Schering Vorstandsvorsitzender legt seine Bezüge offen

Der Dax-Konzern strebt das siebte Rekordjahr in Folge an. Chef Erlen gibt seine Bezüge bekannt.

Berlin - Der Berliner Pharmakonzern Schering  will sich mit den 1,5 Milliarden Euro aus dem Verkauf seiner Anteile am Pflanzenschutzhersteller Aventis CropScience vor allem in den US-Pharma-Markt einkaufen. Schering-Vorstandschef Hubertus Erlen kündigte am Freitag auf der Bilanzpressekonferenz in Berlin an, die Bereiche Krebsbehandlung und Dermatologie durch Zukäufe stärken zu wollen. Die Neuausrichtung des Unternehmens mit einem stärkeren Fokus auf den US-Markt sei abgeschlossen. Schering hatte unter anderem den Geschäftsbereich Spezialtherapeutika in die USA verlagert, um stärker von der dortigen Forschung zu profitieren.

Für 2002 erwartet Schering das siebte Rekordjahr in Folge. Der Umsatz soll im hohen einstelligen Bereich, Betriebsgewinn und Konzerngewinn zweistellig steigen, sagte Finanzvorstand Klaus Pohle, der das Unternehmen in diesem Jahr verlässt. Im vergangenen Jahr hatte der Jahresüberschuss zwar um 24 Prozent auf 418 Millionen Euro zugelegt, das Betriebsergebnis stieg jedoch wegen hoher Vertriebs- und Verwaltungskosten lediglich um vier Prozent auf 668 Millionen Euro. Der Vorstand schlägt eine Dividende von 0,83 Euro vor (Vorjahr: 0,67 Euro plus 0,33 Euro Einmalzahlung). Der Umsatz stieg um acht Prozent auf 4,84 Milliarden Euro.

Zusätzliche Wachstumspotenziale

"Durch den Ausbau unserer Produktfamilien und die Ausdehnung unserer Geschäftsaktivitäten in benachbarte Bereiche, wie beispielsweise die männliche Hormontherapie, erschließen wir uns zusätzliches Wachstumspotenzial", sagte Pohle. Vorstandschef Erlen kündigte an, noch in diesem Jahr das Hormon Testosteronundecanoat in Europa zur Registrierung anmelden zu wollen. Damit soll dem altersbedingten Testosteron-Mangel bei Männern entgegengewirkt werden. Auch neue Verhütungspillen für Frauen sollen in nächster Zeit auf den Markt kommen. Zudem will Schering von der Blutkrebstherapie in die Behandlung solider Tumore expandieren.

Hauptumsatzträger soll auch in diesem Jahr Betaferon, ein Medikament zur Behandlung von multipler Sklerose, sein. Zudem soll der Marktanteil bei der neu eingeführten Antibaby-Pille Yasmin stark gesteigert werden. Damit müssen Einnahmeausfälle beim Herzmittel Betapace aufgefangen werden, für das Patent ausgelaufen ist. In den USA erhofft sich Schering zudem eine höhere Rendite, weil das Unternehmen seine Produkte von nun an selbst vertreibt. Bisher stammen 23 Prozent des Umsatzes aus den USA. Mit 275 Millionen Euro sollen die Produktionskapazitäten erweitert werden. 18 Prozent des Umsatzes flossen im vergangenen Jahr in Forschung und Entwicklung.

Erlen betonte, er sei einer der ersten Vorstandschef eines börsennotierten deutschen Unternehmens, der seine Vorstandsbezüge offen lege. Im vergangenen Jahr verdiente der Manager, der Ende April den Posten übernommen hatte, 472.000 Euro Festgehalt und 1,4 Millionen Euro an variablen Bezügen.

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