EZB Zentralbank-Chef bleibt optimistisch

Wim Duisenberg erwartet deutliches Wachstum. Dennoch nennt er Risiken.

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet für dieses Jahr ein deutliches wirtschaftliches Wachstum in der Euro-Zone und sieht trotz des gestiegenen Ölpreises keine starken Inflationsgefahren. Der erwartete konjunkturelle Aufschwung werde vor allem von der Binnennachfrage angetrieben: Exporte spielten bei der Konjunkturentwicklung im Euro-Raum nur eine untergeordnete Rolle.

Ölpreis bereitet Sorgen

Die Inflation in der Eurozone ist zwar vor allem auf Grund des teuren Öls im März auf 2,5 Prozent gestiegen. Dies ist ein halber Prozentpunkt höher als die von den Währungshütern gesetzte Obergrenze. Die EZB erwartet dennoch im Jahresdurchschnitt eine Preissteigerung von knapp unter zwei Prozent. Damit würde das gesetzte Stabilitätsziel erreicht.

Durch den steigenden Ölpreis werde die Inflationsrate in diesem Jahr jedoch später als erwartet unter die wichtige Zwei-Prozent-Schwelle fallen. "Sollte der Ölpreis weiterhin so hoch bleiben, werden die Verbraucherpreise höher ausfallen, als wir bislang prognostiziert haben", sagte Duisenberg. Dennoch sollte die Preissteigerung mittelfristig unter zwei Prozent fallen. Er sehe deshalb derzeit keinen Grund, die Zinsen zu ändern, sagte Duisenberg.

Risiken für das Wachstum

Zwar zeigen sich auch die Währungshüter optimistisch hinsichtlich der Konjunktur, doch nennen sie auch einige Risiken. Wenn der jüngste Anstieg der Ölpreise weitergehe, könne dies die Inflation treiben und die Wirtschaftsleistung drücken. Die Konsumlust der Verbraucher könnte einen empfindlichen Dämpfer erhalten, wenn das frei verfügbare Einkommen zum Beispiel durch hohe Benzinpreise sinkt. Teures Öl bedeutet gleichzeitig steigende Produktionskosten für viele Unternehmen.

Wie stark der Preisdruck ausfalle, hänge auch von den Tarifabschlüssen der kommenden Monate ab, sagte Duisenberg. Moderate Abschlüsse seien nicht nur wichtig für die Preisstabilität, sondern auch für einen Abbau der Arbeitslosigkeit.

Drittens ermahnte der EZB-Präsident die Regierungen, die Staatsschulden abzubauen und die Konjunkturerholung zu Strukturreformen zu nutzen. Duisenberg: "Wenn die Reformen entsprechend umgesetzt werden, könnten sie ein nachhaltiges Wachstum stärken."

Zinserhöhungen erst im Herbst?

Zuvor hatte die EZB die Leitzinsen wie erwartet unverändert gelassen. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins beträgt damit weiterhin 3,25 Prozent. Die Zinsen seien angemessen, ein stabiles Preisniveau auf mittlere Sicht sicherzustellen, hieß es.

Die EZB hatte im vergangenen Jahr die Leitzinsen in vier Schritten um 150 Basispunkte gesenkt, zuletzt um einen halben Prozentpunkt im November. Mit dem starken Konjunkturabschwung in der Euro-Zone waren die Risiken für eine höhere Inflation geschwunden. Die meisten Volkswirte gehen davon aus, dass die Notenbank im Herbst mit höheren Leitzinsen Inflationsgefahren begegnen wird, wenn sich das Wachstum beschleunigt.

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