Telekom/Telecom Italia Megafusion auf tönernen Füßen

Ärger um die Fusion: Die italienische Regierung erneut massive Vorbehalte an. Die großen Aktionärsvereinigungen kritisieren den Zusammenschluß. Und Olivetti bemüht sich weiter um den Kauf den neuen Telekom-Partners.

Bonn/Rom - Die Kritik aus Rom entzündete sich einmal mehr an der Rolle des Bundes als Mehrheitsaktionär der Telekom. Trotz gegenteiliger Beteuerungen aus Bonn befürchtet die italienische Regierung weiterhin, daß die Deutschen bei der geplanten Telefon-Allianz zuviel bestimmen könnten.

"Es ist nicht akzeptabel und denkbar, daß die Telecom Italia von einem staatlichen deutschen Unternehmen gekauft wird", sagte der italienische Finanzminister Vincenzo Visco in Rom. Er fordert, daß die deutsche Telekom vor dem Abschluß weiter privatisiert wird. Nach einem Bericht der "Financial Times" soll Schatzminister Carlo Azeglio Ciampi Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) zu einem Treffen auf Regierungsebene drängen.

Dagegen ließ die Bundesregierung erkennen, daß sie Rom in dieser Frage nicht weiter entgegenkommen will. Ein Sprecher des Finanzministeriums verwies noch einmal auf ein Schreiben vom vergangenen Mittwoch. Darin hatte die Bundesregierung dem italienischen Schatzminister zugesichert, daß sie sich nicht in die Führung des neuen Unternehmens einmischen will. Außerdem hatte sie zugesagt, sich wie geplant vom nächstem Jahr an schrittweise von ihren Telekom-Anteilen zu trennen. Das Finanzministerium gehe deshalb davon aus, daß die Bedenken der italienischen Regierung ausgeräumt sein müßten.

Hintergrund dieser Haltung ist nach Informationen aus Regierungskreisen eine interne Absprache mit der Telekom. Damit die Kapitalmärkte nicht mit T-Aktien überschwemmt werden, soll der Bund seine Anteile nicht vor dem Sommer 2000 an die Börsen bringen. Ansonsten wäre die für Juni dieses Jahres angekündigte Kapitalerhöung der Telekom gefährdet, mit der allein 287 Millionen junge Aktien plaziert werden sollen.

Unzufriedenheit herrscht in Rom auch über die Gewichtsverteilung in der neuen Gesellschaft. So forderte Visco erneut, die Fusion müsse paritätischen Charakter haben. Zwar hatten Sommer und Bernabe, die selbst eine Doppelspitze bilden wollen, am Vortag wiederholt von einem "Zusammenschluß unter Gleichen" gesprochen. Faktisch werden die Telekom-Aktionäre in dem neuen, noch namenlosen Unternehmen aber nach den bisherigen Plänen eine knappe Mehrheit von 56 Prozent des Grundkapitals halten.

Die italienische Börsenaufsicht hat unterdessen grünes Licht für Olivettis Offerte zur Übernahme der Telecom Italia (TI) gegeben. Das Angebot gilt vom 30. April bis 21. Mai. Der Elektronikkonzern hat erklärt, die TI-Anteile auf jeden Fall für 11,5 Euro zu kaufen, wenn mehr als 67 Prozent der Aktionäre die Offerte annehmen. Falls zwischen 35 und 67 Prozent der Aktionäre auf das Angebot eingehen, will Olivetti nur kaufen, wenn das Unternehmen die Kontrolle über Telecom Italia übernehmen kann. Die Entscheidung der Aktionäre wird damit indirekt auch eine Abstimmung über die Fusionsabsichten mit der Deutschen Telekom.

Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) sieht beim Zusammengehen von Telekom und TI die Gefahr, daß die deutschen Aktionäre hier wertmäßig über den Tisch gezogen werden könnten. Die Bewertung beider Unternehmen müsse jetzt genau unter die Lupe genommen werden. "Die Telekom braucht ein ein starkes Standbein in den USA und keinen Riesen in Europa, dem alle möglichen Fesseln der EU-Kommission in Brüssel angelegt werden", sagte die Telekom-Expertin der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre, Anneliese Hieke.

Die Börsen reagierten auch am Freitag wenig begeistert auf die Fusionspläne. Während der Kurs der T-Aktie weiter auf etwas mehr als 35 Euro abbröckelte, gab die Notierung der Telecom Italia in Mailand um gut ein Prozent auf 9,80 Euro nach. Der Zusammenschluß muß durch die EU-Kommission genehmigt werden. Bisher ist in Brüssel aber nach Angaben eines Kommissionssprechers noch keine Anmeldung der Fusion eingegangen.