Die Trinkaus-Kolumne Noch keine Entwarnung

Die Telekom-Unternehmen sind zwar auf dem Weg der Besserung, aber an ihren strukturellen Problemen hat sich wenig geändert, meint Klaus Lüpertz, Börsen-Experte bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Bei den Telekommunikations-Aktien ist es unverändert so, dass der Preisverfall sowohl bei Ortsnetzgesprächen als auch bei nationalen und internationalen Ferngesprächen nicht durch steigende Volumina kompensiert werden konnte. Der Umsatz der Netzbetreiber sank insgesamt um sechs bis acht Prozent in diesem Geschäftsbereich. Trotz dieses Rückgangs konnten die Ex-Monopolisten ihren Umsatz insgesamt um ca. sechs Prozent steigern – das ist etwas weniger als der Markt erwartet hatte.

Positiv war vor allem die verstärkte Kapitaldisziplin, z.B. durch die Reduzierung der Investitionen, und die erfolgreiche Kostenkontrolle. Der Ausblick der ehemaligen Monopolisten war auch eher verhalten und konzentrierte sich erneut auf Kapitaldisziplin und die Generierung von Cash-Flow.

Darüber hinaus ist DSL aktuell das Thema, das von den meisten Betreibern forciert wird. Speziell im Breitband für das Festnetz wird die nächste Wachstumsstory gesehen.

Unverändert schlecht ist die Situation der Alternative Carrier. Die Firmen weisen in aller Regel eine äußerst hohe Verschuldung auf und wurden durch das schlechte wirtschaftliche Umfeld der letzten Monate an ihr Existenzminimum gebracht.

Es verwundert daher nicht, dass Gewinnwarnungen und einzelne Firmenpleiten aus diesem Sektor zu vermelden waren. Zusätzlicher Druck kam über die "Enronitis"-Diskussion, da einige der Alternative Carriers im Verdacht ähnlich kreativer Buchführungsmethoden stehen.

Die Mobilfunkunternehmen überraschten mit einem deutlich unter den Erwartungen liegenden Neukundenwachstum. Vor allem die Zahlen aus den USA gaben Anlaß zur Sorge. Auf der anderen Seite gab es einen Stabilisierung der monatlichen Umsätze pro Kunde.

Nimmt man diese beiden Komponenten in Kombination, so führte das zu einer Erhöhung der Profitabilität der Unternehmen. Die Cebit verdeutlichte noch einmal, dass mobiler Datenaustausch zwar der Wunsch vieler Firmen ist, aber am Markt wird das Thema noch nicht so schnell wieder Wirklichkeit werden. Das deutete sich bereits auf dem GSM-Kongress in Cannes an.

Es bleibt die Erkenntnis, dass die Telekom-Unternehmen zwar auf dem Weg der Besserung sind, aber die strukturellen Probleme nach wie vor vorhanden sind. Darüber konnte auch die Cebit mit aller Show nicht hinwegtäuschen. Einzelne Vorgänge innerhalb des Sektors, z.B. bei Mobilcom , sorgten speziell im letzten Monat dafür, dass der leicht negative Gesamteindruck bestehen bleibt.


Hinweis: Das neue Buch unseres Kolumnisten Klaus Lüpertz ist seit einigen Wochen erhältlich. Es ist im Gabler Verlag erschienen und trägt den Titel "Internetaktien - Gewinnstrategien nach dem Crash".

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.