CPU Der tiefe Fall des "Ad-hoc-Königs"

Zahlreiche Jubel-Meldungen aus dem Vorstand um Ex-CEO Jochen Furch sorgten für einen kurzen Höhenflug, dann kam der Absturz. Seit Erstnotiz verlor die Aktie über 97 Prozent. Nun ermittelt der Staatsanwalt gegen frühere Manager des Nemax-Unternehmens und gegen einen ehemaligen Analysten der Bayerischen Landesbank.
Von Andrea Goder und Clemens von Frentz

Hamburg - Aystetten steht für Exklusivität. Mit einem pompösen Neubau wurden in dem Augsburger Nobelvorort im vergangenen Jahr jedoch alle bisherigen Dimensionen exquisiten Wohnens gesprengt. Bauherr des schätzungsweise zehn Millionen Euro teuren Objekts ist der CPU-Gründer und ehemalige Firmenchef Jochen Furch.

In bester Hanglage entstand auf einer Wohnfläche von 700 Quadratmetern ein Palast der Superlative, der keine Wünsche offen lässt. Ob erlesene Marmorfußböden, Stuckelemente, eine Bibliothek, zwei Weinkeller oder ein Wellness-Areal mit Wasserlandschaft und mehreren Saunen - das Beste war dem Glücksritter des Neuen Marktes gerade gut genug.

Übernommen hatte Furch, der sich in der TV-Sendung "Sag die Wahrheit" einmal als Weltmeister im Glücksspiel Black Jack bezeichnete, die Immobilie von der Gattin des "Müller-Milch"-Moguls Theobald Müller. Allerdings sagte ihm die Inneneinrichtung nicht zu, also wurde der Bau komplett entkernt und innen neu ausgebaut.

Prachtvilla "Grand Mansion" sucht Käufer

Doch der immobile Größenwahn des Augsburger Überfliegers platzte, noch ehe er begann. Der Ex-CPU-Mann sei klamm, heißt es. Bei Sotheby's International kommt die möblierte Nobelresidenz jetzt unter den Hammer. Im Online-Katalog des renommierten Auktionshauses wird die Immobilie unter dem Namen "Grand Mansion" für 7,95 Millionen Euro angepriesen.

Die Furch-Villa in Aystetten bei Augsburg

Die Furch-Villa in Aystetten bei Augsburg

Die Inneneinrichtung der Furch-Villa

Die Inneneinrichtung der Furch-Villa

Die Furch-Villa von innen

Die Furch-Villa von innen

Das Treppenhaus der Furch-Villa

Das Treppenhaus der Furch-Villa


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Dabei hatte für Furch mit dem Börsengang vor drei Jahren alles so schön begonnen. Die Aktie der CPU Softwarehouse AG  - 29fach überzeichnet - legte am Neuen Markt einen Traumstart hin. "Der 19. April 1999 war ein Tag, an den sich Vorstand und Mitarbeiter noch lange erinnern werden", jubilierte Furch später bei Vorlage des Geschäftsberichts 1999. In den Ohren ehemaliger Mitarbeiter und arg gebeutelter CPU-Aktionäre muss der Satz wie Hohn klingen.

Um Anleger und Investoren seinerzeit bei Laune zu halten, schickte das frühere Vorstandstrio, dem neben Furch auch Kay Schleef und Karlheinz Glückstein angehörten, Dutzende von Ad-hoc-Meldungen über die Nachrichtenticker. Ein Gebaren, für das sich die Augsburger Mannen schnell den Titel "Ad-hoc-Könige" einhandelten.

Osteuropa in zwei Wochen aufgerollt

So wurde in nur zwei Wochen im August 1999 - ad hoc zumindest - der osteuropäische Markt aufgerollt. Die Bilanz dieser Erfolgstour liest sich im nachhinein allerdings nüchtern: keine Umsätze in Ungarn, Polen, Tschechien und der Slowakei im Geschäftsjahr 1999.

Doch bei Schönheitsfehlern dieser Art blieb es nicht. Für einen ersten "hot shot" sorgten die Schwaben im November 1999. Ausgerechnet im Spieler-Paradies Las Vegas ließ Ex-CEO Furch vor einer kleinen Gruppe von Zuhörern eine deftige Gewinnwarnung los, was für reichlich Ärger sorgte.

Immerhin gibt es seit einiger Zeit die Publizitätspflicht des Wertpapierhandelsgesetzes, die klar regelt, dass kursrelevante Umstände allen Anlegern gleichzeitig mitgeteilt werden müssen - und zwar unverzüglich. Rund 40.000 Euro Strafe musste CPU  für diesen Lapsus später an die Deutsche Börse zahlen.

