Opec Generalsekretär warnt vor einer Ölkrise

An den Ölmärkten steigt der Preis für ein Barrel Rohöl bis an die Schmerzgrenze von 30 Dollar. Nach Ansicht der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) könnte sich die Lage noch verschärfen.

New York/Caracas - Ein Streik in der venezolanischen Ölindustrie und der von Irak verkündete Exportstopp könnten nach Ansicht von Opec-Generalsekretär Ali Rodriguez die Gefahr einer weltweiten Ölkrise heraufbeschwören. Ob die Organisation Erdöl exportierender Länder darauf mit einer Krisensitzung reagieren werde, sagte Ramirez in einem Interview mit Radio Caracas nicht.

"Es werden Maßnahmen erörtert werden, um die Marktstabilität zu erhalten", sagte der frühere venezolanische Ölminister. Die venezolanischen Ölexporte kamen am Montag fast zum Erliegen. Im Raffinerie-Komplex von Paraguana wurde nur die Hälfte der sonst 950.000 Barrel Öl pro Tag verarbeitet. Die Ölarbeiter streiken aus Protest gegen eine von Präsident Hugo Chavez eingesetzte neue Geschäftsleitung beim Staatsmonopol Petroleos de Venezuela. Venezuela ist der wichtigste Öllieferant der USA.

Ölpreis könnte auf über 30 Dollar je Barrel steigen

Weiter verschärft wurde die Situation durch den Export-Stopp des Iraks. Der US-Ölpreis könnte deshalb nach Einschätzung des amerikanischen Energieministeriums auf mehr als 30 Dollar je Barrel steigen. Iraks Präsident Saddam Hussein wollte mit der Entscheidung gegen das Vorgehen israelischer Truppen in den Palästinenser-Gebieten protestieren. Die Ankündigung des Irak, in den kommenden 30 Tagen kein Öl mehr in westliche Länder auszuführen, könne den US-Ölpreis leicht um fünf Dollar je Barrel (159 Liter) verteuern, sagte der Volkswirt des Energieministeriums, David Costello, am Montag in Washington. "Das wird dann der Fall sein, wenn kein anderen Land die Lücke schließt."

Im Future-Handel an der New York Mercantile Exchange (NYMEX) kostete ein Barrel am Montagnachmittag 26,95 Dollar - ein Plus von 74 US-Cent zum Schlussstand am Freitag. Auf dem Londoner Ölmarkt schoss der Preis für ein Barrel der Marke Brent um mehr als fünf Prozent in die Höhe auf 27,05 Dollar. In den USA verteuerte sich das Öl um knapp vier Prozent auf 27,20 Dollar je Barrel.

Irak fordert arabische Länder zur Solidarität auf

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Irak liefert täglich etwa zwei Millionen Barrel, was etwa vier Prozent des internationalen Ölhandels ausmacht. Der mit zahlreichen Sanktionen belegte Irak ist der sechsgrößte Öl-Lieferant der USA. Saddam Hussein hat die arabischen Ölförderer aufgefordert, die Öllieferungen an den Westen zu stoppen.

Irak und andere arabische Länder werfen den westlichen Ländern ihre Unterstützung für Israel vor. Libyen hat die Forderung Iraks nach einem Ölembargo unterstützt. Auch Iran hatte sich vergangene Woche für einen einmonatigen Lieferstopp aller islamischer Staaten an den Westen ausgesprochen. Die Opec-Schwergewichte Saudi-Arabien und Kuweit haben umgekehrt aber erklärt, sich einem irakischen Lieferstopp nicht anzuschließen. Saudi-Arabien, weltweit größte Ölexporteur, hat nach eigenen Angaben genügend Kapazität, auf jegliche Störung am Ölmarkt angemessen zu reagieren.

Opec-Generalsekretär Ali Rodriguez kündigte für Dienstag Konsultationen der OPEC-Minister über Iraks Entscheidung an. Ein Opec-Delegierter sagte in London der Nachrichtenagentur Reuters, die Opec habe keine Pläne für die Anhebung der Produktion um eventuelle irakische Ausfälle zu kompensieren. Die Opec sehe den irakischen Liefer-Ausfall nicht als großen Verlust für die Märkte, fügte er hinzu.

Folgen für die Konjunktur befürchtet

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) befürchtet, dass die höheren Ölpreise die jetzt begonnene Konjunkturerholung beeinträchtigen könnte. "Unser Wachstum wird einen Dämpfer erhalten, wenn der Ölpreis 30 Dollar je Barrel erreicht .... Für die Konjunkturerholung würden wir gern niedrigere Ölpreise sehen, etwa wie 25 Dollar je Barrel", sagte Müller am Sonntagabend während seiner Reise in den arabischen Staaten der Nachrichtenagentur Reuters. Er prognostizierte ein Wirtschaftswachstum in Deutschland in diesem Jahr um mindestens ein Prozent, wenn der Ölpreis 30 Dollar nicht übersteigt.

Händler halten einen Anstieg des Ölpreises auf über 30 Dollar für möglich. Erst vergangene Woche hatte der Ölpreis ein Sechsmonatshoch von 28,15 Dollar erreicht. An den Aktienmärkten gaben die Kurse nach der Ankündigung Saddam Husseins weiter nach.

US-Präsident George W. Bush hat Israel bereits zum Abzug aus den Palästinenser-Städten aufgefordert. Seines Außenminister Colin Powell ist seit Montag in der Region um zu vermitteln. Bisher hat sich Israels Ministerpräsident Ariel Scharon aber der Aufforderung widersetzt. Am Montag kündigte er die Fortsetzung der Militäroffensive an, bis die israelischen Ziele erreicht seien.

Die Opec hatte im vergangenen Jahr die Ölförderung um fünf Millionen Barrel pro Tag gesenkt, um die fallenden Preise zu stützen.

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