Infineon Volksaktie ohne Vertrauen

Zum Börsendebüt galt die Chipschmiede als Hoffnungsträger auf dem deutschen Aktienmarkt. Schlagzeilen machte das Papier aber mit Kursverlusten. Zum zweiten Geburtstag gab sich Investor-Relations-Chef Matthias Poth dennoch optimistisch.
Von Harald Grimm

Hamburg/Frankfurt – Mit einem Traumstart begann die Aktie von Infineon  ihre Karriere am Kapitalmarkt: Innerhalb der ersten Handelsminute hatte sich der Kurs verdoppelt, über 600.000 Anleger freuten sich über einen Zeichnungsgewinn von 100 Prozent. Das war vor zwei Jahren, am 13. März 2000.

Von der damaligen Euphoriewelle getragen, galt die Emission der Siemens-Tochter als einer der erfolgreichsten deutschen Börsengänge. Das Papier war 33fach überzeichnet und wurde in den Medien als zweite Volksaktie nach der T-Aktie  gefeiert. Schon nach drei Monaten adelte der Arbeitskreis Aktienindizes den Münchener Halbleiter-Hersteller mit der Aufnahme im Dax.

Der Karriereknick der jungen Aktie wurde mit dem Platzen der Technologieblase an den Börsen eingeleitet. Zwar stiegen die Titel des Halbleiterherstellers kurzfristig auf knapp 90 Euro, doch seit Mitte 2000 zeigt der Kurs nach unten. Aktuell pendelt das Papier um die 26-Euro-Marke, knapp 26 Prozent unter dem Emissionspreis und 63 Prozent unter der Erstnotiz.

Im Sog der Märkte gefallen

Von einem Misserfolg möchte Infineon dennoch nicht sprechen. Die Kursperformance "muss im Zusammenhang mit der Gesamtmarktentwicklung betrachtet werden", sagt Matthias Poth, Leiter Investor Relations bei Infineon. Der zweite Geburtstag sei "selbstverständlich" ein Grund zum Feiern.

Ab dem 13. März sind Poth zufolge die internationalen Börsen zusammengebrochen. "Wir haben uns noch eine Weile gegen den Trend wehren können, sind aber auch dann davon betroffen worden."

Im Vergleich zum Wettbewerb sei die Entwicklung aber zufriedenstellend gewesen. Zu dem weiteren Kursverfall habe im vergangenen Jahr "eine der größten Rezessionen auf dem Halbleitermarkt" beigetragen.

Die Talfahrt der Infineon-Aktie hat aber auch viel Vertrauen der Anleger zerstört. Knapp vier Millionen Investoren haben die Titel gezeichnet, viele waren von der Börsenhausse und dem Medientitel Volksaktie verführt worden.

Das sagen die Analysten

Die Siemens-Tochter selbst sieht das Thema "Volksaktie Infineon" naturgemäß etwas anders. Sprecher Matthias Poth: "Dieses 'Volksaktientum' ist eher von außen an uns herangetragen worden. Vielleicht haben wir uns nicht genug dagegen gewehrt, aber wir haben uns nie als Volksaktie bezeichnet."

Stattdessen, so Poth, habe Infineon selber immer vor den Risiken von Halbleiteraktien gewarnt. Nun bemühe sich das Unternehmen, den Vertrauensverlust so schnell wie möglich wieder wettzumachen.

Analysten raten wieder zum Kauf

Zumindest die Marktsituation gibt derzeit Hoffnung. Von seinem Rekordtief bei 12,28 Euro im vergangenen September hat sich das Papier wieder erholt, nicht zuletzt wegen deutlich anziehender Chippreise.

Auch unter Analysten steht die Infineon-Aktie wieder in einem besseren Licht. So empfiehlt Lehman Brothers die Titel derzeit zum Kauf und gibt ein Kursziel von 37 Euro an.

Zur Begründung verweisen die Experten auf eine Erholung auf dem Speicherchipmarkt und der angekündigten Zusammenarbeit mit dem Halbleiter-Spezialisten Winbond. Positive Einschätzungen kamen jüngst auch von der US-Investmentbank Merrill Lynch, Merck Finck & Co. und Sal. Oppenheim.

Erst Anfang dieser Woche hatte Infineon eine Zusammenarbeit mit den taiwanischen Herstellern Winbond und Mosel Vitelic angekündigt. Durch die Vereinbarungen steige die Kapazität zur Herstellung von DRAM-Chips um die Kapazität einer mittleren Fabrik, ohne selbst investieren zu müssen, hieß es.