Prognose vor Gewinnwarnung nach oben korrigiert

Besonders pikant: Nur wenige Wochen vorher hatte der Vorstand noch sehr optimistische Prognosen abgegeben. Dem "Handelsblatt" bestätigte das Unternehmen Mitte September, dass "Vorstandschef Jochen Furch für das laufende Jahr von einem Umsatz in Höhe von 35 Millionen Mark ausgeht", nachdem die letzte Prognose noch bei 23,6 Millionen Mark gelegen hatte.

Auch die Umsatzziele korrigierte Furch im Interview mit der Zeitung nach oben. Für das Geschäftsjahr 2000 rechne das Unternehmen nun mit 75 Millionen Mark statt - wie ursprünglich erwartet - mit 40 Millionen Mark Umsatz. Für 2001 wurde gar ein Umsatz von 140 Millionen Mark avisiert.

Ex-CPU-Boss im Fadenkreuz der Justiz

Eine überhastete Expansion, allzu vollmundige Prognosen und ein offenbar veraltetes Kernprodukt brachten den selbstherrlichen Patriarchen schließlich zu Fall. Das dicke Ende kam für den vormaligen Firmenchef kurz vor Weihnachten 2001. Zu diesem Zeitpunkt wurde bekannt, dass sich die Augsburger Staatsanwaltschaft seit Monaten für die Machenschaften des früheren CPU-Managements interessiert.

Verdacht auf Insiderhandel und Kursbetrug

Konkret lautet der Verdacht: Insiderhandel und Kursbetrug in großem Stil. Von Januar bis Mai 2000 soll die Ehefrau des Ex-CEOs Aktien im Wert von rund 30 Millionen Euro verkauft haben. Bei dem millionenschweren Zock hatte Furch nach Ansicht der Ermittler die tatkräftige Unterstützung eines Analysten der Bayerischen Landesbank.

Der Finanzexperte soll durch eine "Analyse mit Kurszielangabe und Kaufempfehlung" den profitablen Abverkauf großer Aktienpakete unterstützt haben. Auch gegen ihn wird nun ermittelt, nachdem das Finanzhaus die Behörden auf den Analysten aufmerksam gemacht hatte. Bank-Sprecher Peter Kulmburg gegenüber manager-magazin.de: "Wir haben uns Ende 2000 von dem Mitarbeiter getrennt. Außerdem haben wir Strafanzeige gegen ihn erstattet, weil es verschiedene Verdachtsmomente gab."

Die Augsburger Staatsanwaltschaft leitete laut Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz insgesamt drei Ermittlungsverfahren ein und erwirkte Durchsuchungsbeschlüsse für 26 Objekte, die vom Bayerischen Landeskriminalamt am 18. Dezember 2001 bundesweit (Augsburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, München, Stuttgart und anderen) vollzogen wurden. Ins Visier geraten sind dabei auch "drei in der Führungsebene beschäftigte Angestellte" von CPU , bei denen der Verdacht auf Insiderhandel besteht.

Bundesaufsichtsamt erstattete im April 2001 Anzeige

Ausgelöst wurden die Ermittlungen auch durch das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe), das sich einige Monate mit dem Fall CPU befasst hatte. BAWe-Sprecherin Regina Nößner gegenüber manager-magazin.de: "Wir haben im April und Juni 2001 Anzeige gegen verschiedene Tatverdächtige erstattet, und zwar sowohl gegen Primär- als auch Sekundär-Insider." Diese Anzeigen bezogen sich unter anderem auf eine negative Meldung vom 31. Mai 2000, vor der es zu auffälligen Verkäufen gekommen war.

Von Interesse dürften für die Beamten des Münchner Landeskriminalamtes auch mehrere Ad-hoc-Mitteilungen aus der ersten Jahreshälfte 2000 sein. "Größter Einzelauftrag in der Geschichte der CPU AG" meldete die Augsburger Company am 28. Februar pünktlich zur Cebit 2000. Die Order, die laut Vorstand "mehrere Millionen Mark Vertragsvolumen und bis zu 100 Finanzinstitute" umfasst, sollte CPU den "Durchbruch im operativen Lizenzgeschäft" bringen.

Von wem stammte der Großauftrag?

Wer der Auftraggeber ist, wird in der Mitteilung tunlichst verschwiegen. Daran hat sich auch zwei Jahre nach der Meldung nichts geändert. CPU-Sprecherin Marlies Ott gegenüber manager-magazin.de: "Der Auftraggeber wollte nicht genannt werden, und wir respektieren das." Auf Nachfrage, ob es den Auftrag tatsächlich gegeben habe, bekräftigte die Sprecherin: "Es gab den Auftrag, und er wurde auch mit Leben gefüllt."

