffentlichen Vorverurteilung".

"Mit Empörung", so heißt es in der Stellungnahme, "weisen wir insbesondere auch den Vorwurf zurück, die Infomatec sei von Anfang an 'auf Betrug ausgerichtet' gewesen und habe bereits im Zuge der Firmengründung unrichtige Angaben gemacht." Die von der Staatsanwaltschaft Augsburg erhobenen Vorwürfe seien unzutreffend und würden spätestens in der Hauptverhandlung widerlegt.

Dabei bricht Harlos auch gleich eine Lanze für die Wirtschaftsprüfer, gegen die ebenfalls ermittelt wird. Zitat: "Es ist unerhört und für uns schlechthin nicht nachvollziehbar, wie die Staatsanwaltschaft zu der abwegigen Behauptung gelangt, diese Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft habe im Zuge des Börsengangs bewusst falsche Zahlen vorgelegt."


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