Montag, 20. Mai 2019

Banken Reichen die Sicherheiten?

Deutsche und Dresdner Bank können trotz der Kirch-Insolvenz gelassen bleiben - ihre Sicherheiten sind solide. Der HypoVereinsbank droht dagegen der Griff in die Risikokasse.

Die Gläubigerbanken zittern mit Leo Kirch. Einige haben mehr, andere weniger Grund dazu.
mm.de
Die Gläubigerbanken zittern mit Leo Kirch. Einige haben mehr, andere weniger Grund dazu.

Frankfurt am Main - Die Insolvenz der Kirch-Media-Gruppe hat die Aktien der Gläubigerbanken deutlich belastet. Nach Einschätzung von Analysten können sich Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank jedoch auf ihre Kreditsicherheiten verlassen und müssen keine größeren Gewinneinbußen befürchten.

Die HypoVereinsbank muss dagegen einen Teil ihrer Kredite vermutlich in den Wind schreiben. Auch den nicht börsennotierten Banken BayernLB und DZ Bank drohen empfindliche Einbußen - bei der Landesbank muss allerdings der Freistaat Bayern die Verluste ausgleichen.

Commerzbank und HypoVereinsbank sind am stärksten im deutschen Firmenkundengeschäft engagiert. Die Insolvenz der Kirch Media ist die größte Firmenpleite der deutschen Nachkriegsgeschichte.

HVB: 250 Millionen für Premiere sind wohl weg

Die HypoVereinsbank Börsen-Chart zeigen hat an den Medien-Konzern Kredite über rund 450 Millionen Euro vergeben und wird offenbar zumindest den 250 Millionen Euro Kredit an Premiere abschreiben müssen. "Das lässt sich aber im Rahmen der schon geplanten Risikovorsorge noch verkraften", urteilt Georg Kanders, Analyst bei der WestLB Panmure.

Auch Konrad Becker, Banken-Analyst bei Merck Finck & Co, geht derzeit nicht davon aus, dass die HVB wegen der Kirch-Pleite ihre Risikovorsorge erhöhen muss. Sollten jedoch weitere Insolvenzen hinzu kommen - neben Kirch haben jüngst Herlitz und Fairchild Dornier Zahlungsunfähigkeit gemeldet - dürften die bislang eingeplanten Reserven knapp werden.

Springer bietet Sicherheit für Deutsche Bank

Vor allem die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen kann trotz der Kirch-Pleite vergleichsweise entspannt bleiben. Ihr Kredit von mehr als 700 Millionen Euro ist mit dem 40-prozentigen Anteil Kirchs am Axel Springer Verlag besichert.

"Da scheint die Sicherheit sogar mehr wert zu sein als der Kredit", sagte Dieter Hein, Bankanalyst bei Credit Lyonnais in Frankfurt. Außerdem ist die Deutsche Bank als "global player" auch stark im Auslandsgeschäft und im Investmentbanking engagiert und hat ihren Fokus nicht so stark auf deutsche Firmenkunden wie etwa HVB und Commerzbank.

Telecinco läßt Dresdner Bank durchatmen

Auch die Dresdner Bank bleibt gelassen, da ihr 460-Millionen-Euro Kredit mit dem 25-prozentigen Anteil der Kirch-Gruppe am spanischen Privatsender Telecinco besichert ist. Dieser Sender gehört zu den profitablen Bereichen im ehemaligen Kirch-Imperium.

"Der Kredit wird in der nächsten Woche fällig. Wir halten ihn für ausreichend besichert und sind zuversichtlich, auch im Falle einer Insolvenz unser Geld zu bekommen", hieß es aus Kreisen der mittlerweile zur Allianz gehörenden Bank.

Commerzbank setzt auf Filmrechte

Die Commerzbank Börsen-Chart zeigen hat Kirch rund 350 Millionen Euro geliehen, die - ebenso wie der Kredit der DZ Bank (rund 400 Millionen Euro) - überwiegend über den Kirch-Filmstock absichert sind. "Wir fühlen uns ordentlich besichert, und für den Rest haben wir vorgesorgt", sagte Commerzbank-Sprecher Ulrich Ramm.

Die Film-Verwertungsrechte seien jedoch keine so sichere Bank wie der Axel Springer Verlag oder Telecinco, urteilen Branchenkenner, denn nach dem erfolgten Insolvenzantrag sei unklar, was mit den Verwertungsrechten geschehe.

Moody's sieht Risiken für DZ Bank und Bayern LB

Unklarer ist die Lage bei den nicht börsennotierten Bayern LB und DZ Bank. Sie müssen ihre Reserven nicht offen legen. Erst am Donnerstag hatte die Ratingagentur Moody's jedoch die Finanzstärke der DZ Bank auf D+ von C- zurückgestuft und das derzeit bei C liegende Rating der BayernLB wegen möglicher Kreditausfälle auf die Beobachtungsliste gesetzt.

Wegen des hohen Kirch-Engaments der Bayerischen Landesbank - dort steht Kirch mit rund 1,9 Milliarden Euro für die Formel 1 in der Kreide - und der vergleichsweise bescheidenen Finanzstärke der DZ Bank könnten diese beiden Institute stärker als andere deutsche Banken getroffen werden.

Risiko für den Freistaat Bayern

Noch Mitte März hatte der bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) das 1,9 Milliarden Euro schwere Engagement der BayernLB als gut besichert bezeichnet. "Ich denke, die Situation bei der BayernLB ist anders als bei den privaten Geschäftsbanken", sagte ein Analyst. "Bei der Kreditvergabe hat da sicherlich auch das Interesse des Freistaats Bayern eine Rolle gespielt."

Bei einem Kreditausfall werde letztlich der Freistaat Bayern die Summe voll decken müssen. Bayern ist mit 50 Prozent an der Bayern LB beteiligt, die andere Hälfte hält der Bayerische Sparkassen- und Giroverband.

Am Montag, dem Tag der Kirch-Insolvenz, gaben die Aktien der Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen , der HypoVereinsbank Börsen-Chart zeigen und der Allianz Börsen-Chart zeigen , zu der die Dresdner Bank gehört, zwischen zwei und 2,5 Prozent nach. Deutlicher unter Druck stand die Commerzbank Börsen-Chart zeigen , die mit einem Verlust von rund vier Prozent als einer der größten Verlierer im Dax aus dem Handel ging.

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