Deutsche Bank Ackermann rüstet gegen Übernahme

Die Bank tritt kräftig auf die Kostenbremse. Sie will weitere Beteiligungen in Milliardenhöhe abstoßen, eigene Aktien zurückzukaufen und damit eine feindliche Übernahme erschweren. Das Ziel lautet 100 Milliarden Börsenwert. Analysten zeigen sich skeptisch.

Frankfurt - Die Deutsche Bank  will rasch ihre milliardenschweren Beteiligungen versilbern. Diese Strategie ist Teil eines Vier-Punkte-Programms, das der künftige Vorstandssprecher Josef Ackermann zusammen mit Noch-Chef Rolf Breuer entworfen hat, um die Position des größten deutschen Kreditinstituts auch weltweit zu stärken. Mit den Erlösen sollen eigene Aktien zurückgekauft werden, teilte der Branchenprimus am Montag in seinem Bericht zum ersten Quartal 2002 in Frankfurt mit.

Die Bank schaffte im ersten Quartal vor allem wegen des Verkaufs von Beteiligungen den Sprung zurück in die Gewinnzone. Die Aktie gab am Nachmittag rund 1,30 Prozent auf 70,83 Euro ab.

Nach eigenen Angaben bereitet das Frankfurter Institut die "beschleunigte Abgabe" von Beteiligungen vor. Einzig der 12,5-prozentige Anteil von DaimlerChrysler stehe nicht zur Disposition, schrieb das "Handelsblatt" am Montag. Allein die sechs anderen größten Beteiligungen hätten einen Wert von über 6,5 Milliarden Euro.

Das durch den Anteilsverkauf hereinkommende Kapital will die Deutsche Bank zum Rückkauf eigener Aktien nutzen. Die Zustimmung der Aktionäre soll auf der Hauptversammlung am 22. Mai eingeholt werden. An diesem Tag übergibt Breuer den Sprecher-Posten an Ackermann.

Mit der Steigerung des Börsenwertes will die Deutsche Bank sich auch vor feindlichen Übernahmen schützen. Die amerikanische Citigroup gilt nach Medienberichten als Interessent, was die Bank allerdings bereits dementiert hat. Durch die neue Strategie wolle Ackermann den Wert des Instituts von 44 Milliarden auf mindestens 100 Milliarden Euro hochtreiben. Analysten halten die Pläne Ackermanns für sehr ambitioniert und beurteilten beurteilten nicht zuletzt die Umsatzentwicklung als kritisch.

Das sagen Analysten und Fondsmanager

Das sagen Analysten und Fondsmanager

"Das Problem der Deutschen Bank ist, dass sie auch wegen des Wertes, der in ihren hohen Industriebeteiligungen gebunden ist, als Übernahmekandidat gesehen wird", sagte Fondsmanager Lorenzo Carcano von Metzler Investment zu den geplanten Beteiligungsverkäufen. "Die Erhöhung des Marktwertes wird eine von Ackermanns vordringlichsten Aufgaben sein - er wird dies aber nicht über Nacht erreichen.

Analyst Dieter Hein vom Credit Lyonnais äußerte sich kritisch: Auf operativer Basis sei ein Ergebnis-Rückgang um rund 75 Prozent zu beobachten. Er stufe die Aktie weiter mit "sell" ein.

Die Zahlen seien keine große Überraschung - aber eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum vierten Quartal, urteilte Konrad Becker, der Wertpapiere für die Privatbank Merck Finck analysiert. Er machte "sowohl Licht als auch Schatten" in der Bilanz aus. Positiv seien die Kosteneinsparungen, die einerseits aus dem eingeläuteten Personalabbau und andererseits aus geringeren Rückstellungen für Boni resultierten.

Die Schattenseite sei, dass die Umsätze "deutlich niedriger als erwartet" ausgefallen seien - vor allem das Zinsergebnis. Das konnte allerdings durch die niedrigeren Aufwendungen kompensiert werden. Für den Jahresverlauf erwartet Konrad Becker "von Quartal zu Quartal größere Erfolge auf der Kostenseite", wobei entscheidend sein werde, wie die Boni für die Mitarbeiter ausfallen. Insgesamt werde das zweite Jahresviertel etwa dem ersten gleichen - einen deutlichen Aufschwung werde es nicht geben können. Das ließen die Kapitalmärkte noch nicht zu.

Georg Kanders, Analyst bei der WestLB, schätzte die Zahlen als "ganz gut angesichts des Umfeldes" ein. Die Kosten hätten sich besser als erwartet entwickelt - dagegen das Zinsergebnis nicht. Dennoch sei die Marktreaktion "unverständlich". Im Vergleich zum vierten Quartal seien die ersten drei Monate eine deutliche Verbesserung.

