Die Thilenius-Kolumne Warten auf eindeutige Signale

Das amerikanische Wirtschaftswachstum scheint sich wieder gut zu entwickeln. Doch noch steht der Aufschwung auf wackeligen Beinen. Investoren müssen ihre Portfolios entsprechend umschichten.

Im ersten Quartal 2002 wuchs die amerikanische Wirtschaft nach vorläufigen Berechnungen um 5,8 Prozent. Selbst wenn diese Berechnungen später noch korrigiert werden sollten, ist das Wachstum im ersten Quartal überraschend stark ausgefallen. Im letzten Quartal 2001 betrug das Wachstum lediglich 1,7 Prozent nach einem negativen Ergebnis im dritten Quartal, das von den Folgen des elften September sehr negativ beeinflusst war.

Diese Entwicklung von einem Rückgang über einen kleinen Zuwachs zu einem überdurchschnittlichen Zuwachs deutet darauf hin, dass im Gesamtjahr 2002 ein Wachstum von etwa 4,5 Prozent erreicht werden dürfte. Die historisch niedrigen Zinsen und die anderen fiskalischen Maßnahmen dürften damit, ebenso wie in früheren Phasen, das Wachstum kräftig anregen.

Der Aufstieg aus früheren Rezessionsphasen brachte ähnlich hohe Wachstumsraten. Nur der Aufschwung nach der Rezession von 1991/92 fiel schwächer aus, als das Wachstum im ersten Quartal 1991 nur 2,3 Prozent betrug.

Das Bild an den Aktienmärkten ist allerdings anders: Die Börsianer trauen dem Aufschwung nicht und die Kurse fallen seit Bekanntgabe der eigentlich ermutigend guten Zahlen. Der Grund liegt darin, dass einige konjunkturelle Frühindikatoren auf eine Abschwächung des Wachstums in den kommenden Monaten hindeuten. Eine Rolle spielt jedoch auch die Angst vor einem Krieg im Nahen Osten und der Ölpreis, der seit Jahresanfang wieder auf 25 Dollar geklettert ist.

Wie reagiert der Investor nun auf diese widersprüchliche Entwicklung?

Der kurzfristige Investor wird konjunktursensible Aktien wie Halbleiter sicherheitshalber verkaufen und zwei Monate bis auf die Bekanntgabe der Zahlen für das zweite Quartal warten.

Der langfristige Investor wird sich in Geduld üben und auch eine anhaltende Schwächephase im Mai und Juni durchhalten. Er hat die historische Erfahrung auf seiner Seite, dass ein Konjunkturaufschwung wie der gerade begonnene im Durchschnitt 48 Monate dauert und von negativen politischen Entwicklungen während dieser Zeit nur sehr selten aus den Gleisen geworfen wird.