Kursrutsch Die Angst kehrt zurück

Die Sorge um kräftig steigende Ölpreise und eine deftige Gewinnwarnung des Computerriesen IBM haben die Aktienmärkte am Nachmittag weltweit unter Druck gesetzt. Deutsche Techwerte gaben kräftig nach.

New York – Ausgerechnet "Big Blue" überraschte die Märkte zum Wochenauftakt mit einer Hiobsbotschaft. IBM  revidierte vor Börsenbeginn in den USA die Gewinnaussicht für das erste Quartal auf 66 bis 70 Cents je Aktie. Analysten hatten zuvor durchschnittlich mit 85 Cents gerechnet. In New York verlor die Aktie rund zehn Prozent auf 90 Dollar.

Die Börsen gingen nach der Meldung auf Talfahrt, erholten sich im weiteren Verlauf jedoch wieder leicht. Die Nasdaq, zwischenzeitlich mit über zwei Prozent im Minus, kletterte bis zum Börsenschluss in Deutschland sogar fast bis an die Schlussmarke vom vergangenen Freitag. Der Dow Jones hielt sich dagegen noch mit etwa 0,5 Prozent im roten Bereich.

Auch Dax und Nemax konnten im späten Handel ihre Verluste reduzieren, schlossen jedoch noch deutlich schwächer. Das Börsenbarometer für die Standardwerte ging rund 1,5 Prozent schwächer aus dem Handel, der Nemax 50 gab mehr als zwei Prozent ab.

"Kein Anzeichen für Wachstumsstory in Techbranche"

"Die IBM-Story ist der Hauptgrund für die Entwicklung", sagte Barry Hyman, Chef-Investment-Stratege bei Ehrenkrantz King Nussbaum. "Wir sind im zweiten Quartal, und es gibt immer noch kein Anzeichen für eine Wachstums-Story in der Technologiebranche."

Die Märkte waren zuvor bereits unter Druck geraten, nachdem Iraks Präsident Saddam Hussein am Vormittag die Aussetzung von Öllieferungen für vier Wochen aus Protest gegen das Vorgehen Israels in den Palästinenser-Gebieten angekündigt hatte. Dies ließ die Ölpreise teils deutlich steigen, obwohl die Opec der irakischen Entscheidung auf Grund des im Vergleich geringen Liefervolumens keine große Bedeutung beimaß.

Die Gewinnwarnung von IBM traf den Markt völlig unvorbereitet, erklärte ein Marktbeobachter in New York, zumal IBM am Freitag Gerüchte über eine bevorstehende Gewinnwarnung dementiert hatte.

Der Umsatz werde bei 18,4 bis 18,6 Milliarden Dollar liegen, so das Unternehmen weiter. Hier betrugen die Schätzungen bis dato 19,7 Milliarden Dollar. Die Abweichungen fallen für einen Großkonzern erstaunlich hoch aus und dürften die Kursentwicklung daher nachhaltig beeinflussen. "Unsere Schätzungen wurden völlig unterboten", zeigte sich ein Analyst von der überraschend drastischen IBM-Gewinnwarnung überrascht.

Infolge der Gewinnwarnung rauschten deutsche Technologiewerte in den Keller. Die Verluste von Epcos  , Siemens  und SAP  betrugen zum Handelsschluss zwischen zwei und drei Prozent.

Die Analysten von Thomas Weisel Partners haben am Montag ihre Gewinnprognose für den IT-Konzern IBM reduziert. Dies erfolgte vor der Veröffentlichung einer Gewinnwarnung des Unternehmens. In ihrer Meldung kappten die Analysten den erwarteten Gewinn pro Aktie für 2002 von 4,75 auf 4,55 Dollar und für 2003 von 5,35 auf 5,25 Dollar. Die Konsensschätzung für die Berichtszeiträume beträgt 4,77 und 5,51 Dollar.

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