Consors Wo bleibt der Retter?

Der zum Verkauf stehende Online-Broker schreibt rote Zahlen. Händler warten auf die Gebote.

Nürnberg - Die flaue Börse mit entsprechend schwächerem Handelsvolumen hat den Nürnberger Internet-Wertpapierhändler Consors  2001 tief in die Verlustzone rutschen lassen. Nach Steuern und Abschreibungen habe das am Neuen Markt notierte Unternehmen einen Verlust von 125,5 Millionen Euro gemacht, teilte Consors am Montag nach Börsenschluss mit. Im Vorjahr hatte Consors noch einen Jahresüberschuss von 17 Millionen Euro erwirtschaftet. Den Umsatz und andere Einzelheiten zum Jahresabschluss 2001 will das Unternehmen bei seiner Bilanzpressekonferenz am 27. März in Frankfurt bekannt geben.

Einen Gewinneinbruch musste den Angaben zufolge auch der Consors-Konzern verkraften. Der Verlust nach Steuern und Abschreibungen lag 2001 bei 62,8 Millionen Euro. 2000 hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 26,5 Millionen Euro eingefahren. Das "sehr schwache Kapitalmarktumfeld" belastete nach Vorstandsangaben auch den Konzern-Umsatz. Dieser rutschte von 333,7 Millionen Euro im Jahr 2000 auf 179,6 Millionen Euro.

Börse wartet auf die Übernahme

Die Börse hat auf die Zahlen kaum reagiert. Am Dienstag pendelte das Papier nervös um den Vortagesschlusskurs knapp unter der 14-Euro-Marke. "Der Markt hatte mit den Zahlen und den Abschreibungen gerechnet, da gab es keine großen Überraschungen mehr", kommentierte ein Händler die milde Reaktion der Anleger.

"Die Aktie dürfte zum Ende des Monats noch einmal spannend werden", schätzte ein weiterer Händler. Bis Ende März will Schmidt-Bank-Chef Paul Wienandt die Internet-Bank in einem Bieterverfahren losschlagen. Vier Banken, die französischen Institute BNP Paribas und die Société Generale (SocGen), die deutsche Commerzbank und die amerikanische Online-Bank E.Trade sind im Rennen und haben eine Offerte abgegeben.

Am Markt wird inzwischen spekuliert, zu welchem Preis Consors über den Ladentisch gehen wird. Gerüchte, BNP Paribas habe 17,90 Euro für eine Consors-Aktie geboten, hatte das Institut selbst als "lächerlich" bezeichnet. Auf dem Parkett wird erwartet, dass sich die Bank am 27. März näher zu den Verkaufsgesprächen äußern und eventuell einen Käufer präsentieren wird.

Trotz mehr Kunden weniger Transaktionen

Der Vorstand macht für den Umsatz- und Gewinneinbruch hauptsächlich das gesunkene Anlegerinteresse als Folge der schwachen Börse im Vorjahr verantwortlich. Dies habe auch in der stark gesunkenen Zahl der Wertpapier-Transaktionen der Consors-Kundschaft ihren Niederschlag gefunden. Nach Vorstands-Angaben sank die Zahl der Wertpapierkäufe und -Verkäufe 2001 von 12,3 Millionen auf 7,4 Millionen. Das Depot- und Einlagevolumen der Kunden verringerte sich im Zuge der Kursrückgänge von 9,1 auf 7,2 Milliarden Euro. Die Zahl der Kunden sei hingegen im Vorjahr um 40.000 auf 565.701 gestiegen.

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