Airbus Lukrativer Großauftrag noch offen

Hamburg hat den Zuschlag für die Endmontage des kleinen Airbus A318 erhalten. Weiterhin offen ist, welcher Standort das Rennen um die Produktion des wesentlich lukrativeren Riesen-Flieger A3XX macht.

Hamburg/Toulouse - Die Entscheidung für die Hansestadt lag in der Luft und mußte nahezu zwangsläufig fallen. Der A318 ist eine verkürzte Version des Airbus A319 mit 125 Sitzen, der bereits seit März 1995 in Hamburg gebaut wird.

Das neue Flugzeug rundet die Modellpalette von Airbus nach unten ab. Einige Kunden von Airbus dürften sich neu orientieren und ihre Bestellungen von A319 auf A318 ändern. Das jüngste Kind der Airbus-Familie soll mit möglichst geringem Aufwand entwickelt werden und Ende 2001 seinen Erstflug absolvieren. Das Modell wird voll in die bestehenden Endmontage-Linien im Airbus-Werk Hamburg-Finkenwerder integriert werden.

Mit dem Riesen-Airbus A3XX, der mehr als 550 Passagiere befördern soll, hat die Entscheidung über den Bau des A318 zunächst einmal nichts zu tun. "Das ist völlig unabhängig voneinander", beteuert Unternehmenssprecher Theodor Benien.

Die Hamburger Bewerbung um die Produktion des A3XX wird daher in vollem Umfang aufrecht erhalten, ist aus dem Hamburger Senat zu hören. Die Produktion des A318 sei auch koalitionspolitisch für die rot-grüne Hamburger Regierung unproblematisch, da keine neue Flächen benötigt werden.

In der Tat sind die beiden Projekte von ganz unterschiedlicher Dimension: Während es sich bei dem A3XX um ein völlig neues Flugzeug handelt, das mit einem Aufwand von zehn bis zwölf Milliarden Dollar entwickelt werden müßte, kostet die Ableitung des A318 aus dem A319 nur einen dreistelligen Millionenbetrag.

Der A3XX zöge inklusive der Zulieferer mehrere tausend Arbeitsplätze nach sich und würde in riesigen neuen Produktionshallen montiert, für die ein Fünftel der Elbbucht Mühlenberger Loch zugeschüttet werden müßte. Für den A318 wird die Fabrik in Finkenwerder nicht erweitert und die Auswirkungen auf die Arbeitsplätze sind noch nicht absehbar: "Das hängt von der Auftragslage im Jahr 2002 ab", sagt Airbus-Sprecher Rolf Brandt.

Dennoch gibt die Entscheidung einer Spekulation Nahrung, die seit vielen Jahren in Luftfahrtkreisen kursiert: Der große Airbus A3XX könnte in Toulouse montiert werden, wenn die Franzosen zum Ausgleich die Produktion des Erfolgsmodells A320 an die Hamburger abgeben. Dann würden alle kleinen Airbusse (single aisle = mit einem Gang in der Kabine) in Hamburg montiert, die großen Modelle dagegen in Toulouse.

Die Entscheidung über den Bau des A3XX hat sich bereits mehrfach verzögert und soll nun gegen Ende dieses Jahres fallen, vielleicht auch erst im nächsten. Doch gibt es eine Reihe von Unwägbarkeiten durch die Asien-Krise und die bevorstehende Neuordnung der europäischen Luftfahrt-Industrie. Den Bewerbern Rostock, Sevilla und St. Nazaire räumen Insider jedoch so oder so kaum noch Chancen auf die Airbus-Endmontage ein. Die Schwarzwald-Stadt Lahr in Baden- Württemberg, die in der vergangenen Woche überraschend ebenfalls in den Kreis der Bewerber aufrückte, ist noch ein unbeschriebenes Blatt.