Die Thilenius-Kolumne Wie stark wird der US-Aufschwung?

Die Rezession scheint überstanden. Der Aufschwung dürfte zwar nicht so kräftig ausfallen wie von vielen Optimisten erhofft, Werte wie Microsoft bieten zu Beginn der Erholungsphase jedoch Chancen.

Die wirtschaftlichen Daten, die in den vergangenen Tagen veröffentlicht wurden, haben immer mehr Hinweise auf eine wirtschaftliche Erholung in USA geliefert. Die Rezession des Jahres 2001 hat laut Alan Greenspan bereits geendet.

Gebremster Anstieg

Im ersten Jahr einer Erholung nach einer Rezession beträgt das wirtschaftliche Wachstum in USA im Schnitt 6-7 Prozent. Diesmal dürfte das Wachstum jedoch niedriger liegen.

Wenn man das Wirtschaftswachstum, das für das 4. Quartal 2002 erwartet wird, am Wirtschaftswachstum des 4. Quartals 2001 misst, dürfte der Anstieg ungefähr bei 4 Prozent liegen. Einer der Gründe für den geringeren Anstieg dürften die Spätfolgen des 11. September 2001 sein.

Vergleich mit 1991/92

Hier bietet sich ein Vergleich an mit der schwächsten Erholungsphase der Nachkriegszeit, der Erholung von 1991-1992, in der das Wirtschaftswachstum lediglich 2,3 Prozent betrug. Im 4. Quartal dieses Jahres sollte sich in den USA ein Gewinnwachstum von 20-25 Prozent einstellen.

Die Gründe dafür sind die Kombination von höherer Produktivität und höherer Produktion. Die Arbeitslosenzahl sollte bis auf etwa 5,5 Prozent zurückgehen.

Da die Arbeitslosigkeit geringer als in früheren Rezessionen ist, konnten die Löhne und Gehälter insgesamt im 4. Quartal 2001 um 3,6 Prozent gegenüber dem 4. Quartal 2000 steigen. Die Ausgaben der Verbraucher sind um 3 Prozent gestiegen.

Aufgrund der niedrigeren Arbeitslosigkeit als in früheren Rezessionsphasen, der dadurch relativ höheren Kaufkraft und des Lagerabbaus rechnen Fachleute mit einem Wirtschaftswachstum von etwa 3-3,5 Prozent zum Ende dieses Jahres. Das bedeutet, dass die US-Wirtschaft dann auf ihren langfristigen Wachstumspfad zurückkehren dürfte.

Wer die guten Aussichten für das Jahresende im Blick hat und die derzeitige Schwäche des Marktes aufgrund des Enron Skandals nutzen will, ist mit einem breit aufgestellten, in vielen Feldern tätigen Wert wie Microsoft  nicht schlecht bedient.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den erwarteten Gewinn für das Jahr 2003 beträgt 30. Das ist eine, gemessen an den historischen Maßstäben, relativ günstige Bewertung für eine Aktie, die in guten und auch in schlechten Zeiten ein kontinuierliches Gewinn-Wachstum abgeliefert hat.

Die Aussichten für Microsoft sind nicht mehr an einem Gewinn-Wachstum von 40 Prozent wie vor einigen Jahren, sondern eher bei einem Gewinn-Wachstum von 15-20 Prozent zu suchen. Dafür hat Microsoft 45 Milliarden Dollar liquide Mittel in der Kasse und kann damit jedes Produkt entwickeln und jeden Mitbewerber übernehmen. Die langfristigen Aussichten sind damit sehr gut.

Georg Thilenius