Das große Schweigen

Nach Auskunft von Analysten stammte die Order von einer Anstalt des öffentlichen Rechts. CPU  selbst hatte seit dem Börsengang mehrfach angekündigt, eine Softwarelösung für die bayerischen Sparkassen zu entwickeln. Dass die Sparkassen der tatsächliche Auftraggeber gewesen sein könnten, dafür spricht auch die in der Ad-hoc-Meldung genannte Zahl von bis zu 100 Finanzinstituten. Am 31. März 2000 gab CPU dann ad hoc bekannt, im ersten Quartal mit knapp 13 Millionen Euro den "höchsten Auftragsbestand der Firmengeschichte" verzeichnet zu haben.

IZB: "Wir machen im Moment keine Aussage"

Was aber ist dran an dem vermeintlichen Großauftrag? Nach Angaben der IZB Soft ist die Finanzsoftware "CPU-C5" bei keiner der derzeit 82 bayerischen Sparkassen-Hauptstellen im Einsatz. IZB Soft ist gemeinsam mit ihrem Tochterunternehmen IZB ("Informatik-Zentrum Bayern"), das zu 35 Prozent der Landesbank gehört, der IT-Dienstleister der bayerischen Sparkassen.

Ob tatsächlich ein Auftrag an CPU vergeben wurde, dazu will man sich bei IZB Soft nicht äußern. "Wir machen darüber im Moment keine Aussage", erklärt die Pressesprecherin knapp.

Verwundern mag allerdings, dass auch die heutige CPU unter Vorstandschef Manfred Köhler nicht verraten möchte, wer hinter dem ominösen Auftrag steckt. Zu den Vorgängen um das frühere Management wolle man sich nicht äußern, ist aus der Pressestelle zu hören.

Auch weitere Ad-hoc-Meldungen während der - mutmaßlichen - Aktienverkäufe sind mit Vorsicht zu genießen. Bereits zum Jahreswechsel 1999/2000 gab das vormalige CPU-Management einen "Großauftrag" ihres Tochterunternehmens Telesoft bekannt. Kunde war diesmal der TK-Anbieter Talkline.

"Projekt ist nie richtig angelaufen"

Die Meldung entpuppt sich bei genauerem Hinsehen jedoch als Luftnummer. "Die Handy-Banking-Lösung von Telesoft ist bei uns nie im Einsatz gewesen. Es gab eine Testphase, aber das Projekt ist nie richtig angelaufen", versichert eine Firmensprecherin von Talkline auf Anfrage.

Im März 2000 musste das vermeintliche Telesoft-Produkt erneut für eine Erfolgsmeldung herhalten. Bei "rund 120 Banken, Sparkassen, Raiffeisen- und Volksbanken" sei die Handy-Banking-Lösung "in den letzten Wochen bereits installiert worden", behaupteten die Augsburger.

"Extremer Nachfrageboom"

Diese Meldung, die nach Angaben des Vorstand einen "extremen Nachfrageboom für das Produkt" belegt, verfehlte ihre Wirkung nicht; die Aktie zog deutlich an und stieg in den folgenden Tagen bis auf 40 Euro.

Merkwürdig nur: Auch bei dieser Meldung ist über die angeblichen Abnehmer trotz aufwendiger Recherche nichts zu erfahren. Eine Nachfrage bei der IZB-Sprecherin führt nicht weiter. Sie stellt unmissverständlich klar: "Das Produkt ist uns nicht bekannt."

Fragwürdige Firmenkäufe

Brisant verhält es sich mit der ehemals in Starnberg ansässigen Telesoft GmbH noch in anderer Hinsicht. Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt in einem weiteren Verfahren wegen des Verdachts auf Untreue gegen ehemalige CPU-Vorstände. Konkret geht es um "möglicherweise krass überteuerte Firmenzukäufe" im Jahr 1999.

Die Kaufpreise, die das frühere Management zahlte, können sich sehen lassen. Für die zehnköpfige Telesoft-Mannschaft berappte CPU  rund acht Millionen Euro in Aktien. Die T&R DV-Organisation & Beratung GmbH mit 42 Mitarbeitern wurde für fast 17 Millionen Euro (ebenfalls in Aktien) geschluckt.

