Henkel Konrad Henkel ist tot

Der Chef der Düsseldorfer Chemie-Dynastie ist am Samstag im Alter von 83 Jahren nach längerer Krankheit gestorben.

Düsseldorf - In einer Mitteilung des Unternehmens heißt es: "Mit dem Tod von Konrad Henkel verlieren das Unternehmen und die Mitarbeiter der weltweiten Henkel-Gruppe sowie die deutsche Wirtschaft eine überragende Unternehmerpersönlichkeit von sehr großer menschlicher Ausstrahlung. Sein Weitblick und sein dynamischer Unternehmergeist leiteten die Entwicklung von Henkel zu einem breit diversifizierten, global tätigen Unternehmen ein. Henkel genoß die Zuneigung und Wertschätzung aller Henkel-Mitarbeiter sowie hohes Ansehen in der Öffentlichkeit. Er engagierte sich auf vielfältige Weise für die Förderung des Gemeinwohls."

"Die Firma ist mehr als die Familie", gilt als Lebensmotto von Konrad Henkel. So hatte der Enkel des Firmengründers Fritz Henkel vorgebaut, damit die Familienmajorität den viertgrößten deutschen Chemiekonzern nicht lähmen kann: Es gibt kein Recht, kraft Geburt in der Firma tätig zu sein. Die fünf Familienvertreter im Gesellschafterausschuß müssen in entscheidenden Fragen Einigkeit zeigen.

Konrad Henkel wurde am 25. Oktober 1915 in Düsseldorf geboren. Mit 33 Jahren trat der promovierte Chemiker, der nach seinem Studium vorübergehend als Assistent des Nobelpreisträgers Richard Kuhn gearbeitet hatte, in das Familienunternehmen Henkel & Cie GmbH ein. 1956 wurde er dort Mitglied der Geschäftsführung und übernahm nach dem Tod seines älteren Bruders Jost 1961 die Leitung. Unter seiner Ägide wurde der Waschmittelproduzent zu einem breitgefächerten, weltweit agierenden Chemieprodukteanbieter mit zuletzt 21 Milliarden Mark Umsatz und 50 000 Beschäftigten ausgebaut. Er wandelte das Familienunternehmen in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien um und brachte 1985 stimmrechtslose Vorzugsaktien an die Börse.

In einem neuen Aktienbindungsvertrag hatte sich die Familie Henkel 1996 darauf verständigt, bis 2016 mehr als 50 Prozent der Aktien zu behalten. Damit wurde der Weg frei zur teilweisen Umwandlung der Vorzugsaktien in Stammaktien. Auf der Hauptversammlung im Juni 1996 wurde der Beschluß umgesetzt; Henkel öffnete sich weiteren Aktionären.

Bereits 1980 hatte der Chemie-Industrielle, der Marken wie Pril oder Dixan entwickelte, das Zepter in der Geschäftsführung an den familienfremden österreichischen Manager Helmut Sihler abgegeben und war in den Aufsichtsrat und den Gesellschafterausschuß gewechselt. 1990 trat der Senior diese Posten an Albrecht Woeste, einen Urenkel des Firmengründers, ab. Gleichzeitig wurde er Ehrenvorsitzender der Henkel-Gruppe. Mit Konrad Henkel verschwand der traditionsreiche Name aus den Führungs- und Aufsichtsgremien des Düsseldorfer Imperiums.

Ende der 80er Jahre war der Golfspieler Konrad Henkel in die Schlagzeilen um die Parteispendenaffäre geraten. Zwischen 1974 und 1979 soll er den Parteien CDU/CSU und FDP insgesamt 4,22 Millionen Mark gespendet und dabei 1,9 Millionen Mark Steuern hinterzogen haben. Doch der Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes verließ die Gerichtssäle unbelastet: Zwei Anläufe, ihm den Prozeß zu machen, scheiterten. Im November 1995 ließ sich der "liebenswürdige Rheinländer" von der Düsseldorfer Prominenz zu seinem 80. Geburtstag feiern.

Die Henkel-Gruppe setzte 1998 mehr als 21 Milliarden Mark um. Sie beschäftigt 56.300 Mitarbeiter in 340 Firmen in mehr als 70 Ländern der Welt.