Deutsche Telekom Angst vor dem Börsenflop

Der Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobile steht auf der Kippe. Die T-Aktie stürzt ab.
Von Harald Grimm

Frankfurt am Main/Hamburg - Telekom-Chef Ron Sommer hat die T-Aktie zum Wochenschluss auf Talfahrt geschickt. Nach seiner Ankündigung, der Konzern schließe eine Verschiebung des T-Mobile-Börsengangs bis 2003 nicht aus, sackte der Kurs um über fünf Prozent. Am Nachmittag notierte das Papier nur knapp über der 15-Euro-Marke.

Er stehe nicht mit dem Rücken zur Wand, der Börsengang könne zum "richtigen" Zeitpunkt erfolgen, sagte Sommer am Rande einer Industriekonferenz des Bundesverbandes der Deutschen Industrie am Freitag. Die Emission werde aber weiter für das laufende Jahr geplant. Die Platzierung hänge von den Marktbedingungen ab.

Was auf dem Parkett eine heftige Kursreaktion auslöste, sorgte in Händlerkreisen jedoch nicht für Erstaunen: "Es ist ja schon länger gemutmaßt worden, dass der Börsengang verschoben wird", sagte Aktienhändler Wolfgang Kuhl von der SEB Bank.

"Ich halte einen Börsengang im derzeitigen Börsenumfeld nicht für ratsam," sagte Joachim Koller, Telekom-Analyst von Merck Finck & Co. im Gespräch mit manager-magazin.de. Auf dem derzeitigen Niveau würden die Bonner "viel zu wenig erlösen". Zudem sei es besser, einen Börsengang bereits in der Planungsphase abzusagen, um einen Imageschaden zu vermeiden. Ein Rückzieher kurz vor der Emission "ist so ziemlich die schlechteste Publicity, die man haben kann". Ob das Börsenumfeld für ein IPO tauge, könne schon drei bis vier Monate im Voraus abgeschätzt werden.

Ursprünglich hatte die Telekom die T-Mobile-Emission für Juni/Juli beziehungsweise August/September dieses Jahres anvisiert. Der Erlös war zum Teil für den dringend benötigten Schuldenabbau geplant. Die fehlenden Einnahmen sollte die Telekom jedoch verkraften können, sagte Koller. "Sie haben immer noch viele Assets, die sie verkaufen können." Dazu gehörten das Kabelnetz und die Immobilien, zudem besäßen sie immer noch ihre "Cash-Cow", das Festnetz. Zwar sei die Möglichkeit gegeben, dass das Kreditrating kurzfristig leide, doch sei die Wirkung nicht so gravierend. "Sie könnten das auf jeden Fall überleben. Die Situation ist bei weitem nicht so prekär wie bei der France Telecom zum Beispiel."

Falls der Börsengang abgeblasen werden sollte, würde Koller zufolge die UMTS-Einführung darunter nicht leiden. "Wenn doch, wäre es ein ziemlicher Schuss nach hinten. Ich finde es ohnehin schwach, dass es einer der größten Telekomkonzerne nicht schafft, vor Mitte 2003 mit UMTS zu starten, wohingegen es in Japan, Monaco und der Isle of Man schon Netzwerke gibt." Derzeit bewertet der Merck-Finck-Analyst die T-Aktie als "Marketperformer".

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