Die Zahlen seien "gemischt" aufgenommen worden, sagte ein Frankfurter Händler. Die Aktie verliere nicht zuletzt deshalb, weil der Markt 'runtergehe - und das sei angesichts der Vorgaben aus den USA kein Wunder.

Zwiepspältige Stimmen zum Sparziel

Unterdessen wurde das Sparziel der Deutschen Bank von zwei Milliarden Euro von Marktbeobachtern durchaus zwiespältig gesehen. "Für die Bank ist das sicher positiv. Ich denke auch, dass sie das ambitionierte Ziel erreichen kann, was letztlich auch den Kurs stützen dürfte", sagte ein Händler. Andererseits würden die Sparmaßnahmen am Markt nicht ausschließlich positiv bewertet. "Gesamtwirtschaftlich ist das eher negativ, insbesondere mit Blick auf den erhofften Wirtschaftsaufschwung", schränkt der Marktteilnehmer ein. "Das verstärkt eher die derzeitige negative Grundstimmung".

Operativen Erträge fallen um 70 Prozent

Operativen Erträge fallen um 70 Prozent

Die Deutsche Bank hat auf Grund von Beteiligungsverkäufen im ersten Quartal 2002 mehr verdient als im Vorjahreszeitraum. Das Vorsteuerergebnis im ersten Quartal stieg um 39 Prozent auf 1,27 Milliarden Euro. Die operativen Erträge gingen dagegen auf Grund der schwachen Märkte um über 70 Prozent zurück. Der Gewinn nach Steuern verbesserte sich auf 597 (382) Millionen Euro. Damit übertraf die Bank leicht die Erwartungen von Analysten. Im Schlussquartal 2001 hatte die Bank noch einen Verlust erwirtschaftet.

Das Institut erklärte, es wolle die zinsunabhängigen Kosten bis 2003 um zwei Milliarden Euro verringern. Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer kündigte überdies in seinem Aktionärsbrief die verstärkte Konzentration auf Kerngeschäftsfelder an. Derzeit würden strategische Alternativen für einen Teil der Geschäftsfelder Securities Services und Passive Asset Management gesucht. Im Bereich PCAM soll das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden (Deutsche Bank 24, Private Banking, maxblue) unter der Dachmarke Deutsche Bank und einheitlicher Führung gebündelt werden.

Die Risikovorsorge sei vor allem wegen der gestiegenen Anzahl von Firmenpleiten in Deutschland und der Argentinien-Krise mehr als verdoppelt worden. Wie die Bank mitteilte, wurde sie von 186 Millionen Euro im Vorjahr auf 384 Millionen Euro angehoben - dabei seien bilanzielle Kreditrisiken von 270 Millionen Euro (112 Millionen Euro) enthalten.

Der Zinsüberschuss nach Risikovorsorge fiel im ersten Quartal von 1,827 Milliarden Euro auf 1,455 Milliarden Euro. Der Provisionsüberschuss ging im ersten Quartal auf 2,6 Milliarden Euro nach 2,8 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahresquartal zurück. Das Handelsergebnis sank auf 1,4 (2,3) Milliarden Euro. Grund sei das schwache Marktumfeld.

Gewinn steigt nach Verkauf von Beteiligungen

Wesentlichen Anteil an dem Ergebnissprung hatten die jüngsten Beteiligungsverkäufe des Instituts. Wie die Bank mitteilte, erhöhte sich das Ergebnis aus Wertpapieren "Available-for-sale" im ersten Quartal auf 1,0 Milliarden Euro nach 166 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Dies resultiere im Wesentlichen aus den Veräußerungsgewinnen in Folge der weiteren Reduzierung der Beteiligungen an Münchener Rück und - in geringerem Umfang - an der Allianz, hieß es weiter.

Mit Blick auf die angekündigte Fokussierung auf das Kerngeschäft werde auch die Ausgliederung von Datenverarbeitungszentren geprüft, hieß es weiter. Zugleich bereite die Deutsche Bank die "beschleunigte Abgabe" ihrer restlichen Industriebeteiligungen und der nicht zum Kerngeschäft gehörenden alternativen Investments vor. Das dadurch freigesetzte Kapital sei für einen möglichen Aktienrückkaufplan vorgesehen, erläuterte die Bank weiter. Für letzteren will sich die Bank auf der Hauptversammlung am 22. Mai die notwendige Ermächtigung der Aktionäre holen.

Aktientipps: Deutsche Bank, BASF, Porsche

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