Siemens Ende der Familientreue?

Die Haltefrist für die verbliebenden Infineon-Anteile läuft aus. Schickt der Elektronikriese die Aktie der Tochtergesellschaft auf Talfahrt? Bislang bewiesen die Münchner viel Marktgeschick.

Frankfurt am Main - Siemens wird nach Ansicht von Analysten nicht mit einem Teil ihrer verbliebenen Infineon-Aktien  den Markt überschwemmen, wenn am kommenden Montag die Mindesthaltefrist auf ihren Anteil ausläuft. Die Experten gehen davon aus, dass Siemens  einen weiteren Anstieg der Preise für DRAM-Speicherelemente abwartet. Diese hätten nach dem starken Preisanstieg zu Jahresbeginn jüngst eine Verschnaufpause eingelegt.

Siemens hält derzeit noch 41,3 Prozent an Infineon. Der Technologiekonzern reduzierte seine Beteiligung von zuvor 50,4 Prozent seit Anfang Dezember durch zwei Platzierungen: Am 12. Dezember wurde Infineon dekonsolidiert und damit aus der Bilanz genommen sowie der Anteil von 50,4 auf 47,1 Prozent reduziert. Anfang Januar wurden weitere 40 Millionen Aktien verkauft, was den Anteil an dem Halbleiter-Produzenten um weitere 5,8 Prozent verringerte.

Siemens-Sprecherin Miriam Steffens wollte am Donnerstag nicht bestätigen, dass die 90-tägige Mindesthaltefrist am Montag ausläuft. Man habe wiederholt der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass Infineon-Aktien auf eine Weise platziert werden, die fair gegenüber den Aktionären von Infineon und dem Unternehmen selbst sei. Nachdem Siemens 200 Millionen Infineon-Aktien oder einen Anteil von 29 Prozent an dem Unternehmen in einem US Trust Fund untergebracht hat, beläuft sich der unmittelbare Aktienüberhang Analysten zufolge auf lediglich 90 Millionen Aktien oder 13 Prozent am Unternehmen.

Siemens bewies bislang gutes Timing

Karsten Iltgen von der WestLB Panmure verwies darauf, dass Siemens nicht mehr über die Stimmrechte für den 29-prozentigen Anteil verfüge. Weil die Beteiligung nicht mehr in der Bilanz auftaucht, wird das Unternehmen seiner Meinung nach den Anteil in nächster Zukunft nicht verkaufen wollen. Am Markt sei man sich darüber im Klaren, dass der Aktienkurs von Infineon wegen des Ablaufes der Haltefrist im Vergleich zu anderen Halbleiterwerten zurückgeblieben sei. Bislang habe Siemens ein gutes Timing bei der Platzierung seiner Infineon-Aktien an den Tag gelegt.

Peter Knox von der Commerzbank erwartet, dass Siemens mit dem Verkauf seiner Aktien bis nach der Bekanntgabe der Infineon-Geschäftszahlen für das zweite Quartal am 23. April warten wird. Es gebe am Markt Interesse an qualitativ hochwertigen Aktien. Eine Reihe von Platzierungen sei in jüngster Zeit sehr erfolgreich gewesen. Händlern zufolge wurden T-Aktien-Verkäufe von ehemaligen Aktionären des US-Mobilfunkbetreibers VoiceStream ebenso gut vom Markt aufgenommen wie eine große Platzierung von Porsche-Aktien vor einigen Wochen.

Hoffen auf ein besseres Preisniveau

Weil der Infineon-Aktienkurs stark mit der Entwicklung der Preise für DRAM-Speicherelemente verbunden ist, erwarten Analysten, dass Siemens mit weiteren Aktienverkäufen solange warten wird, bis sich eine Tendenz der Preise abzeichnet. Eric de Graaf von ING Barings sagte, Siemens habe ausreichend Spielraum, da das Unternehmen derzeit nicht unbedingt Bargeld benötige.

Viele Marktbeobachter sehen die kurz- und mittelfristige Preisentwicklung bei DRAMs eher düster. Der Markt warte ab, ob sich die Anzeichen für eine konjunkturelle Aufwärtsentwicklung durch eine größere Nachfrage nach Chips und anderen Hochtechnologieprodukten bestätigten.

Joe Brennan, dpa-AFX

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