T-Online Bezahlinhalte sollen die Wende bringen

Die Bilanz wird rot. Soviel ist sicher. Analysten hoffen auf positive Impulse vom Portalgeschäft.

Frankfurt am Main – Wenn Deutschlands größter Internetanbieter T-Online  am kommenden Donnerstag sein Zahlenwerk für das vergangene Jahr vorlegt, konzentriert sich die Analystenzunft vornehmlich auf eine Frage: Was sagt die Telekom-Tochter zum Portalgeschäft. Denn hier liegt nach Ansicht der HypoVereinsbank-Analystin Petra Heist der Knackpunkt, den T-Online-Chef Thomas Holtrop selbst zu verantworten hat. Bis 2003, so sein Ziel, soll das Portalgeschäft (E-Commerce und Werbung) 30 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen. Doch davon ist T-Online bislang noch weit entfernt. Im vergangenen Quartal lag der Anteil bei knapp 15 Prozent. Einige Beobachter gehen sogar von einem weiteren Rückgang des Anteils im vierten Quartal aus.

Um wie angepeilt konzernweit im Jahr 2003 Gewinne schreiben zu können, setzt Holtrop dabei auf qualitativ hochwertige Bezahlinhalte: "Die Kostenlos-Kultur im Internet ist vorbei", betont er gerne. Doch bislang anscheinend noch ohne großen Erfolg: So fielen etwa das kostenpflichtige Reiseportal T-Online Travel und das zusätzliche Informationsangebot T-Info in der Bilanz des dritten Quartals mit 7,7 Millionen Euro negativ aus.

Auch von der groß angekündigten Kooperation mit dem ZDF ist wenig übrig geblieben. Um so mehr schauen die Analysten auf das vor gut einer Woche unter Auflagen vom Kartellamt genehmigte Kooperation mit Axel Springers Bild.de und das jüngst auf der Cebit vorgestellte, zum Teil kostenpflichtige, Breitband-Angebot T-Visions. Ein Analyst einer süddeutschen Bank geht davon aus, dass sich die Kooperation mit Bild.de zu einem fulminanten Umsatzmotor entwickeln wird: T-Online verdiene mit, wenn bei Bild.de Bezahlinhalte heruntergeladen werden.

Verluste vermutlich ausgeweitet

Ob T-Online im vierten Quartal 2001 das negative Vorquartalsergebnis verbessert oder verschlechtert hat, ist unter Analysten umstritten. Einig sind sich die Experten hingegen, dass die Telekom-Tochter ihren Verlust im Vergleich zum Vorjahr ausgeweitet hat.

Vor allem wegen der auf 2,2 Millionen gestiegenen Zahl der Kunden für die schnelle DSL-Zugangstechnik seien die Umsätze weiter angestiegen, sagen die Analysten übereinstimmend. Bei der Bilanzpressekonferenz an diesem Donnerstag wollen die Experten aber vor allem darauf achten, was das Unternehmen zu seinem Portalgeschäft sagen wird.

Für das vierte Quartal gehen von dpa-AFX befragte Analysten von einem Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) zwischen minus 21 und minus 53 Millionen Euro aus. Im dritten Quartal hatten die Darmstädter noch ein Ebitda-Verlust von 35 Millionen Euro präsentiert. Dabei hat das Unternehmen nach Ansicht der Experten seinen Umsatz wie in den Vorquartalen wieder deutlich auf 288 bis 336,7 Millionen Euro gesteigert.

2001 wird als "Jahr der Konsolidierung" gesehen

Auf das gesamte Jahr gerechnet prognostizieren die Analysten ein negatives Ebitda zwischen 179,08 und 199 Millionen Euro. T-Online selbst hatte seine Prognosen im November von minus 250 Millionen auf minus 200 Millionen geändert. Der Nettoverlust 2001 wird nach Ansicht der Analysten zwischen 450 und 763 Millionen Euro (auf Grund einer Sonderabschreibung) ausfallen. Im Jahr 2000 hatte T-Online noch einen Fehlbetrag von 389,7 Millionen Euro ausgewiesen. Die 2001-Umsätze werden bei 1,096 bis 1,146 Milliarden Euro gesehen.

Viele Analysten pflichten jedoch Unternehmenschef Holtrop bei, der 2001 als ein "Jahr der Konsolidierung" betitelte. Der Ex-Banker schaffte kurz nach seinem Amtsantritt den günstigen Pauschaltarif für Schmalband ab, das dem Unternehmen einen Millionen-Verlust beschert hatte. Tatsächlich gelang es T-Online dadurch bereits im dritten Quartal - und damit zwei Quartale vor der ursprünglichen Planung - zumindest in Deutschland den Breakeven zu erreichen.

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