Die Metzler-Kolumne Auf zu neuen Ufern ...

... auch wenn sie noch weit sind. Wer jetzt mit Bedacht auf die richtigen Werte setzt, gehört beim Aufschwung zu den Gewinnern. Eine Analyse von Metzler-Chefanalyst Johannes J. Reich.

In den vergangenen beiden Wochen scheint sich das Börsensentiment bemerkenswert gewandelt zu haben. Vor dem Hintergrund der immer deutlicheren Hinweise auf eine Erholung, insbesondere der US-Wirtschaft, scheinen zumindest einige institutionelle Anleger ihre abwartende Haltung immer mehr aufzugeben; nun tauchen sie auf den Aktienmärkten wieder verstärkt auf der Käuferseite auf.

Die Börsenstimmung scheint ins Positive zu drehen. Was gut ist dabei: Die allgemeine Skepsis, die generelle Vorsicht hinsichtlich der weiteren Börsenentwicklung besteht nach wie vor. Von Euphorie keine Spur.

Gemeinhin – soweit die gute Nachricht – ist dies eine gesunde Voraussetzung für steigende Kurse. Die weniger gute Nachricht ist, dass es einige gute Gründe für diese Skepsis gibt.

Sperrfeuer der schlechten Nachrichten lässt nach

Zwar zieht die Weltkonjunktur spürbar an, und die Aktiengesellschaften belegen ihre Investoren nicht mehr mit einem Dauersperrfeuer negativer Nachrichten, das ändert aber nichts an der Tatsache, dass das zart keimende Frühjahrspflänzchen des Konjunkturaufschwungs einen plötzlichen späten Frosteinbruch derzeit noch kaum verkraften könnte.

Hinzu kommt: Die meisten Anleger wissen, dass die Bewertungen der Aktienmärkte - das heißt ihre "Preiswürdigkeit" - selbst bei optimistischer Beurteilung des Unternehmensgewinnpotenzials für das laufende und das nächste Jahr nicht gerade überzeugen können.

Defensive Titel erscheinen nicht mehr attraktiv

Die Kurse sind der zu erwartenden oder erhofften Gewinnentwicklung der Aktiengesellschaften in vielen Fällen ein gutes Stück vorausgeeilt. Dies führt zu der unangenehmen Situation, dass es derzeit außerordentlich schwer fällt, mit Überzeugung und Emphase den Anlegern bestimmte Sektoren ans Herz zu legen, sprich uneingeschränkt zur Anlage zu empfehlen.

Die Werte der klassischen defensiven Sektoren Nahrungsmittel, nichtzyklischer Konsum, Versorger oder Pharma scheinen endgültig ihre Zeit gehabt zu haben und drohen nun gegenüber der Performance der konjunktursensiblen oder zyklischen Sektoren wie Technologie, Software oder Maschinen- und Anlagenbau zunehmend ins Hintertreffen zu geraten.

Welche Werte sind kaufenswert?

Jedoch sind es gerade vielfach die Unternehmen dieser zyklischen und konjunktursensiblen Branchen, die bisher noch nicht in ihrer zu erwartenden mittelfristigen Gewinnentwicklung überzeugen können und somit teilweise reichlich anspruchsvoll bewertet sind. Dies gilt selbst dann, wenn man bedenkt, dass die Aktien der Unternehmen aus diesen Segmenten am Ende von konjunkturellen Abschwungphasen traditionell hoch bewertet waren.

Was also tun? In welche Bereiche des Aktienmarktes, in welche Themen sollen Anleger investieren, die weder weiter auf die zunehmend sich abnutzende Karte defensiver Anlage setzen noch sich von den Versprechungen auf eine nachhaltige und starke Wirtschaftserholung in die hoch bewerteten zyklischen Sektoren locken lassen wollen? Diese Fragen sind nicht einfach zu beantworten

Viel spricht dafür, dass es sich lohnen könnte, dennoch verstärkt in Aktien von Unternehmen zu investieren, die den jüngsten Konjunkturabschwung genutzt haben, um ihre Hausaufgaben zu machen - in Form von Restrukturierung, schneller, mutiger Kapazitätsanpassung sowie Marktanteilsausbau oder Neuausrichtung auf geänderte Markterfordernisse.

Auf dem deutschen Aktienmarkt finden sich einige solcher Unternehmen. DaimlerChrysler , Siemens , Allianz , Commerzbank , Deutsche Bank  und Lufthansa  sind Beispiele für Unternehmen, die jeweils – natürlich im Rahmen ihrer Möglichkeiten – eine Neuausrichtung im Sinne einer Steigerung ihrer Effizienz und Profitabilität oder auch ihrer Marktposition beherzt angepackt haben.

Wenn sich die Weltwirtschaft - wie erhofft - erholen sollte, dürften solche Unternehmen hiervon besonders profitieren und den Anleger mit vergleichsweise guter Aktienperformance belohnen.

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