Letsbuyit.com Kurssprung nach Jubelmeldung

Die vom Delisting bedrohte AG sorgt mit einer irreführenden Meldung für Irritationen.
Von Clemens von Frentz

München - Das angeschlagene Internet-Unternehmen Letsbuyit.com  ist erneut durch ein fragwürdiges Verhalten aufgefallen.

Am heutigen Montag veröffentlichte das Unternehmen um 13.40 Uhr eine Ad-hoc-Meldung, in der es wörtlich hieß: "Während eines für die Branche herausfordernden Jahres konnte LetsBuyIt.com bei einem Umsatz von 4,7 Millionen Euro ihren Gewinn um 300 Prozent auf 1,3 Millionen Euro steigern." Diese Meldung ist nach Ansicht der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) falsch und grob irreführend.

In einer Stellungnahme schreibt die SdK: "Tatsächlich hat die Gesellschaft jedoch einen erheblichen Verlust erwirtschaftet. Bei der Aussage 'Gewinn' handelt es sich offensichtlich nur um den Rohertrag." Die Schutzgemeinschaft habe die Gesellschaft daher um eine unverzügliche Richtigstellung der Meldung gebeten und die Frankfurter Wertpapierbörse zur Aussetzung des Handels aufgefordert.

Aktie schoss nach oben

An der Frankfurter Börse konnte die Aktie von der Meldung erheblich profitieren. Nach einer Eröffnung bei 1,7 Cent stieg das Papier kurz nach Veröffentlichung der Ad-hoc auf 2,5 Cent, ehe sie gegen 16 Uhr auf 2,2 Cent zurückfiel.

Erst kurz vor 17 Uhr reagierte der Vorstand von Letsbuyit mit einer "Klarstellung" auf die entstandene Verwirrung. In einer nachgeschobenen Meldung schreibt das Unternehmen: "Um Missverständnisse zu vermeiden, stellt LetsBuyIt.com N.V. klar, dass es sich in der deutschen Version seiner heutigen Ad hoc-Mitteilung zum Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2001 bei der 300%igen Steigerung des Gewinns auf 1,3 Mio. Euro um den Bruttogewinn (Bruttoergebnis vom Umsatz), wie in der englischen Version veröffentlicht, handelt."

Die fragwürdige Meldung erreichte die Aktionäre einen Tag vor einer entscheidenden Verhandlung des Oberlandesgerichts Frankfurt, das am Dienstag über die Klagen von sechs Aktiengesellschaften gegen die im Oktober eingeführten Regeln für das Wachstumssegment entscheidet. Unter diesen Firmen ist auch LetsBuyIt.com.

Den Klägern droht wegen ihres niedrigen Aktienkurses der Ausschluss vom Neuen Markt. Ihr Kurs notierte zu lange unter einem Euro, der Börsenwert liegt unter 20 Millionen Euro.

Ein Urteil wird es vermutlich noch nicht geben. Allerdings wollen die Richter eine erste Einschätzung abgeben, wie sie vermutlich entscheiden werden. Damit würde die zweite Instanz erstmals zu der Frage Stellung beziehen, ob die Deutsche Börse die Regeln für den Neuen Markt einseitig ändern durfte.

Dieser Punkt ist rechtlich umstritten, denn nicht alle Unternehmen haben vor ihrem Börsengang erklärt, dass sie das Regelwerk in der jeweils aktuellen Fassung akzeptieren. Daher dürfen die Darmstädter Softwareschmiede Prout und die Hamburger TV-Produktionsfirma MME nicht wegen ihres niedrigen Kursniveaus ausgeschlossen werden.

Streit um Delisting

Dessen ungeachtet zeigte die Börse bereits fünf der sechs klagenden Unternehmen die Rote Karte. Sie sollen Ende April den Neuen Markt verlassen. Der vorsitzende Richter am Oberlandesgericht, Wilfried Müller-Fuchs, hatte vergeblich angeregt, zunächst das Ergebnis der Verhandlung am Dienstag abzuwarten.

Das Landgericht Berlin hat die Deutsche Börse wegen ihrer vorschnellen Ankündigung auf Antrag des Informations-Dienstleisters InfoGenie zurückgepfiffen. Begründung: Bevor das Oberlandesgericht entschieden habe, dürfe die Börse nicht den Rauswurf der klagenden Firmen melden.

Wegen des niedrigen Aktienkurses entzog die Börse neben den klagenden Unternehmen InfoGenie, LetsBuyIt.com, e.multi, GfN und NSE Software auch FortuneCity.com die Zulassung für den Neuen Markt. Auch der Filmproduzent IN-motion soll gehen, weil er den Jahresabschluss nicht pünktlich ablieferte.

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