Gemischtwarenladen ohne erkennbare Strategie

Das in Bad Soden-Salmünster ansässige Unternehmen entwickelt für Raiffeisenkassen eine Finanzsoftware, die zum Zeitpunkt der Übernahme als veraltet galt. Auffallend bei allen Firmenkäufen ist: In den meisten Fällen verabschiedeten sich die früheren Geschäftsführer nach der Akquisition binnen weniger Monate aus ihren Unternehmen.

Um die Umsatzprognose halten zu können, hatte CPU bis zum Jahresende 1999 hastig einen Gemischtwarenladen zusammengescharrt - ohne erkennbare Strategie und Linie. Das böse Erwachen kam für den neuen CPU-Vorstand Monate später. Die Auswüchse des früheren Missmanagements mussten bilanziell bereinigt werden. Im Geschäftsjahr 2000 waren außerplanmäßige Abschreibungen auf Firmenwerte und sonstige Beteiligungen in Höhe von fast 40 Millionen Euro (!) fällig.

Dass es bei CPU in den Jahren 1999 und 2000 zu "zweifelhaften Machenschaften bei Unternehmensübernahmen und Bilanzkosmetik" gekommen sein soll, darauf hat das Anlegermagazin "Die Telebörse" bereits vor mehr als einem Jahr in dem Artikel "Die Augsburg-Connection" hingewiesen. In mehreren Fällen wurde bei den Akquisitionen, die jeweils gegen Ausgabe von CPU-Aktien erfolgten, eklatant gegen geltendes Aktienrecht verstoßen.

Wirtschaftsprüfer im Visier

Die mit der Kapitalerhöhung durch Sacheinlagen beauftragte Wirtschaftsprüferin war keine unabhängige Gutachterin. Sie gehörte als Gesellschafterin zur Augsburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rupp & Epple GmbH. Deren Geschäftsführer wiederum, Gerhard Epple, war bis August 2000 Aufsichtsratsvorsitzender bei CPU Softwarehouse . Vor dem IPO war die Kanzlei Gerhard Epple als Steuerberater für CPU tätig.

Laut Aktiengesetz dürfen aber weder ein Aufsichtsratsmitglied noch assoziierte Partner Kapitalerhöhungsprüfungen vornehmen. Mit dieser Regelung will der Gesetzgeber ausschließen, dass der Wert von Unternehmen beliebig in die Höhe gerechnet wird. Bereits im Februar 1999 hatte die Wirtschaftsprüferin im Zuge der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft den (gemäß Paragraph 33 Aktiengesetz erforderlichen) Gründungs-Prüfungsbericht für CPU erstellt. Auch dieser Vorgang verstieß gegen geltendes Recht.

Andersen testierte Abschlüsse 1999 und 2000

Während der Ägide Furch waren personelle Verstrickungen zwischen dem Unternehmen und Aufsichtsrat offenbar kein Thema. Auch der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Andersen, die für den Jahresabschluss 1999 und 2000 das Testat erteilte, schienen die Machenschaften entgangen zu sein.

Zu besten CPU-Zeiten muss auch die Bayerische Landesbank auf einem Auge blind gewesen sein. Immerhin war mit Werner Strohmayr bis 30. Juni 2000 ein Vorstandsmitglied der Landesbank im Aufsichtsrat des Augsburger Unternehmens.

Bayern LB stockt Beteiligung auf

Der Bayern LB, die beim Börsengang im Konsortium vertreten war und sich mit rund 13 Prozent an CPU beteiligte, bescherte das Engagement aber nicht nur hohe Buchverluste. Angesichts staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen dürfte der Landesbank auch ein Imageschaden sicher sein.

In der Münchener Zentrale des Finanzhauses hält man seinem schwierigen Zögling jedoch weiterhin die Treue. Ende November 2001 erwarb die Beta Beteiligungsgesellschaft, ein Tochterunternehmen der Bayern LB, weitere 25 Prozent an CPU.

Furch bestreitet die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft

Gut informierten Kreisen zufolge soll das Aktienpaket von Firmengründer Jochen Furch stammen, der sich damit von seiner Sperrminorität und seinen letzten Anteilen verabschiedet hätte. Gegenüber der Zeitschrift "Augsburg Journal" bestätigte CPU-Sprecherin Marlies Ott Anfang 2002 diese Information. Ott wörtlich: "Seit 3. Dezember vergangenen Jahres hat Herr Furch keine Anteile mehr." Vor dem IPO hielt Furch laut Prospekt 464.861 Stückaktien.

Furch selbst bestreitet die Aktienverkäufe und die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft für sich und seine Frau. Gegenüber manager-magazin.de verwies er auf eine Presseerklärung vom 4. September 2000, in der er es heißt: "Seit November 1999 wird über mich und die CPU Softwarehouse AG falsch und in verzerrender Weise tendenziös berichtet. (...) Immer wieder wird kolportiert, ich hätte in 1999 Aktien der CPU veräußert und mich damit bereichert."

