Samstag, 25. Januar 2020

Comroad "Beste Aktie fürs nächste Jahrtausend"

Das Skandalunternehmen hatte viele Freunde. Unter ihnen Bernd Förtsch.

Die Aktie von Comroad im Vergleich zum Nemax 50 (rot)

Die im Nemax 50 notierte Skandalfirma Comroad Börsen-Chart zeigen, deren Umsätze sich nun zum großen Teil als Luftnummern erweisen, gehörte zu den Lieblingsaktien von Bernd Förtsch. Der Chefredakteur der Zeitschrift "Der Aktionär" und DAC-Fondsberater habe die Comroad-Aktie in zahlreichen Publikationen, Hotlines und Fax-Abrufen immer wieder zum Kauf empfohlen, berichtet das Anlegermagazin "Börse online" in seiner Ausgabe vom 21. März.

"Der Aktionär" wählte ComRoad Mitte Dezember 1999 zu den "besten Aktien für das nächste Jahrtausend". Der DAC-Kontrast-Fonds habe den marktengen Titel zu dieser Zeit als fünftgrößte Position ausgewiesen, berichtet "Börse online".

"Das machen alle so"

Immer wieder empfohlen wurde die Aktie auch in der Förtsch-Postille "Neuer Markt Inside", die noch Ende Juni letzten Jahres zum Kauf riet. Der Kurs lag damals bei 9,60 Euro. Zum Vergleich: Am heutigen Mittwoche fiel das Papier unter die Marke von 40 Cent.

Käufe der Comroad-Aktie für die DAC-Fonds und spätere Empfehlungen habe Förtsch nicht als Problem gesehen: "Das machen alle in der Branche", so die Rechtfertigung.

Verfahren wegen des Verdachts auf "Skalping" - das Kaufen, Hochjubeln und Abstoßen von Aktien - verliefen im Sande. Pikant dabei: Zu den Emissionsbanken von Comroad gehörten Concord Effekten und Hauck & Aufhäuser, die Depotbank der DAC-Fonds.

Warnzeichen vor dem Börsengang

Das Magazin "Börse Online" hatte bereits seit Monaten den Verdacht geäußert, dass nur ein Bruchteil der Umsätze von Comroad real erzielt worden seien. Schon vor dem Börsengang habe es Warnzeichen gegeben: Bodo Schnabel, seine Aufsichtsrätin und Ehefrau Ingrid sowie Mitvorstand Hartmut Schwamm waren zuvor in mehreren Firmen tätig, die Insolvenz angemeldet hatten. Der Emissionsprospekt weise außerdem Verbindlichkeiten gegenüber der Firma "VT Electronics" in Hongkong in Höhe von 2,5 Millionen Mark aus.

Eben diese Firma ist auch für einen Großteil der angeblichen Umsätze von Comroad verantwortlich. Die Sonderprüfer von Comroad hegen Zweifel, ob die Firma VT Electronics "zu irgend einem Zeitpunkt existierte".

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