Brasilien Real endgültig freigegeben

Nach der Ausweitung und späteren Aufhebung der Schwankungsbreiten soll sich der Wert der brasilianischen Währung auch weiterhin nach den Marktkräften richten. Die Aktien reagierten darauf mit weiteren Kursanstiegen.

Brasilia - Brasilien wird die Landeswährung Real weiterhin frei am Devisenmarkt schwanken lassen. Die Wechselkursfreigabe wurde am Montag von der Zentralbank in Brasilia bestätigt. Nach einer starken Abwertung des Real am vergangenen Freitag hatte die Zentralbank erstmals seit Einführung des Stabilitätsplans "Plano Real" vor fünf Jahren nicht zur Stützung des Real auf den Devisenmärkten interveniert, dabei die künftige Währungspolitik aber zunächst offengelassen.

An den brasilianischen Aktienmärkten kam es nach den Äußerungen der Notenbank am Montag erneut zu hohen Kursanstiegen. Im Finanzzentrum São Paulo an der größten Börse Lateinamerikas schnellten die Aktienkurse in den ersten zwei Handelsstunden um acht Prozent in die Höhe. An der kleineren Börse in Rio betrug der Anstieg zunächst rund fünf Prozent.

In einem nun in Brasilia veröffentlichten Kommuniqué heißt es, die Zentralbank werde gelegentlich und in begrenzter Form an den Märkten intervenieren können, um die ungewöhnlichen Bewegungen des Wechselkurses zu hemmen. Die neue Währungspolitik wurde laut Medienberichten nach den zähen Verhandlungen zwischen Finanzminister Pedro Malan und dem neuen Notenbankchef Francisco Lopes mit Vertretern des Internationalen Währungsfonds am Wochenende in Washington beschlossen.

Malan erklärte in der US-Hauptstadt, dank der neuen Währungspolitik benötige Brasilien nun die Freigabe des nächsten Teils eines internationalen Hilfspakets in Gesamthöhe von 41,5 Milliarden Dollar (69,72 Milliarden Mark) nicht mehr so dringend.

Brasilien steckt in einer Finanzkrise, die sich in der vergangenen Woche mit der Abwertung des Real um insgesamt mehr als 20 Prozent und dem Rücktritt von Zentralbankchef Gustavo Franco sowie einer Beschleunigung der Kapitalflucht zugespitzt hatte. Das Land leidet unter einem Finanzdefizit von fast 70 Milliarden Dollar oder mehr als acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

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