Furch weiter: "Einmal davon abgesehen, dass es weder moralisch noch gesetzlich bedenklich ist, wenn man Aktien aus Privatbesitz veräußert, ist diese Berichterstattung nicht richtig. Richtig ist, dass ich seit dem Börsengang der CPU am 19.04.1999 keine Aktien der CPU veräußert habe."

Furch-Stute wegen Doping gesperrt

Aktuell will der ehemalige CPU-Lenker den Sachverhalt nicht weiter kommentieren. Furch: "Wie Sie sicherlich wissen, läuft derzeit ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Augsburg gegen mich und andere. Nachdem ich nunmehr Rücksprache mit meinem juristischen Vertreter genommen habe, hat dieser mir aus grundsätzlichen Erwägungen heraus geraten, bis zum Abschluss des Verfahrens keinerlei Interviews zu geben."

Auch die Bayerische Landesbank gibt sich zugeknöpft. Das bayerische Geldinstitut hält heute über ihre Beteiligungstochter knapp 40 Prozent an der CPU AG , aber zu den Gründen für den neuerlichen Einstieg macht die Landesbank keine Angaben.

Aus der Pressestelle heißt es lediglich: "Wir suchen jetzt einen strategischen Partner für CPU." Das aber dürfte angesichts der vor kurzem präsentierten Zahlen nicht einfach sein. Einem Umsatz von 12,3 Millionen Euro stand im Geschäftsjahr 2001 ein Nettoverlust von 19,2 Millionen Euro gegenüber.

"Aus gesundheitlichen Gründen" abgedankt

Derlei Zahlenspiele brauchen Firmengründer Furch nicht mehr zu kümmern. Nachdem er - laut Meldung vom 31. Mai 2000 "aus gesundheitlichen und familiären Gründen" - sein CEO-Amt niedergelegt hat, kann er sich jetzt ganz seinen teuren Hobbys, schnellen Autos und dem Pferdesport, widmen.

Einen Einblick, was der schwäbische Manager an Deckhengsten, Mutterstuten sowie ein- bis fünfjährigen Trabern in seinem Rennstall stehen hat, gibt die Homepage "www.blackjack-racehorses.com". Allem Anschein nach hat das geschäftige Treiben mittlerweile auch hier an Schwung verloren. Die letzte Meldung "Erstklassige Jährlinge gesucht" stammt vom März 2001.

"Kleingeister, Neidhammel, Egomanen"

In der Welt des Pferderennsports ist Furch zudem durch negative Meldungen aufgefallen. Beim Bruno-Cassierer Rennen in Berlin-Mariendorf wurde eines seiner Pferde im letzten Jahr positiv auf Doping getestet.

"Lady Gilldare", so der Name der vierbeinigen Übeltäterin, wurde daraufhin vom Hauptverband für Traberzucht und -Rennen (HVT) für drei Monate gesperrt. Zu unrecht, fand der temperamentvolle Schwabe, der seiner Wut im Online-Gästebuch der Traber-Rennbahn "daglfing.de" freien Lauf ließ.

"Kleingeister, Neidhammel und Egomanen zerfressen den Trabrennsport", ereiferte sich der engagierte Pferdezüchter in dem Online-Forum. Der Ärger lässt sich durchaus nachvollziehen. Immerhin steckt Furch in sein Hobby "sehr viele wirtschaftliche Ressourcen, alleine um Spaß zu haben".

Den Aktionären von CPU dürfte der Spaß unterdessen gründlich vergangen sein. Die Aktie notiert nur noch knapp über der Marke von einem Euro und ist - trotz einer Einstweiligen Verfügung gegen die Deutsche Börse - vom Rauswurf aus dem Neuen Markt bedroht. Vielleicht hätten die Anleger besser daran getan, ihr Glück im Spielcasino zu versuchen. Immerhin hätten sie dann beim Black Jack eine faire Chance gehabt.

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Anmerkung der Redaktion: Der Prozess wegen Insiderhandels gegen Jochen Furch ist im Dezember 2005 gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 30.000 Euro eingestellt worden. Das Gericht erkannte nur mehr eine geringe Schuld bei Furch, da sich nach Zeugenaussagen herausgestellt hatte, dass Furch sich nicht persönlich bereichert, sondern die aus dem Verkauf von Aktien seiner Frau erlösten Millionen einem befreundeten Geschäftspartner geliehen hatte.

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