Deutsche Telekom Der Dividendenschock

Der Konzern will die Ausschüttung für 2001 erheblich reduzieren. Statt der erwarteten 62 Cent werden die Aktionäre nur 37 Cent erhalten - falls die Hauptversammlung am 28. Mai dem Vorschlag des Vorstands zustimmt. Der Schuldenabbau und der Börsengang von T-Mobile werden auf die lange Bank geschoben.

Bonn - Die Deutsche Telekom  will ihre Dividende für das mit einem Verlust von 3,5 Milliarden Euro abgeschlossene Geschäftsjahr 2001 drastisch kürzen. Vorgeschlagen werde eine um rund 40 Prozent niedrigere Ausschüttung von 0,37 Euro, teilte der Konzern am Montagabend ad hoc mit. Nach wie vor halte man aber an den "positiven Wachstums- und Gewinnprognosen" sowie an dem Ziel fest, die Verschuldung deutlich zu verringern.

Es ist das erste Mal seit dem Börsengang 1996, dass die Telekom eine niedrigere Dividende zahlt. In den Jahren 2000 und 1999 hatte der Ex-Monopolist jeweils 0,62 Euro pro Aktie bezahlt. In den beiden Jahren zuvor waren es 0,61 Euro, und für 1996 und 1995 hatte die Ausschüttung bei 0,31 Euro gelegen.

SdK fordert Dividendenverzicht vom Bund

Über die Dividende des Bonner Konzerns hatte es erst kürzlich vehemente Diskussionen gegeben, nachdem die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) das Bundesfinanzministerium aufgefordert hatte, auf ihren Dividendenanteil bei der Telekom zu verzichten. Die SdK begründet ihre Forderung damit, dass ein Dividendenverzicht das Interesse des Bundes an einer dringend benötigten gesunden Aktienkultur in Deutschland demonstrieren würde.

Nach Angaben von SdK-Vorstandsmitglied Reinhild Keitel sind viele Anleger der Werbung für die "Volksaktie" gefolgt, weil sie der Privatisierungspolitik des Bundes vertraut hätten. Durch den Abwärtstrend der T-Aktie hätten sie teilweise enorme Verluste erlitten.

Das Finanzministerium selbst wollte die Forderungen der Aktionärsschützer zunächst nicht kommentieren. Im Gespräch mit manager-magazin.de sagte ein Sprecher, dass die Dividendenzahlungen direkt an die Bundesanstalt für Post und Telekommunikation gingen würden, unter anderem auch für die Pensionen der ehemaligen Bundespost.

Anfang März hatte die Deutsche Telekom erstmals seit ihrem Börsengang vor gut fünf Jahren rote Zahlen ausgewiesen. Der nach vorläufigen Zahlen ausgewiesene Verlust nach Sonderposten von 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2001 fiel höher aus als von Marktbeobachtern erwartet.

Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Verlust nach Sonderposten von rund 2,5 Milliarden Euro gerechnet. Im Vorjahr hatte der Bonner Telekommunikationskonzern noch einen Gewinn von 5,9 Milliarden Euro erwirtschaftet.

T-Mobile-IPO wird "flexibel angepasst"

Bislang waren die meisten Fachleute trotz der finanziellen Probleme der Telekom davon ausgegangen, dass an einer Dividende von 0,62 Euro festgehalten wird. Eine Kürzung oder gar Streichung Ausschüttung, so die Mehrheitsmeinung, würde einen erheblichen Imageschaden bedeuten, den sich der Konzern im Vorfeld des IPOs von T-Mobile nicht leisten könne. Angesichts der heftigen Kursschwankungen sei die Dividende für viele Aktionäre ein Sicherheitsnetz, sagte Werner Stäblein, Telekom-Analyst bei der BHF-Bank, im Gespräch mit manager-magazin.de.

Wann wird T-Mobile platziert?

Des weiteren beschloss die Telekom, den Börsengang ihrer Mobilfunkholding T-Mobile International AG angesichts des weltweit negativen Börsenklimas nicht in das erste Halbjahr zu legen. Ein neuer Termin solle "an die aktuelle Börsenlage flexibel angepasst werden". Ein Sprecher der Telekom sagte auf Anfrage, ein IPO im zweiten Halbjahr sei weiterhin nicht ausgeschlossen.

Der Konzern avisierte ferner deutliche Kürzungen bei den Investitionen in Sachanlagen, die im Vorjahr bei 9,9 Milliarden Euro lagen, sowie bei den Kosten. Über die Höhe wollte der Sprecher keine Angaben machen.

Beteiligungen sollen verkauft werden

Das Unternehmen bekräftigte die Absicht, sich forciert von nicht-strategischen Beteiligungen zu trennen und den Verkaufsprozess für das Fernsehkabel nach dem gescheiterten Geschäft mit dem US-Konzern Liberty Media voranzutreiben. In der Zwischenzeit hätten sich über de bereits bekannten britischen Investor Compere Associates hinaus weitere Interessenten gemeldet, sagte der Sprecher. Deren Qualität und Verlässlichkeit gelte es nun zunächst zu prüfen.

Schuldenabbau dauert länger

Die Dividendenkürzung, das Zurückfahren der Investitionen, die Drosselung der Kosten, den Verzicht auf den Börsengang zumindest bis Sommer und den geplanten Verkauf weiterer Beteiligungen bezeichnete der Vorstand als Maßnahmenpaket, mit dem die Verbindlichkeiten bis Ende 2003 auf rund 50 Milliarden Euro reduziert werden sollen. Bislang hatte die Telekom als Termin für dieses Ziel Ende dieses Jahres genannt. Damit rückt nicht nur das IPO von T-Mobile in weite Ferne: Auch das Ziel, die Schulden auf 50 Milliarden Euro zu drücken, ist um ein Jahr verschoben worden.

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