Schnabel-Brief "Verleumderische Polemik"

Am 21. Januar 2002, wenige Wochen vor seiner Verhaftung, schrieb Ex-CEO Bodo Schnabel den Comroad-Aktionären einen Brief, den manager-magazin.de im Wortlaut dokumentiert.

Aktionärsinformation

München, 21.1.2002

Zum Börse-Online.de-Artikel vom 15.1.2002:"ComROAD muss bald die Hosen runter lassen"

Sehr geehrte Aktionäre,

am 15.1.2002 haben wir unseren Umsatz für das Geschäftsjahr 2001 bekannt gegeben. Er fiel mit EUR 93,6 Mio sehr erfreulich aus. Auch wenn wir unsere im März 2001 aufgestellte Prognose von EUR 95 Mio um 1,5% verfehlt haben, bleibt der erzielte Umsatz im Geschäftsjahr 2001 mit einem Wachstum von 114% angesichts der allgemeinen Investitionsrückgänge nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 beachtlich.

Auch der Kapitalmarkt hat auf diese Zahlen sehr positiv reagiert. Die Kommentare der Analysten und der Presse sind durchweg positiv.

Unverständlich ist für uns deshalb, dass Börse-Online am Abend des 15.1.2001 in ihrem Online-Auftritt einen auf bloßen Vermutungen basierenden Artikel zu unserer Ad hoc-Meldung veröffentlicht hat, den wir nicht unwidersprochen lassen können.

Börse-Online.de schreibt: "ComROAD muss bald die Hosen runter lassen Es ist wie immer nach Abschluss eines Quartals: ComROAD meldet vorläufige Umsatzzahlen, die erheblich über denen des Vorjahreszeitraumes liegen. Aber diesmal ist eines anders: Es dauert nur noch wenige Wochen, bis Unternehmenschef Bodo Schnabel Farbe bekennen muss."

Im letzten Absatz schreibt das Magazin: "Spätestens bis zum 30. März muss er außerdem einen von einem Wirtschaftsprüfer testierten Jahresabschluss vorlegen. (...) Boerse-Online.de befürchtet, dass er auf Unangenehmes für die Aktionäre stößt. Empfehlung: VERKAUFEN."

Leser des Artikels müssen den Eindruck gewinnen, dass es sich bei ComROAD um ein Start-up handele, das auf sein erstes Testat vom Wirtschaftsprüfer wartet. Tatsächlich testiert die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG unsere Jahresabschlüsse bereits seit 1996. Dabei hat KPMG in keinem Abschluss Ungereimtheiten oder Beanstandungen festgestellt.

Vielmehr hat ComROAD in den Jahren 1996, 1997, 1998, 1999 und 2000 immer ein mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk versehenes Testat erhalten. Insofern sehen wir dem Abschluss 2001 ganz entspannt entgegen.

Des Weiteren heißt es in dem Artikel: "Doch die Zweifel bleiben: Denn Quartal für Quartal steigen bei ComROAD zwar Umsatz und Gewinn. Gleichzeitig fließt aber beständig Geld aus der Kasse. So betrug das Betriebsergebnis von Januar bis September 2001 laut Quartalsbericht 13,1 Millionen Euro. Gleichzeitig betrug der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit minus 11,1 Millionen Euro. Im Klartext heißt das, dass ComROAD zwar Umsätze und Gewinne verbucht, die Kunden die Rechnungen aber nicht bezahlen."

"Cashflow nur vorübergehend negativ"

Richtig ist, dass ComROAD trotz eines positiven Betriebsergebnisses zugleich einen negativen Cashflow erzielt hat. Unser Cashflow ist nur vorübergehend negativ und beruht auf der starken Expansion unserer Geschäftsaktivitäten, in deren Folge wir verstärkt Fahrzeugcomputer herstellen lassen. Hierdurch werden Finanzmittel für ungefähr 3 Monate gebunden. Dies ist ein üblicher Vorgang, der sich so bei jeder Firma, die Produkte herstellt, abspielt. Daher sind die Ausführungen von Börse Online völlig abwegig und realitätsfremd.

Das Geschäftsmodell sieht vor, dass bereits auf mittlere Frist der Hardware-Anteil an unseren Gesamterlösen zurückgeht und der Anteil der Lizenz- und Service-Einnahmen beständig wächst. Im Jahr 2001 ist dieser Bereich bereits um 265% gewachsen.

Dieser Prozess wird sich jetzt sogar beschleunigen, da die ComROAD GTTS Telematik Dienste auf immer mehr Fahrzeug-Computer und intelligente Mobiltelefone von Blaupunkt, Borg, Mitsibushi und Motorola portiert werden. Dies läuft in 2002 an und dürfte in 2003 unsere Umsatzstruktur nachhaltig verändern. Dann werden unsere Vorfinanzierungen stark sinken und sich unser operativer Cash Flow deutlich verbessern.

Vor diesem Hintergrund entbehrt die Aussage von Börse-Online.de, ComROAD verbuche Gewinne und Umsätze, die unsere Kunden aber nicht bezahlen, jeder Grundlage. Bislang haben unsere Kunden immer bezahlt. Forderungsausfälle, die selbst in der Old Economy an der Tagesordnung sind, kennen wir bislang nicht.

Hinzu kommt, das wir das Gros unserer Kundenforderungen durch Letter of Credits abgesichert haben, so dass wir im Falle des Zahlungsverzugs auf erstklassige Sicherheiten zurückgreifen können. Welches Unternehmen selbst der Old Economy kann das schon vorweisen?

Wir verwahren uns mit Entschiedenheit gegen die verleumderische Polemik und rufschädigende Berichterstattung von Börse Online.de. Börse Online negiert seit Monaten jegliche Fakten, greift ohne jede Grundlage sowohl ComROAD als auch unsere Wirtschaftsprüfungsgesellschaft massiv an und spiegelt in der zynischen Wortwahl beharrlich das Niveau der Berichterstattung wieder.

Gemeinsam mit vielen unserer Aktionäre sind wir entsetzt über eine solche Art von Journalismus, gehen jedoch davon aus, dass die nachweislich schwindende und bisher verbliebene Leserschaft von Börse Online das fragwürdige Niveau der Zeitschrift dauerhaft nicht akzeptieren wird. Die Publikation manövriert sich mehr und mehr selbst ins Abseits.

Mit freundlichen Grüßen,

Bodo A. Schnabel, CEO Stefan Mehler, Head of Investor Relations


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