Dax-Konferenz Infos für Insider?

Eine Investorenkonferenz der Deutschen Bank sorgt für Aufregung. Eine handverlesene Gruppe von Analysten und Fondsmanagern soll exklusive Informationen erhalten haben, und prompt stiegen die Kurse einiger Aktien deutlich an. Nun ermittelt das Bundesaufsichtsamt.

Frankfurt am Main - Auf der dreitägigen Veranstaltung, die seit Mittwoch unter Ausschluss der Presse stattfindet, präsentieren sich nach Angaben von Marktteilnehmern etwa 70 deutsche Unternehmen - darunter nahezu alle Dax-30-Konzerne - rund 300 institutionellen Investoren aus aller Welt.

Aktienhändler erklärten, Aussagen von Referenten hätten definitiv Einfluss auf die Aktienkurse der Unternehmen gehabt. Viele Informationen seien publizitätspflichtig gewesen. Bereits am Mittwoch seien die Papiere von Deutsche Telekom , Infineon , Epcos  oder Software AG  nach positiven Aussagen der Vorstände auf eben dieser Konferenz stark gestiegen. Vor allem institutionelle Anleger hätten gekauft, hieß es. Und eben diese Gruppe von Anlegern sei von der Deutschen Bank eingeladen worden.

Deutsche Post: "Wir beachten die Regeln"

An der Konferenz beteiligte Unternehmen wiesen den Vorwurf zurück, sie hätten gegen Vorschriften des Wertpapierhandelsgesetzes verstoßen. Vorgestellte Zahlen und Fakten seien bereits bekannt gewesen. Ein Sprecher der Deutschen Post erklärte gegenüber manager-magazin.de: "Wir kennen die Regeln und achten strikt darauf, dass die Informationen allen Investoren gleichzeitig zur Verfügung stehen."

Der "Gelbe Riese" hatte am Donnerstagnachmittag zur Überraschung der Märkte seine vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2001 veröffentlicht, über die Konzernchef Klaus Zumwinkel zeitgleich während der Konferenz berichtete.

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) zeigte sich über den geschlossen Charakter der Veranstaltung besorgt. Sprecherin Reinhild Keitel sagte mm-online: "Das Problem ist, inwieweit auf der Konferenz ad-hoc-pflichtige Tatsachen durch Diskussionen oder Fragen herausgelockt und dann von den Vorständen mitgeteilt wurden - ad-hoc-pflichtige oder insiderrelevante Tatsachen, was ja fast deckungsgleich ist." Ein Zusammenhang zwischen der Investorekonferenz und den steil ansteigenden Kursen einiger Aktien liege ihrer Ansicht nach allerdings auf der Hand.

Analysten sind ungehalten

Am Donnerstag hätten unter anderem Commerzbank , Allianz , SAP , MLP  und Preussag  auf der Tagesordnung gestanden. Auch dort habe es Informationen gegeben, die, vor allem bei der Commerzbank, für überproportionale Kursgewinne gesorgt hätten, sagten Händler.

Bei zahlreichen Fachleuten sorgte der Sachverhalt trotz der Beteuerungen der Unternehmen für Unmut. Ein Analyst brachte die Stimmung auf den Punkt: "Überall wird davon geredet, dass das Vertrauen in die Börsen wiederhergestellt werden müsse", sagte er. "Aber eine solche exklusive Veranstaltung, auf der auch noch wirklich interessante Neuigkeiten verbreitet werden, konterkariert doch die ganzen Bemühungen."

Vor diesem Hintergrund forderte SdK-Sprecherin Keitel: "Die Öffentlichkeit muss zu Investoren- und Analystenkonferenzen zeitgleich - zum Beispiel durch eine Übertragung im Internet - Zugang haben." Die Forderung sei auch Thema im Zuge der Corporate-Governance-Diskussion gewesen, dann aber "hinten runtergefallen".

Kritik von der DSW

Den Ausschluss der Öffentlichkeit kritisierte auch die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW): "Das hat mit Transparenz und Corporate-Governance nicht mehr viel gemein", erklärte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker gegenüber mm-online.

Hocker weiter: "Ich befürchte, dass die Unternehmen in der Tat gegen den Gleichheitsgrundsatz bei der Informationsversorgung ihrer Aktionäre verstoßen haben." Wenn 300 institutionelle Investoren aus aller Welt zu einer Konferenz anreisten, auf der sich mehr als 70 Unternehmen vorstellten, sei nicht davon auszugehen, "dass hier nur Altbekanntes vorgestellt wird."

Ein Sprecher der Deutschen Bank  bestätigte zwar, dass viele Dax-Unternehmen sich auf der Konferenz vorstellten, eine Liste diese Unternehmen wollte er aber nicht zur Verfügung stellen. Die Deutsche Bank hält die Aufregung um die von ihr veranstaltete Investorenkonferenz für unbegründet.

BAWe nimmt Ermittlungen auf

Die Veranstaltung sei ein Forum, auf dem von Unternehmen bereits Bekanntes einem Publikum von institutionellen Investoren nochmals erläutert werde, so der Sprecher. Wirklich neue Informationen habe es nicht gegeben, fügte er hinzu. Die Idee der Konferenz sei vielmehr, ausländischen Investoren die Gelegenheit zu geben, in kurzer Zeit möglichst viele deutsche Vorstände kennenzulernen.

Das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel (BAWe) ist sich offenbar nicht ganz so sicher, dass den aus New York und London eigens angereisten Profis auf der Frankfurter Konferenz lediglich Altbekanntes aufgetischt wurde. Die Behörde hat inzwischen offiziell eine Untersuchung eingeleitet.

BAWe prüft "insiderrechtliche Aspekte"

Man prüfe die Konferenz im Hinblick auf mögliche Ad-hoc-Verstöße, sagte eine Behördensprecherin. Zugleich würden mögliche insiderrechtliche Aspekte untersucht, fügte sie hinzu. Das BAWe werde als nächsten Schritt nun Informationen von den betroffenen Unternehmen einholen, nach deren Präsentationen sich Kursbewegungen ergeben hatten.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Vereinigte Wirtschaftsdienste stellten sich auf der Konferenz am Donnerstag noch Consors , AWD , AMB Generali, Deutsche Post , Bayer , Lufthansa , MAN , Stinnes , Continental  , Südzucker, Preussag , RWE  und DaimlerChrysler  vor. Der Freitag gehört angeblich weitgehend Unternehmen des Neuen Marktes.

US-Regeln deutlich strenger

In den USA sind solche "Kamingespräche" unter Ausschluss der Öffentlichkeit bereits seit einiger Zeit verboten. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hatte im August 2000 die so genannte Regulation Fair Disclosure (RFD) eingeführt. Diese sieht vor, dass Journalisten, Kleinanleger und andere Interessierte Zugang zu Telefonkonferenzen oder Veranstaltungen erhalten müssen, auf denen Manager den Finanzprofis Rede und Antwort stehen. Inzwischen lassen sich die "Conference Calls" amerikanischer Unternehmen im Internet verfolgen - ohne Beschränkungen und für jeden einsehbar.

Zumindest mit der SEC werden die in Frankfurt vertretenen Unternehmen keine Probleme bekommen. Wie ein SEC-Sprecher gegenüber Spiegel Online sagte, gilt die RFD-Regelung für in New York zweitnotierte deutsche Unternehmen nicht.

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