Euro Bargeld schon 2001?

Die EU will prüfen, ob die Bürger das neue Geld nicht möglicherweise früher als geplant in Händen halten können.

Brüssel - Die Europäische Union will eine frühere Einführung des Euro-Bargelds prüfen. Mit einem entsprechenden Beschluß kamen die EU-Finanzminister bei ihrer ersten Sitzung unter deutscher Präsidentschaft am Montag in Brüssel einem Vorschlag Belgiens nach. Der belgische Finanzminister Jean-Jacques Viseur hatte angeregt, das Bargeld bereits am 1. Oktober 2001, und nicht wie bislang geplant am 1. Januar 2002 einzuführen. Mehrere Ressortleiter begrüßten den Vorschlag, nannten ihn wegen organisatorischer Hindernisse aber unrealistisch.

Viseur sagte, für die EU-Bürger sei es schwierig nachzuvollziehen, daß das neue Geld noch nicht in Münzen und Scheinen existiere. Das sei so, als führe ein Unternehmen ein neues Produkt ein, das es noch nicht zu kaufen gebe. Vergangene Woche hatte der stellvertretende belgische Ministerpräsident Elio Di Rupo vorgeschlagen, die Einführung des Bargeldes um ein Jahr vorzuverlegen. Damit müsse der Enthusiasmus der Bürger ausgenutzt werden, der nach der offiziellen Einführung der neuen Währung am 1. Januar dieses Jahres entstanden sei.

Der abgemilderte Vorschlag Viseurs wurde von den Finanzministern Österreichs, Portugals, Luxemburgs und Frankreichs grundsätzlich begrüßt. Der französische Ressortleiter Dominique Strauss-Kahn bezeichnete den Vorstoß als gut, schränkte aber ein, daß er sich wegen technischer Gründe nicht umsetzen lasse. In diesem Sinn äußerte sich auch der luxemburgische Ministerpräsident und Finanzminister Jean-Claude Juncker.

Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer hatte bereits vergangene Woche gewarnt, daß die dreijährige Übergangsfrist benötigt werde, um die Milliarden Euro-Scheine und -Münzen zu drucken und zu prägen. Zudem soll besonders der Automatenindustrie ausreichend Zeit für die Umstellung gegeben werden. Nach der geplanten Einführung des Bargeldes am 1. Januar 2002 ist zudem eine sechsmonatige Übergangsfrist vorgesehen, in der der Euro und die frühere Währung des jeweiligen Landes gültig sind.

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