Mittwoch, 26. Juni 2019

Neuer Markt Die Chronik einer Kapitalvernichtung

6. Teil: Der Prozess gegen die Haffas

26. November 2002: Die EM.TV-Gründer Thomas und Florian Haffa geraten im Betrugsprozess vor dem Landgericht München durch einen Zeugen weiter in Bedrängnis. Der frühere EM.TV-Finanzchef Ulrich Goebel sagt aus, er habe die beiden am 17. September 2000 schriftlich auf fehlerhafte Halbjahreszahlen hingewiesen.

Vor Gericht: Thomas Haffa und sein Bruder Florian
Trotz der eindringlichen Warnung bekräftigten die Haffa-Brüder die Zahlen nach Ansicht der Staatsanwaltschaft in den Wochen darauf in mehreren Gesprächen mit Investoren. Erst am 9. Oktober 2000 korrigierte EM.TV Börsen-Chart zeigen die Zahlen öffentlich und löste damit einen Kurssturz der Aktie um 30 Prozent innerhalb eines Tages aus. Goebel musste EM.TV wenige Wochen später auf Wunsch von Florian Haffa verlassen.

1. Dezember 2002: Eine weitere Pleite am Neuen Markt. Über die SZ Testsysteme AG Börsen-Chart zeigen ist das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Wie das Unternehmen mitteilt, soll der Geschäftsbetrieb bis zur Gläubigerversammlung am 13. Dezember aufrecht erhalten werden.

17. Dezember 2002: Die nächste Pleite: Der Netzwerkausrüster Bintec Communications Börsen-Chart zeigen ist zahlungsunfähig und stellt beim Amtsgericht Nürnberg Insolvenzantrag. Im Februar und Juli hatte der Münchener Risikokapitalgeber und Aufsichtsratschef Falk Strascheg Bintec zweimal mit einer Kapitalspritze und einem Millionenkredit vor der Insolvenz gerettet. Ende September hatte die AG noch 2,12 Millionen Euro an flüssigen Mitteln ausgewiesen.

13. Januar 2003: Die Ermittlungen bei der Skandalfirma Metabox Börsen-Chart zeigen haben zu einer Anklage gegen den Gründer Stefan Domeyer geführt. Der Ex-CEO soll sich vor der 10. Großen Strafkammer des Landgerichts Hildesheim wegen Kursbetrugs in zwei Fällen verantworten. Dabei geht es vor allem um zwei Ad-Hoc-Meldungen aus dem Jahr 2000, deren Wahrheitsgehalt von Experten bereits damals bezweifelt wurde.

10. März 2003: Der Neue Markt wird sechs Jahre alt, aber von Festtagsstimmung kann keine Rede sein. Nach einem anfangs freundlichen Handelsauftakt ist das Geschehen in Frankfurt vor allem von Verlusten geprägt. Gegen 11 Uhr notiert der Nemax 50 bei 325,04 Punkten. Elf Gewinnern und elf unveränderten Titeln stehen 28 Verlierer gegenüber. Der marktbreite All Share liegt mit 373,91 Punkten nur knapp über dem Nemax 50. "Das Geschäft hier am Neuen Markt geht gegen Null, und dass heute sechster Geburtstag ist, interessiert auch niemanden mehr", sagte ein Händler einer Frankfurter Bank.

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