Deutsche Post Nach Rekordjahr erneut zugelegt

Der Gewinn stieg überraschend stark, die Dividende wird erhöht - aber der Ausblick ist verhalten.

Bonn - Die Deutsche Post  hat die Märkte mit vorläufigen Zahlen für das Jahr 2001 überrascht. Der Konzern hat seine Gewinnprognose nach eigenen Angaben für das vergangene Geschäftsjahr mehr als erfüllt, für 2002 aber einen eher verhaltenen Ausblick gegeben. Zwar werde für dieses Jahr eine Fortsetzung des "Erfolgskurses" erwartet, teilte Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel am Donnerstag mit. Es werde aber schwierig, das operative Ergebnis nochmals zu übertreffen.

Um mehr als sieben Prozent auf rund 2,6 Milliarden Euro steigerte die Deutsche Post 2001 ihr Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (Ebita). Das Unternehmen hatte zuvor zwar keine konkrete Prognose abgegeben, aber stets eine Erhöhung des Ebita um etwa fünf Prozent in Aussicht gestellt. Der Umsatz habe um zwei Prozent auf rund 33,4 Milliarden Euro und der Nettogewinn um 4,6 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zugelegt, hieß es zudem.

Dividende wird angehoben

Die Dividende für das Geschäftsjahr 2001 will die Post erhöhen. Die Gewinnbeteiligung werde wie bereits angekündigt auf 25 bis 30 Prozent des Nettogewinns nach 20 Prozent im Vorjahr angehoben, sagte Finanzvorstand Edgar Ernst im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Laut Ernst stabilisierte sich gegen Jahresende 2001 das für die Post ausschlaggebende Briefgeschäft wieder, nachdem es zuvor im traditionell schwachen dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr rückläufig gewesen war. "Der Mail-Bereich ist im vierten Quartal nicht zurückgegangen, sondern mindestens auf Vorjahresniveau geblieben."

"Gelber Riese" trotzte Konjunkturflaute

Post-Chef Zumwinkel sagte: "Im Jahr Eins nach dem Börsengang ist es uns gelungen, trotz der erheblichen Konjunkturabschwächung das Rekordergebnis des Geschäftsjahres 2000 zu übertreffen." Eine besonders positive Entwicklung habe die Post in den Segmenten Express und Logistik erzielt. Dies solle sich in Zukunft durch die fortschreitende Integration der Konzernbereiche und die daraus resultierende Synergie-Effekte bestärken.

Die Papiere der Deutschen Post legten zunächst mehr als ein Prozent zu, rutschten dann allerdings bis 16.30 Uhr leicht auf 14,83 Euro ab. Händler Norbert Empting von Schnigge begründete die Kursaufschläge mit den leicht übertroffenen Erwartungen. Der eher verhaltene Ausblick für das Jahr 2002 trete da offenbar eher in den Hintergund. Zudem habe der Aktienkurs in den Wochen zuvor unter einer drohenden Steuernachzahlung gelitten.

Commzerbank vom Ausblick enttäuscht

Für Post-Analyst Karl Green von der Commerzbank lagen die vorläufigen Zahlen des Bonner Konzerns im Rahmen der Vorhersagen. Die Gewinnprognose für 2002 bleibe dagegen etwas hinter den Erwartungen zurück, sagte Green. Die Post erwarte nicht unbedingt, das operative Ergebnis in diesem Jahr weiter steigern zu können, und er sei bisher von einem Wachstum von einigen Prozentpunkten ausgegangen. Insofern müsse er möglicherweise seine Vorhersage leicht nach unten korrigieren, fügte Green hinzu. Für den Aktienkurs sehe er hieraus jedoch keine große Bedeutung.