Comroad Delisting droht

Die Deutsche Börse lehnt eine Fristverlängerung ab. Folgt nun der Rauswurf aus dem Neuen Markt?

Unterschleissheim - Die Lage des von Skandalen geplagten Telematik-Anbieters Comroad  spitzt sich dramatisch zu. Nach der Verhaftung des entlassenen Gründerchefs Bodo Schnabel hat die Deutsche Börse nun eine Fristverlängerung abgelehnt, die der Vorstand für die Vorlage seines Jahresabschlusses beantragt hatte.

Damit ist die weitere Zulassung von Comroad für den Neuen Markt akut gefährdet, teilte die im Nemax 50 notierte Aktiengesellschaft am Mittwoch mit. Der Vorstand will gegen den Beschluss Rechtsmittel einlegen.

Comroad sollte den Jahresabschluss bis Ende März bei der Deutschen Börse vorlegen. Mit der beantragten Verlängerung sollte die Frist bis auf Ende April gestreckt werden. Sollte der Widerspruch keinen Erfolg haben, würde ein Wechsel an den Geregelten Markt erfolgen, hieß es.

Neue Prüfer

Den Jahresabschluss wird nun die WAPAG Allgemeine Revisions- und Treuhand-Gesellschaft Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft durchführen. Die Prüfungsgesellschaft KPMG hatte Mitte Februar ihr Mandat niedergelegt. Laut Comroad hatten die KPMG-Prüfer bemängelt, dass Partnergesellschaften in Spanien und Hong Kong nicht aufzufinden seien.

Mit dem Abschluss der Sonderprüfung, mit der unter anderem die Geschäftsverbindungen untersucht werden sollen, rechnet Comroad in der kommenden Woche. Anfang März hatte die Gesellschaft mitgeteilt, dass die Sonderprüfung auf die Jahre 1998 bis 2000 ausgeweitetet werden soll.

Bislang sei noch keine Schuld des früheren Chefs und Firmengründers Bodo Schnabel festgestellt worden, sagte der Sprecher. Die Staatsanwaltschaft München hatte gegen Schnabel Haftbefehl erlassen. Bei den Vorwürfen geht es um möglicherweise falsche Börsen-Pflichtmitteilungen.

Comroad hatte Schnabel Anfang März fristlos gekündigt. Bis zum gestrigen Dienstag war der Unternehmer aber als Berater für das Unternehmen tätig. An der Börse verloren die Aktien der Gesellschaft bis zum Handelsschluss 15,83 Prozent auf 1,01 Euro.

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