Wall-Street-Ausblick Hoffen auf Powell

Neben den Zahlen von Yahoo und Juniper dürfte vor allem die Nahost-Krise darüber bestimmen, ob die Nasdaq die fünfte Woche in Folge fällt. Trotz des Gegenwindes will eine neue Fluglinie an der Börse abheben.

New York - Die Hoffnungen der Wall Street ruhen diese Woche auf Colin Powell. Kann der US-Außenminister auf seinem Nahost-Trip eine Waffenruhe zwischen Israel und den Palästinensern herbeizaubern? Nichts wünschen sich die Börsianer derzeit sehnlicher - mit Ausnahme vielleicht von anständigen Gewinnen, die im Vergleich zum Nahost-Frieden allerdings zum Mini-Problem schrumpfen.

Der Konflikt schlägt den Anlegern auf den Magen. In der vergangenen Woche hat der Dow Jones 1,3 Prozent verloren, der Nasdaq sogar 4,1 Prozent.

Ölpreis um 30 Prozent gestiegen

Die Ankündigung von US-Präsidenten George W. Bush, sich nach Monaten des Wegschauens zu engagieren und seinen Außenminister zu entsenden, wurde an der Wall Street positiv aufgenommen. Doch Beobachter geben sich keinen Illusionen hin. "Das letzte Mal, als jemand die Wogen in Palästina glätten konnte, musste er übers Wasser gehen. Powell ist gut, aber übers Wasser geht er nicht", sagt David Wyss, Chef-Volkswirt von Standard and Poor's.

Die Krise beunruhigt manche Analysten, weil die Ölpreise bereits bedenklich gestiegen sind. Seit Januar ist der Barrel-Preis von 18 auf zuletzt 27 Dollar geschnellt - ein Anstieg um über 30 Prozent. Drei bis sieben Dollar davon seien auf den Nahost-Konflikt zurückzuführen, schätzt Wyss. Der Einfluss des Ölpreises auf die US-Wirtschaft ist enorm: Laut einer Analyse von Salomon Smith Barney führt allein der Anstieg des Benzinpreises um einen Cent pro Gallone zu einem US-Nachfrageverlust von einer Milliarde Dollar. Und der Irak und Iran haben bereits einen Lieferboykott wie 1973 gefordert. Der Boykott löste damals eine Weltwirtschaftskrise aus.

Angst um den jungen Aufschwung

Eine Wiederholung dieses Szenarios ist unwahrscheinlich (die meisten Opec-Staaten sind gegen ein Embargo), doch die Lage ist ernst genug, dass Ökonomen um den jungen Aufschwung fürchten. Bisher sei der Anstieg der Preise zwar erst eine "milde Bremse" für die Verbraucher-Nachfrage, sagt Wyss. 27 Dollar sei schließlich der Durchschnittspreis während der Neunziger gewesen. Aber eine Verdoppelung auf 50 Dollar pro Barrel sei durchaus vorstellbar. "Ein solcher Anstieg könnte genug Nachfrage auslöschen, um die Rezession wieder zu starten."

Höhere Inflation: Bleiben Verbraucher gelassen?

Der höhere Ölpreis wird sich auch in den Konjunkturdaten niederschlagen. Am Freitag wird der Einzelhandelsumsatz für März bekannt gegeben (darin ist der Tankstellenumsatz enthalten). Ökonomen erwarten einen Anstieg um 0,5 Prozent, nach 0,3 Prozent im Februar. Auch die Inflationsrate hat voraussichtlich einen Sprung gemacht: Von 0,2 Prozent im Februar auf 0,7 Prozent im März. Die Verbraucher hingegen lassen sich von den höheren Ölpreisen anscheinend noch nicht beeindrucken: Der vorläufige Index des Verbrauchervertrauens für April soll steigen. Er wird am Freitag von der University of Michigan veröffentlicht.

Zittern an der Nasdaq

Der zweite bestimmende Faktor diese Woche bleiben die Unternehmensgewinne. Beobachter warten besonders auf die Ausblicke von Internetportal Yahoo!, Online-Broker ETrade und Netzwerkausrüster Juniper. Enttäuschen sie die Hoffnungen auf Besserung im Tech-Sektor, dürfte der Nasdaq Composite die fünfte Woche in Folge fallen. Auch Old-Economy-Gigant General Electric wird Zahlen vorlegen. Im abgelaufenen Jahr ist die einstige Wachstumsmaschine ins Stottern geraten. Jetzt warten Anleger auf die Offensive des neuen Chefs Jeffrey Immelt.

Jetblue will abheben

Für Aufsehen sorgt auch der für diese Woche geplante Börsengang der New Yorker Billigfluglinie Jetblue. Es ist der erste US-Börsengang einer Fluglinie seit 1999. Das zwei Jahre alte Unternehmen will an der Nasdaq 132 Millionen Dollar Kapital holen. Analysten erwarten einen fulminanten Börsenstart.

Die Fluggesellschaft, deren Vorbild Southwest Airlines ist, war bereits im zweiten Jahr nach der Gründung profitabel: 2001, in einem der schlechtesten Jahre für die Luftfahrt überhaupt, erwirtschaftete Jetblue einen Gewinn von 38 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 320 Millionen Dollar. Börsianer haben die Aktie bereits zum "Wall-Street-Darling" erklärt.

Eine Fluggesellschaft, die in diesem Klima einen erfolgreichen Börsengang hinlegt - da fehlt eigentlich nur noch, dass Colin Powell übers Wasser geht.

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