Letsbuyit.com Panne oder Täuschung?

Nach einer umstrittenen "Gewinn"-Meldung erstattet die SdK Strafanzeige gegen das Unternehmen.
Von Clemens von Frentz

München - Die Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (SdK) hat bei der Staatsanwaltschaft München 1 aufgrund von § 88 Börsengesetz Strafanzeige gegen das Management der Letsbuyit.com  eingereicht. Die SdK wirft der Aktiengesellschaft vor, in einer am Montag veröffentlichten Mitteilung unrichtige Angaben gemacht und die Anleger bewusst getäuscht zu haben.

Die AG hatte am Dienstag um 13.40 Uhr eine Ad-hoc-Meldung verbreitet, in der es wörtlich hieß: "Während eines für die Branche herausfordernden Jahres konnte LetsBuyIt.com bei einem Umsatz von 4,7 Millionen Euro ihren Gewinn um 300 Prozent auf 1,3 Millionen Euro steigern."

Diese Darstellung war zumindest missverständlich. In Wahrheit erwirtschaftete das Unternehmen in dem betreffenden Zeitraum einen absoluten Gesamtverlust von 50,45 Millionen Euro - eine Summe, die mehr als 1000 Prozent über dem erreichten Umsatz liegt.

Der Kurs der Aktie begann unmittelbar nach Veröffentlichung der Meldung signifikant zu steigen und legte zeitweise um rund 50 Prozent zu. Erst kurz vor 17 Uhr reagierte der Vorstand von Letsbuyit mit einer "Klarstellung" auf die entstandene Verwirrung.

In einer nachgeschobenen Meldung schreibt das Unternehmen: "Um Missverständnisse zu vermeiden, stellt LetsBuyIt.com N.V. klar, dass es sich in der deutschen Version seiner heutigen Ad hoc-Mitteilung zum Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2001 bei der 300%igen Steigerung des Gewinns auf 1,3 Mio. Euro um den Bruttogewinn (Bruttoergebnis vom Umsatz), wie in der englischen Version veröffentlicht, handelt."

Nach Ansicht der SdK handelt es sich bei der Meldung um eine grobe Täuschung der Anleger, zumal auch andere wichtige Details zum Ergebnis des Unternehmens in der Mitteilung missverständlich oder fehlerhaft dargestellt worden seien.

Kungeleien mit Kim Schmitz?

SdK-Vorstand Markus Straub gegenüber manager-magazin.de: "Unter anderem heißt es in der Meldung, der Verlust pro Aktie sei von 1,83 Euro auf 0,48 Euro gefallen. Nicht erwähnt wird jedoch, dass die Anzahl der Aktien, auf die sich der Verlust verteilt, erheblich gestiegen ist."

Hilfreich wäre nach Ansicht der SdK auch der Hinweis gewesen, dass die liquiden Mittel der Aktiengesellschaft von 15,3 Millionen Euro per 31. Dezember 2000 auf nur noch 0,58 Millionen Euro per 31. Dezember 2001 gefallen sind.

Die Schutzgemeinschaft wendet sich mit der Strafanzeige an die Münchner Staatsanwaltschaft, weil sich dort ein Firmensitz der Gesellschaft befindet und dort bereits Ermittlungen gegen den in Untersuchungshaft befindlichen Letsbuyit-Investor Kim Schmitz laufen.

Die SdK sieht hier Zusammenhänge, da die Kim Schmitz vorgeworfenen kriminellen Insidergeschäfte nur durch die von der Letsbuyit zu verantwortende Ad-hoc-Meldung vom 25.1.2001 möglich gewesen seien. In der Mitteilung wurde bekannt gegeben, dass die Kimvestor AG Interesse bekundet habe, ein Investment von bis zu 50 Millionen Euro in Letsbuyit.com tätigen.

Straub: "Die Meldung löste damals einen extremen Kursanstieg aus. Dass die Kimvestor AG überhaupt nicht für 50 Millionen Euro solvent war, hätte vorher überprüft werden müssen und wäre einfach festzustellen gewesen."

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